Schönheider Firma gehört jetzt Wolfsburger Gruppe

Die 420 Mitarbeiter zählende ES Automobilguss hat einen neuen Besitzer. Die Gemeinde muss um Steuereinnahmen bangen.

Schönheide.

Nächstes Jahr jährt sich die Gründung des Schönheider Hammerwerkes zum 450 Mal. Heute gilt die Gießerei an der Zwickauer Mulde als Deutschlands ältestes Eisenwerk, das noch in Betrieb ist. Nun ist der Automobilzulieferer ES Automobilguss verkauft worden. An die Preventgroup, eine GmbH, in Wolfsburg, Niedersachsen. Die Information über den Verkauf stammt aus der 420-köpfigen Belegschaft; eine Sprecherin der Preventgroup bestätigt, dass er Ende Oktober stattgefunden habe. Laut Internetseite verbirgt sich hinter der Gruppe eine nicht ersichtliche Anzahl von Firmen, die europaweit in der Automobilzuliefererindustrie, der Modebranche und in der Möbelindustrie mitmischt. Damit leiten die Geschicke der geschichtsträchtigen Gießerei erstmals überregionale Akteure.

Laut Andreas Schubert, dem Leiter des Heimatmuseums vor Ort, wurde in dem Schönheider Hammerwerk 1580 der erste Hochofen in der Region aufgestellt. Ab 1825 befand sich das Hammerwerk im Besitz der Familie Edler von Querfurth, einem Annaberger Geschlecht. 1866 habe die Eisengießerei unter deren Führung als erste in Deutschland und auf dem europäischen Festland schmiedbaren Guss hergestellt, so Schubert. Die Querfurths wurden 1945 enteignet, nach 1990 bildeten eine Nachfahrin, ein Schönheider und ein Eibenstocker die Teilhaber einer neuen GmbH. Das Management der ES Automobilguss, die Differenzialgehäuse für die Autoindustrie herstellt, lag bei dem einheimischen Vater-Sohn-Gespann Thomas und André Löffler, die das Unternehmen nun abgestoßen haben.

Zu den Hintergründen des Verkaufs ist offiziell nichts bekannt, Anfragen an den neuen Geschäftsführer Christian Brenner blieben bisher unbeantwortet. Thomas Löffler verweist auf diesen. In der Vergangenheit hatte die Gießerei mehrmals Schlagzeilen geliefert, weil die Führung mit dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Metall im Clinch lag, ein anderes Mal ein Teil der Mitarbeiter mit Warnstreiks mehr Lohn forderte. Zum Verkauf heißt es bei der IG Metall in Zwickau: "Wir waren davon sehr überrascht." Der neue Eigentümer habe jedoch signalisiert, die im Frühjahr mit der Gewerkschaft vereinbarten Ziele für die Belegschaft weiter umzusetzen.

Ungewissheit bedeutet der Verkauf auch für die Kommune. Die ES Automobilguss ist bisher der größte Arbeitgeber und damit der größte Gewerbesteuerzahler vor Ort gewesen. Bürgermeister Kai Wilhelm (SPD): "Inwieweit sich der Verkauf auf unsere Einnahmen auswirkt, ist noch zu klären."

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