Schwerer Vorwurf: Sachsenforst macht illegal Jagd auf Rotwild

Kritiken an fragwürdigen Methoden sind nichts Neues. Neu ist aber, dass sich dabei scheinbar nicht ans Gesetz gehalten wird. Ein Fall beschäftigt Polizei und Behörden.

Aue/Schwarzenberg.

Karsten Bergner kennt viele perfide Mittel, mit denen Jagd auf Rotwild gemacht wird. Was der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Erzgebirge jüngst beobachten musste, brachte das Fass für ihn jedoch zum Überlaufen. "Hier wurde die Jagd zur Schädlingsbekämpfung degradiert", behauptet der Rotwildschützer - und erhebt schwere Vorwürfe. Der Sachsenforst mache illegal Jagd auf Rotwild.

Bergner bezieht sich auf eine vermeintliche Lappjagd, die im Oktober im Revier Grumbach vorgenommen wurde. Bei dieser Art der Treibjagd wird ein bestimmtes Gebiet sichtbar mit Band und Lappen abgesperrt, um das Wild abzuschrecken und daran zu hindern, den Bereich zu verlassen. Das ist laut Gesetz zwar nicht grundsätzlich verboten, darf jedoch nicht in einer Zone von 300 Metern zur Jagdbezirksgrenze ausgeübt werden. Das sei aber der Fall gewesen, sagt der Chef der Hegegemeinschaft.

Er informierte noch am gleichen Tag die zuständige Untere Jagdbehörde. Eingegriffen habe diese aber nicht. "Das ist für mich das absolut Schlimmste. Die Jagd hätte beendet werden müssen. Stattdessen wurde dafür gesorgt, dass ein Gesetzesverstoß nicht geahndet wird", sagt Bergner. Stefan Pechfelder vom Landratsamt bestätigt, dass die Untere Jagdbehörde als zuständiges Aufsichtsamt informiert wurde. Ob gegen das Gesetz verstoßen und warum nichts unternommen wurde, lässt er jedoch unbeantwortet, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Das hat die Polizei an die Untere Jagdbehörde abgegeben. Ein Jagdpächter aus Großrückerswalde, der die Aussagen Bergners bekräftigt, hatte wegen des Falls Anzeige bei der Polizei erstattet. "Es wurden Ermittlungen wegen des Verdachts einer Ordnungswidrigkeit nach dem Bundesjagdgesetz aufgenommen", bestätigt Andrzej Rydzik, Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz. Die habe den angezeigten Sachverhalt schließlich zur weiteren rechtlichen Prüfung zuständigkeitshalber an die Untere Jagdbehörde abgegeben. "Nun ermittelt die Untere gegen den Sachsenforst als Obere Jagdbehörde. Was soll da rauskommen?", fragt der Großrückerswalder. Bergner wiederum reichte zusätzlich Dienstaufsichtsbeschwerde beim Staatsforstbetrieb ein. Diese ist bereits geprüft worden. Ergebnis: "Die Behauptung, es habe eine Lappjagd gegeben, ist falsch", sagt Michael Götze-Werthschütz, Sprecher beim Staatsbetrieb Sachsenforst. Die Absperrungen seien keine Lappen, sondern einfaches Signalband gewesen und dienten der Verkehrssicherung entlang der Straße. Bergner entgegnet: "Das Absperrband wurde auch im Wald über Bäche gezogen." Zudem verweist der Rotwildschützer auf ein Urteil aus Brandenburg: Lappjagd bleibt Lappjagd, auch wenn ein Gebiet aus Gründen der Verkehrssicherheit abgesperrt wird.

Der Vorfall im Revierbereich Grumbach ist nicht der einzige im Forstbezirk Neudorf. Zwei weitere Jagdpächter berichten "Freie Presse", dass der Staatsbetrieb vermehrt Lappjagden im Erzgebirge ausrichten lässt. Sachsenforst-Sprecher Götze-Werthschütz aber bekräftigt: "Es werden im Forstbezirk Neudorf keine Lappjagden durchgeführt."

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