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Bei der Internationalen Orgelkonzert-Reihe spielte Alexander Ploß, Kantor der Kirchgemeinde St. Wolfgang, auf der Jehmlich Orgel.

Foto: Ralf Wendland

Streicherregister gegen Smartphone-Stress

Beim 5. Orgelkonzert der internationalen Reihe spielte der Schneeberger Kantor Alexander Ploß das berühmte Adagio von Samuel Barber. Und eine Angstmusik über Luther.

Von Rolf Pausch
erschienen am 05.09.2017

SCHNEEBERG. Entschleunigung gelingt in Kirchen besonders gut. Wenn dann noch stellenweise fast stillstehende Musik hinzukommt, schaltet sich in smartphonisierten Hirnen das Vibrieren ab. Dafür sorgte beim 5. Orgelkonzert im Bergmannsdom das populäre Adagio für Streicher op. 11 von Samuel Barber.

Alexander Ploß an der Jehmlich-Orgel wählte eine in sich ruhende Version, denn manche Dirigenten der Orchesterversion modellieren Einzelheiten von Anfang an druckvoll espressivo heraus. Das hymnische Wogen hin zum Höhepunkt der Klage wurde im Bergmannsdom durch den Klang der Streicherregister der Orgel zum Ereignis. Barbers Adagio ist eine der beliebtesten Begräbnismusiken. Albert Einstein, der Musikenthusiast, Geiger und Nachdenker über die Relativität von Zeit und Raum, wurde zu diesen Klängen beigesetzt.

Die Fantasie über den Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" des Niederländers Jan Zwart (1877-1937) hatte Alexander Ploß vor einem Jahr schon einmal gespielt. Da auch bei der Musik die Wiederholung die Mutter der Weisheit ist, war das eine gute Idee. Denn Zwarts Werk ist wie ein reich gestaltetes Monument und somit immer neu eine Entdeckung.

Keine Neuheit, aber immer ein großes Ereignis ist Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564. Das grandiose Werk war schon mehrmals in St. Wolfgang zu hören. Hervorgehoben sei der Beginn der Toccata, der unter den Händen von Alexander Ploß ausdrucksstark zum mächtigen, immer neuen Anlauf hin zum übermütigen Start der herrlichen Musik wurde. Zu Bach hatte Albert Einstein eine Meinung, die man kennen sollte: "Die Menschheit bleibt so blöd, wie sie immer war, und es ist kein Schad um sie, aber dass dann niemand mehr Bach und Mozart spielen wird, ist doch schad."

Als das abschließende Werk des Abends begonnen hatte, hörte man unter den Zuhörern manches Stöhnen und sah missbilligende Gesten. Alexander Ploß hatte todesmutig die 1991 entstandene Fantasie und Fuge "Martinsbilder" op. 17 von Wolfram Graf (aus Hof in Franken) zum Höhepunkt des Konzertes erkoren.

Was da geboten wurde, war kein Kuschel-Luther. Da hört man Angst und Zweifel, energischen Widerstand, es blitzte akustisch, und das Unheil reckte sich in breiter Klangfront unüberwindlich auf. Großartig! Keine Zugabe, das wäre auch unpassend gewesen. Stattdessen gab es am Kirchenportal Sekt.

 
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