Talsperre Sosa dient als Kulisse für erste 360-Grad-Serie

Ein Drehteam hat sich das Köhlerdorf wegen seiner Traditionen ausgesucht. Bei der Aufnahmetechnik wird es aber supermodern.

Sosa.

Immer wenn Regisseurin Annekathrin Wetzel das Kommando "Aufnahme!" gibt, verschwinden alle im Wald. Das hat seinen guten Grund: Auf dem Stativ am Ufer der Talsperre Sosa sind drei Kameras montiert, die mit 360-Grad-Aufnahmen einen Rundumblick ermöglichen. Jeder, außer den Darstellern, wäre zu viel im Bild.

Die Talsperre war in dieser Woche einer der Drehorte in Sosa und Carlsfeld für die Pilotfolge zu einer geplanten Fantasy-Serie unter dem Namen "Miriquidor". Als Deutschlands erste 360-Grad-Virtual-Reality-Serie in besonders hoher 8K-Auflösung kündigt sie die Leipziger Produktionsfirma Miriquidi-Film an. Ab Ende des Jahres soll die Pilotfolge im Internet über Youtube oder Vimeo zu sehen sein, erklärt Michael Geidel, Geschäftsführer von Miriquidi-Film.

Zum Ansehen muss man sich eine sogenannte VR-Brille aufsetzen, die man ans Smartphone oder das Tablet anschließt. Damit kann man in den Film eintauchen, als würde man inmitten der Schauspieler stehen, nach vorn blicken, aber auch zu den Seiten und zurück. "Mit dieser Formsprache leisten wir Pionierarbeit", sagt Geidel. Kameramann Danko Dolch hat für die neuartigen Aufnahmen einen besonderen Kameraaufbau entwickelt. "Alle Aufnahmen sind sehr weitwinklig, das heißt, wir müssen beachten, dass die Personen in der Szene nicht so klein wirken", erklärt der Kameramann die Herausforderung.

Annekathrin Wetzel setzt darauf, dass das Genre Fantasy zurzeit bei Jugendlichen angesagt ist. Miriquidor ist der Name für das Reich der dunklen Wesen, aus dem Athu, eine der Hauptfiguren, kommt. "Ich habe die Geschichte so geschrieben, dass sie in 360 Grad besonders spannend und aufregend wird, die Landschaft hier trägt dazu bei." Zudem hat der Zuschauer Möglichkeiten zur Interaktion, wie in einem Computerspiel kann er Szenen wählen und entscheiden, in welcher Reihenfolge er diese anschaut.

Warum es das Drehteam ausgerechnet nach Sosa zog, hat seinen entscheidenden Grund wohl darin, dass die Regisseurin und Autorin in dem erzgebirgischen Ort aufgewachsen ist. "Sosa ist das Köhlerdorf, hier gibt es einen Köhlerverein, die Tradition ist einzigartig. Dazu die Landschaft, die hervorragend zu unserer Geschichte passt", sagt die Regisseurin.

Der Plot ist recht schnell erzählt. Ben, die Hauptfigur, lernt den Beruf eines Köhlers. Er ist musikalisch hoch begabt und bekommt ein Bandonion geschenkt. Der Junge muss sich mit Widersachern aus dem Ort auseinandersetzen, die sich über ihn lustig machen und sein Instrument beschädigen. Sein Onkel - gespielt vom Carlsfelder Bandonionbauer Robert Wallschläger - repariert es.

In Richtung Fantasy triftet die Geschichte, als Ben Athu begegnet. Athu ist von einem alten Volk, der Kultur der Waldseelen. Die hatten in den unterirdischen Schächten und Gängen des Erzgebirges eine eigene Kultur, lebten aber friedlich mit den Menschen zusammen. Bis diese es verlernt hatten, in Achtung vor der Natur zu leben. Athu, im Teenager-Alter, reißt von zu Hause aus. Sie ist neugierig. Der erste Mensch, dem sie begegnet, ist Ben. "Wie ist es, wenn in einer dörflichen Gegend etwas Fremdes auftaucht, wie gehen wir mit dem Unbekannten um?", stellt die Regisseurin mit ihrer Geschichte die Frage.

Annekathrin Wetzel würde für die Serie gern weiter im Erzgebirge drehen. Das setzt voraus, dass mit der jetzt entstandenen Pilotfolge Geldgeber überzeugt werden können. Für die aktuellen Dreharbeiten hat man von der Filmförderung des Landes Sachsen 7500 Euro Unterstützung bekommen. "Das ist sehr wenig", sagt die Regisseurin. 45.000 Euro hätte es gebraucht, hätte man alle Darsteller voll bezahlt. "Zum Glück arbeiten alle Sosaer Darsteller ehrenamtlich", sagt sie.

Und nicht nur das. Unterkunft und Verpflegung in Sosaer Pensionen bezahlt die Stadt Eibenstock für das Drehteam. Die Sosaer haben den Film als eine Möglichkeit zur Werbung verstanden, und so nehmen sich nicht nur Köhlerverein und die Köhlermusikanten die Zeit, um im Film mitzuwirken. Ortsvorsteher Tobias Unger war fast täglich vor Ort. Wenn es sein muss, hilft er den Schauspielern mit wärmenden Decken und festen Schuhen aus, die er von zu Hause mitgebracht hat.

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