Verrücktes Blitzerfoto aus Aue macht Schlagzeilen

Eine Radaranlage hat eine gewagte Aktion mehrerer Leute in einem Fahrzeug festgehalten. Wohl ein Jux, den Polizei und Stadt aber nicht witzig finden.

Zwei Jungs, die lässig auf dem Dach eines weißen VW-Transporters sitzen und jubeln. Ein Fahrer, dem eine Person die rechte Hand vor die Augen hält. Und ein Mann, der die Seitentür geöffnet hat und mit dem Stinkefinger in die Kamera grüßt. Das alles sind Zutaten für ein Blitzerfoto, das derzeit Schlagzeilen macht.

Entstanden ist es in Aue, genauer an der Bundesstraße 101. Dort steht in Richtung Lauter seit langem eine Radaranlage, die jetzt wohl das kurioseste Raserbild ihrer Geschichte geschossen hat. Ein Boulevardblatt ver- öffentlichte das Foto von dem Transporter, in und auf dem insgesamt acht Personen sitzen, diese Woche unverpixelt und betitelte die Aktion mit den Worten "Das irrste Blitzerfoto Sachsens" Und: "Blitzblöd. Diese Raser sind nicht zu fassen!"

"Freie Presse" zeigt das Foto aus rechtlichen Gründen nicht. Denn wie eine Polizeisprecherin auf Nachfrage erklärt, sei es zwar authentisch, aber gegen den Willen der Beamten an die Öffentlichkeit gelangt. "Es ist nicht in unserem Sinn", sagt Jana Ulbricht. Zwar ermittle man derzeit gegen die Personen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Für eine öffentliche Fahndung, die die Veröffentlichung des Bildes rechtfertigen würde, fehle jedoch ein richterlicher Beschluss.

Laut Strafprozessordnung muss in der Regel ein Richter oder die Staatsanwaltschaft eine solche Öffentlichkeitsfahndung anordnen. Meist werden dann Name und Foto des Gesuchten über die Medien verbreitet. Die Ermittler erhoffen sich Hinweise aus der Bevölkerung, sehen den Schritt aber auch als Druckmittel, um Beschuldigte in die Enge zu treiben. Laut Polizeisprecherin Ulbricht kommt dies aber nur bei Straftaten von erheblicher Bedeutung in Betracht. Zur Frage, wie das im Fall des Blitzerfotos zu bewerten ist, erklärt sie: "Ich kenne deutschlandweit keinen vergleichbaren Fall, in dem öffentlichkeitswirksam ermittelt wurde."

Die Stadtverwaltung Aue, zu der die Radaranlage seit fünf Jahren gehört, bestätigt, dass das Foto echt ist. "Wir haben es an die Polizei weitergegeben, weil es über die normale Bearbeitung hinausgeht", erklärt die Stadtsprecherin Jana Hecker. "Da steckt eine größere Straftat dahinter." Wie sie erklärt, wirkt das Foto zwar auf den ersten Blick witzig, ist aber alles andere als lustig. "Sie gefährden damit sich selbst und andere. Wenn ich dem Fahrer die Augen zuhalte, hat der keine Kontrolle mehr über das Fahrzeug." Zudem seien mehrere der Personen auf dem Foto nicht angeschnallt gewesen. Hecker fragt deshalb: "Was ist, wenn es wegen so einer Aktion zu einem Unfall kommt und unbeteiligte Dritte verletzt werden?"

Im Bereich der Radaranlage sind regulär Tempo 70 erlaubt. Hecker vermutet, dass das Fahrzeug aber deutlich schneller unterwegs war: "Sie wollten ja, dass es auslöst." Entstanden ist das Foto laut Polizei in der Nacht des 2. Februar.

Ob der Mann, der mit nacktem Hintern in die Radarfalle fährt, oder die Ente, die in der 30er-Zone zu schnell unterwegs war und geblitzt wurde: Immer wieder tauchen deutschlandweit kuriose Blitzerfotos auf. In der Stadtverwaltung Aue sind weitere oder ähnliche Fälle jedoch nicht bekannt. Hecker sagt: "Das Einzige, was dazu mal im Stadtrat diskutiert wurde, waren Blitzerfotos, auf denen Rettungsleute die Zunge rausgestreckt hatten. Das fanden einige nicht so toll."

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