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Starkes Team: Angela Breitfeld hat Stefan Weiller mit seinen ganz besonderen Konzerten für Aue verpflichten können.

Foto: Anna Neef

Zum endgültigen Abschied erklingen Lieblingslieder

Ein einzigartiges Konzert erlebt Aue am 10. März. In Wort, Bild und vor allem nach Noten erzählt es von Gesprächen mit Menschen kurz vor ihrem Tod. Es soll die Angst vorm Sterben nehmen - auf eine ganz besondere Weise.

Von Anna Neef
erschienen am 25.01.2018

Aue. Jeder Mensch hat ein Lieblingslied. Es sei denn, er schätzt Stille mehr als Musik. "Auch das gibt es", sagt Stefan Weiller. Er traf vor einiger Zeit einen Mann, der die Stille vorzog. "Man muss sie nur aushalten können. Das gab mir der Mann in einem wunderbaren Gespräch mit", erinnert sich Weiller. Dabei reist der 48-Jährige eigentlich durch die Republik, um Menschen im Hospiz nach ihren Lieblingsliedern zu fragen und daraus einzigartige Konzerte zu machen. Immer wieder neu. Immer anders. Stets berührend.

Jedes Mal sei es mehr als ein bloßes Wunschkonzert. "Das ist das Leben ja auch nicht", sagt Weiller und schmunzelt. Er ist Sozialpädagoge. Auch studierte er Innenarchitektur, arbeitete im PR-Bereich, als Pressereferent und Journalist. Bis er nach einer Begegnung mit einer todkranken Frau seiner Berufung folgte. "Sie stellte mich vor die Frage, ob ich zufrieden bin mit dem, was ich tue." Nein, war seine Antwort. "Deshalb schwenkte ich um."

Seither reist Weiller durch das Land, fragt sterbende Menschen nach ihren Lieblingsliedern und Lebensgeschichten. Manchmal geben sie viel preis, manchmal fast nichts. Jede Begegnung bewegt ihn. Die Essenz aus den intensiven Gesprächen baut er als Erzählung zwischen die Lieder. Die Konzerte mit bis zu zwei Jahren Vorlaufzeit finanzieren sich über Spenden. Mitwirkende und Weiller erhalten ein Honorar. Üppig sei das nicht. "Aber die Aufgabe erfüllt mich voll und ganz."

Ziel der Konzerte? Die Angst vorm Ende nehmen - und Lebensgeschichten erzählen. Gediegene Lebensläufe ebenso wie kuriose, kurze, mittellange oder ganz lange. Vom Kind bis zum Greis, die wegen Erbkrankheit, Krebs oder Altersschwäche dem Tod ins Auge sehen: Der gebürtige Südpfälzer, der in Frankfurt am Main lebt, spricht mit allen, die ihn zum Reden empfangen. Hat er alles zusammen, verbindet er es zu einem Mix aus Text, Musik und Bild. "Im Prinzip ist es ein multimediales Musiktheater mit dokumentarischem Kern." Angst vor den Konzerten sei fehl am Platz, auch wenn es ums Sterben geht. "Nicht zuletzt werben wir für die so wertvolle Hospizarbeit, die - so komisch es klingt - lebendiger ist, als viele denken."

Da nickt Angela Breitfeld eifrig. Mit dem Team vom ambulanten Hospizdienst "Zion", dem Diakonissenhaus, dem Diakonischen Werk Aue-Schwarzenberg und Spendern holt sie das Konzert am 10. März nach Aue. "Ich sah in Berlin eine Kurzvariante, war hin und weg." Berührend, intensiv und spannend - das vereine dieses Erlebnis. Das Konzert in Aue hat regionalen Bezug, wird unter anderem von Hospiz-Begegnungen in Ostdeutschland und im Erzgebirge getragen. Die Region ist für Weiller Neuland. "Und eine tolle Erfahrung." So übte er mit einer Frau Mundart-Begriffe. "Sie amüsierte sich über meine Aussprache köstlich." Dafür weiß er jetzt, warum das Erzgebirge bisweilen als "Armedei" bezeichnet wird und welche Speisen warum zum "Neinerlaa" gehören.

Chor und Streicher aus der Region sowie der renommierte Tenor Martin Krumbiegel sind mit dabei. Ebenso Oliver Rohrbeck als Routinier der Sprecherszene, der seine Synchronstimme unter anderem Schauspieler Ben Stiller aus Amerika leiht.

Musikalisch werde es vielseitig. Von Barockmelodie über Schlager bis Rock und Pop sei alles dabei. Sein erstes Hospizgespräch führte Weiller 2010. Drei Jahre später folgte das erste Konzert. Es erklangen weitere etwa in Hamburg, Frankfurt, Berlin und Darmstadt. Und nun in Aue. "Das Konzert vermittelt, dass das Sterben zum Leben gehört", sagt er und verspricht auch Sachen zum Lachen. " Der Tod sollte kein Tabuthema sein."

Das Konzert "Letzte Lieder und Geschichten am Lebensende" mit Stefan Weiller und Kollegen erklingt am 10. März, 19.30 Uhr in der Auer Nikolaikirche. Eintritt frei.

 
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