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Thomas Schreiter, Birgit und Bernd Löser sowie Susann Schreiter (v. l.) bewirtschaften das Bierstübel im Oberdorf von Großrückerswalde.

Foto: Kristian Hahn

30 Jahre Bierstübel: Betreiber suchen und finden ihre Nischen

Familie Löser hat die Gaststätte in Großrückerswalde durch manchen Sturm gelenkt. Begonnen hat alles mit einem Flaschenausschank.

Von Karlheinz Schlegel
erschienen am 13.02.2018

Großrückerswalde. Das Oberdorfer Bierstübel in Großrückerswalde liegt am Ortsrand. Vor allem an den Wochenenden erfreut sich die Gaststätte, zu der auch zwei Fremdenzimmer gehören, eines regen Zuspruchs. Das Speiseangebot für Liebhaber von Hausmannskost ist groß. Auf der Speisekarte stehen Schnitzelgerichte, aber auch Steaks, Schaschlik und Soljanka. Am Freitag feiert Birgit Löser das 30-jährige Bestehen ihres Bierstübels.

Begonnen hat alles zu DDR-Zeiten mit einer Konsum-Gaststätte. Es war das Bauerngut, in dem die Eltern von Birgit Löser, die aus der Textilbranche kam, eine Flaschenbierhandlung betrieben. Immer mehr Kunden wollten dort ihr Bier gemütlich trinken, was allerdings verboten war. So trug ihr Vater ihr die Übernahme und den Umbau zu einer Gaststätte an. "Mein Mann Bernd war damals der treibende Keil, er wollte unbedingt eine Gaststätte, da er bei seinen Großeltern in der Gaststätte aufwuchs", erinnert sich Birgit Löser. Und so wurde der Stall zur Gaststube umgebaut.

Am 16. Februar 1988 eröffnete das Oberdorfer Bierstübel. Auf der Speisekarte standen Gerichte, wie sie in der DDR typisch waren: Hackepeter, Steak, Bratwurst, Karlsbader Schnitte und Sülze. "Aus dem Fass kam Rechenberger Bier. Ein kleines gab es für 49 Pfennige und als höherprozentiges Getränk wurde Zitronenschnaps ausgeschenkt", weiß Bernd Löser noch genau. Er war für die Getränke zuständig, während seine Frau das Zepter in der Küche führte und servierte.

"Ich war damals 28 Jahre alt und Mutter von zwei kleinen Kindern. Für mich war es eine Riesenbelastung. Nachts ging es oft über die Polizeistunde hinaus, und früh mussten die Kinder für Kindergarten und Schule fertig gemacht werden. Meine damals 70-jährige Mutter, die auch aus einer Gastwirtfamilie stammte, hat mich sehr unterstützt und mir viele Tipps und Trick beigebracht", sagt Birgit Löser. Die Gaststätte lief gut. An den Wochenenden standen die Gäste für einen Platz manchmal an. Die Wende ging nicht spurlos am Bierstübel vorüber. Es kamen weniger Gäste, die Getränke- und Bierhändler dagegen gaben sich die Klinke in die Hand. "Wir begannen mit Bier und Bierkrügen aus Bayern, aber nach einer Weile wollten die Gäste die alten Tulpen wieder haben, und bei einer Bierverkostung setzte sich das Chemnitzer Braustolz durch." An der Speisekarte änderte sich wenig. Die Lösers versuchten es weiter mit ihren DDR-Gerichten, und die wenigen Gäste, die kamen, fanden das gut.

Nachdem sich das Bierstübel wieder belebt hatte, blieben nach der Einführung des Euro die Gäste erneut aus. "Wir saßen manchmal zusammen und warteten auf Besucher. Da wurde viel diskutiert, und wir haben versucht, Nischen zu finden", sagt Birgit Löser. So führte die Familie den Partyservice ein. Zwei dreitägige Schlachtfeste im Jahr ziehen Gäste an. Seit drei Jahren kocht Birgit Löser zudem für Essen auf Rädern, das ihr Mann von Mauersberg bis Marienberg ausfährt. Das Pyramidenanschieben ist ein Höhepunkt im Bierstübel. Bernd Lösers Vater hatte die vier Meter hohe Pyramide vor 25 Jahren gebaut.

Vor rund 20 Jahren hat Tochter Susann bei ihrer Mutter in der Gaststätte gelernt, doch Birgit Löser konnte sie aus Kostengründen nicht einstellen. Nun wird sie gebraucht, und die Hoffnung von Birgit Löser ist, dass die 35-Jährige einmal in ihre Fußstapfen tritt und es das Biestübel in 30 Jahren immer noch gibt.

 
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