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Annett und Christian Neuber sowie Nele Keilig (v. l.) bei der Arbeit. Das Unternehmen Volkskunst Knuth Neuber feiert 125 Jahre Firmengeschichte.

Foto: Jan GörnerBild 1 / 4

Am Anfang standen Quirl und Co

Die Firma Erzgebirgische Volkskunst Knuth Neuber feiert morgen ihr 125-jähriges Bestehen. Um Ideen ist es der heutigen Chefin unterdessen nicht bange.

Von Jan Görner
erschienen am 13.10.2017

Seiffen. Alles hat mit Quirlen, Schneidbrettern und Löffeln aus Holz begonnen. Damals vor 125 Jahren oder sechs Generationen bei Quirl-Neuber in Seiffen am Schindelberg, wo sich auch heute noch das Unternehmen befindet, das morgen seinen Geburtstag feiert.

Emil Neuber hatte die Firma gegründet. Zunächst fertigten etwa 20 Mitarbeiter besagte kleine Helfer für die Küche. Als sich der Kunststoff auch in den Küchen durchsetzte, blieb die Nachfrage nach den hölzernen Artikeln vom Schindelberg aus. Mit Hans Neuber stellte die dritte Generation die Produktion komplett um. Fortan verließen Spielzeuge die Manufaktur. Einiges aus dem Portfolio von damals hat die jetzige Inhaberin Annett Neuber auf dem Boden aufgespürt. Dazu zählen Puppenbetten, Traktoren, Eisenbahnen, Sandbahnen, Autos sowie Raum- und Tafelschmuck.

Mit dem Aufkommen der Generation Matchbox und Lego sank abermals die Nachfrage nach den Erzeugnissen der Neubers. Lediglich die Puppenbetten und Sandbahnen stellt das Unternehmen auch aktuell noch her. Holger Neuber verwandelte die Firma in der Wendezeit in einen Volkskunstbetrieb. Das ist sie bis heute geblieben. Die Kurrendefiguren, die Seiffener Kirche und die Häuschen mit den Spanbäumchen gibt es bis heute. Die fünfte Generation brachte frischen Wind in die Angebote und schuf Unverwechselbares. So baute Knuth Neuber in Zusammenarbeit mit der Designerin Katrin Baumann den ersten vollplastischen Schwibbogen mit dem Schwarzenberger Motiv. Schon als Juniorchef brachte er seine Ideen ein. Seitdem gibt es hier illuminierte Schwibbögen mit Innenbeleuchtung, Teelicht-Pyramiden mit runden Bögen und traditionellen Figuren. Auch die Wünsche der Kunden berücksichtigen die Neubers bei der Bestückung mit Figuren.

Knuth Neuber erlag im vergangenen Jahr einer schweren Krankheit und hinterließ eine tiefe Lücke. Seitdem führt seine Frau Annett die Geschäfte, wobei sie sich auf alle Mitarbeiter und vor allem auf ihren Sohn Christian, die sechste Generation, verlassen kann. Christian Neuber hat erst im Mai seine Lehre beendet und beginnt kommende Woche seinen Meisterlehrgang. Bereits als Kind stand für ihn fest, dass er in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten will. An der letzten Idee seines Vaters arbeitete er mit. "Wir haben dafür mitunter auch Einzelteile mit ans Krankenbett genommen und getüftelt", sagt er. So ist ein für ihn ganz besonders emotionales Produkt entstanden. "Himmel und Erde" hat sein Vater die Pyramide genannt. Die runden Bögen verraten sofort, dass es sich dabei um eine Neuber-Pyramide handelt. Auf vier Ebenen drehen sich sowohl traditionelle als auch neue Figuren. Unten rotieren die Seiffener Kirche, die Kurrendesänger, ein Schneemann und eine Schneeballschlacht. Darüber befinden sich Bergmann und Engel sowie eine Eisenbahn. Diese beiden irdischen Bereiche stehen für die Heimat des Seiffeners und für die Volkskunst und die Spielzeugmacherei als typische Industriezweige. Im Himmel reist der Weihnachtsmann mit seinen Rentieren an. Diese Idee brachte Christian Neuber ein. An der Spitze drehen sich im Himmel ein Engel, ein Bäumchen und Geschenke.

Derzeit beschäftigt die Familie etwa zehn Mitarbeiter. Angst vor der Zukunft kennen Annett und Christian Neuber nicht. Ihnen gehen wie ihren Vorfahren die Ideen nicht aus. Da sind sie sich sicher. Die Produkte verkaufen die Seiffener in erster Linie innerhalb Deutschlands. Exportiert wird vor allem in die USA, die Schweiz, nach Österreich und Frankreich.

 
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