Berufsschule will stärker kooperieren

Der neue Leiter, Thomas Müller, setzt auf eine enge Verzahnung von Unternehmen und Ausbildung. Auch für den wachsenden Bedarf an Lehrkräften gibt es einen Weg.

Zschopau/Marienberg.

Für das Berufliche Schulzentrum für Ernährung, Technik und Wirtschaft (BSZ) des Erzgebirgskreises wird es zunehmend schwerer, ausgebildete Lehrer oder Berufsschullehrer zu finden. Die Bildungseinrichtung mit ihren Standorten in Annaberg-Buchholz, Zschopau und Seiffen beschäftigt mehr als 60 Lehrkräfte, von denen in den nächsten Jahren einige ausscheiden werden.

Der sich für die nächsten Jahre abzeichnende Bedarf gehört zu den Herausforderungen, denen sich Thomas Müller stellt. Nach dem Ausscheiden von Günther Breiter hat der 46-Jährige kurz vor Beginn des neuen Schuljahres das Steuer übernommen. Zuletzt war der verheiratete Vater von zwei Kindern sieben Jahre in der Sächsischen Bildungsagentur tätig. Mit der Stellenausschreibung bot sich ihm die Chance, "ein Stück weit Bildung vor Ort wieder mit zu gestalten", wie er selbst sagt. Die Berufsschule in Zschopau ist ihm vertraut. Nach zweijährigem Referendariat erhielt Müller 1997 dort eine Anstellung, bevor er 2010 in die Bildungsagentur wechselte.

Einen Grund für Lehrermangel im Chemnitzer Raum und im Erzgebirge sieht Thomas Müller darin, dass Berufsschullehrer nur noch an der TU Dresden ausgebildet werden. "Da in dieser attraktiven Region Lehrer ebenso gefragt sind, bleiben viele gleich dort." Deshalb sollte die Lehrerausbildung seiner Ansicht nach wieder in Chemnitz stattfinden. Wie andere Lehrstätten auch setzt das BSZ inzwischen verstärkt auf Seiteneinsteiger. Vier befinden sich derzeit in einer schulpraktischen Ausbildung. "Mit diesem Modell haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt Müller. Besonders für Absolventen von Fachhochschulen und Universitäten sieht er gute Einstiegsmöglichkeiten in den Schuldienst. Schon im kommenden Jahr gilt es, in Zschopau einen Nachfolger für den Kollegen im Fachbereich Elektrotechnik zu finden, der in den Ruhestand tritt.

Eine weitere Aufgabe sieht der neue Schulleiter darin, aufbauend auf bestehende Kontakte die Kooperation mit Unternehmen zu forcieren. Gerade in technischen Berufen sind Technologien und Anforderungen an Arbeitnehmer einem stetigen Wandel unterworfen. Für einen Lehrer ist es Müller zufolge wichtig, mit Unternehmen gut verzahnt zu sein, um Trends zu erkennen und damit die Ausbildung rechtzeitig neuen Anforderungen anzupassen.

So kommen mit der Entwicklung der Elektromobilität im Automobilbau auch auf Berufsschullehrer neue Herausforderung zu. Müller spricht von der Verschiebung von Ausbildungsschwerpunkten. Für die Lehrkräfte am BSZ ist das allerdings kein Neuland. "Wir haben hier schon immer mit wechselnden Technologien zu tun", sagt Müller.

Annähernd 1000 Schüler und Lehrlinge besuchen mit dem neuen Schuljahr einen der drei BSZ-Standorte - etwa so viele wie in den zurückliegenden drei Jahren. Wieder mehr gefragt sind Thomas Müller zufolge Metallberufe. Weniger Auszubildende registriert er dagegen im Ernährungssektor. Dazu zählen zum Beispiel Berufe wie Bäcker oder Koch.


Ausbildungsarten am BSZ

Berufsschule (Beispiele für duale Ausbildung): Elektroniker, Zerspanungsmechaniker, Kfz-Mechatroniker, Holzmechaniker, Tischler, Kaufmann im Einzelhandel, Verkäufer, Bürokaufmann, Bäcker, Koch; Berufsvorbereitende Maßnahmen/Vorbereitungsklassen: Darin werden auch Jugendliche mit Migrationshintergrund betreut; Berufsbildende Förderschule: für Abgänger von allgemeinbildenden Förderschulen.

Berufliches Gymnasium: Dreijährige Vollzeitschule, die mit dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife abschließt. Diese berechtigt zum Studium aller Fachrichtungen an allen Universitäten und Hochschulen.

Fachoberschule: Umfasst die Klassen 11/12, baut auf einem mittleren Bildungsabschluss auf und schließt mit der Fachhochschulreife ab.

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