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Die Infos kamen nur spärlich: Die Rauchsäule über der Mülldeponie bei Litvínov verbreitete sich im Erzgebirge.

Foto: Jan Görner

Brand auf tschechischer Deponie: Müll entzündete sich von selbst

Das Abfallunternehmen hat sich für den Vorfall entschuldigt. Gleichzeitig kann es jedoch nicht ausschließen, dass Ähnliches wieder passiert.

Von Georg Müller
erschienen am 12.09.2017

Litvínov/Olbernhau. Die Flammen sind längst gelöscht, die Suche nach der Brandursache ist inzwischen abgeschlossen. Nun hat sich der Betreiber der Deponie zum Ergebnis geäußert. Vor rund zwei Wochen war nahe des tschechischen Ortes Litvínov in den Abendstunden ein Brand ausgebrochen, dessen Rauch unter anderem bis nach Seiffen und Deutschneudorf zog. "Das Feuer wurde durch Selbstzündung verursacht", erklärte Alena Kaucová vom Abfallunternehmen Celio. "Leider kann dies aufgrund der Zusammensetzung des Mülls geschehen." Auf der Deponie seien Siedlungsabfälle gelagert.

Auch in Deutschland tritt das Phänomen der Selbstentzündung gelegentlich auf. Dazu kann es kommen, wenn etwa organische Materialien verwesen und Wärme erzeugen. Auf der tschechischen Mülldeponie hatte laut Alena Kaucová der Wind das Feuer angefacht: "Es verbreitete sich schnell auf eine Fläche von 50 mal 80 Meter." Entsprechend groß war die Rauchsäule. So klagten die Deutschneudorfer über beißenden Gestank. Die Feuerwehr war durch den Ort gefahren und hatte Anwohner aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Auch in Seiffen wurde gewarnt.

Alena Kaucová entschuldigte sich im Namen der Firma für die Probleme. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass keinerlei Grenzwerte überschritten wurden. In Zusammenarbeit mit dem tschechischen Chemieunternehmen Unipetrol seien auf dem Gelände der Deponie Messungen vorgenommen worden. Das Nationale Institut für Bevölkerungsgesundheit habe in Orten wie Litvínov, Horní Jiretín und Louka kontrolliert. Dabei wurden vor allem die Konzentrationen von Staub, Kohlenstoffoxiden und organischen Verbindungen geprüft.

Weil die Ergebnisse unter den Grenzwerten blieben, wurde die deutsche Seite nicht alarmiert. Erst Stunden nach dem Vorfall stellte sich heraus: Der Rauch stammt aus Tschechien. Als in den Morgenstunden Hinweise aus der Bevölkerung eingingen, hatte sich Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein ins Auto gesetzt und sich ein Bild der Lage gemacht. Die fehlenden Informationen lösten auch im sozialen Netzwerk Facebook Kritik aus.

Laut Karin Bernhardt, Sprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, wurde das sächsische Lagezentrum 10.56 Uhr durch die Feuerwehrleitstelle in Usti nad Labem informiert. "Sie schätzte ein, dass von dem Brand keine Gefahren für Deutschland ausgehen", so Karin Bernhardt. "Insofern erfolgte keine Meldung über das gemeinsame Lagezentrum des Bundes und der Länder." Die deutsche Seite hatte zuvor in Tschechien nachgefragt, was geschehen ist.

"Man kann sich nicht hinter einigen wenigen Grenzwerten verstecken", so Heinz-Peter Haustein. "Es gibt hunderte Stoffe, die bei einem solchen Brand entstehen." Entsprechend wichtig sei es, schnell reagieren zu können. Haustein fühlt sich an den Vorfall vor zwei Jahren erinnert, als es bei Unipetrol zu einer Havarie kam und zunächst Unklarheit herrschte. Karin Bernhardt ist sich des Problems der zu langen Meldekette bewusst. "Das Landesamt hat die tschechischen Behörden um eine gemeinsame Auswertung des Ereignisses gebeten", sagte sie.

Unterdessen stellt sich für viele Menschen die Frage, ob es erneut zu einem Brand auf der Mülldeponie kommen kann. "Wir versuchen, das Auftreten ähnlicher Situationen zu verhindern", betonte Alena Kaucová. So gebe es regelmäßige Deponie-inspektionen - etwa mit Kamerasystemen, Temperaturmessungen sowie Sichtkontrollen. "Die völlige Beseitigung der Brandgefahr ist aufgrund der Zusammensetzung der Abfälle nicht möglich."

 
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