Brühl-Aufbruch: "Endlich passiert hier was"

Es tut sich was auf der einstigen Chemnitzer Flaniermeile: Häuser werden saniert, das Rathaus investiert. Brühl-Veteranen sind optimistisch - und äußern Zweifel.

Chemnitz.

Für Chemnitz Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) war der Brühl schon 2014 eine Erfolgsgeschichte. "Der Brühl wird zur Baustelle, und das ist eine sehr gute Nachricht", hatte sie im Februar erklärt. Was das Stadtoberhaupt damals ankündigte, ist jetzt sichtbar: Derzeit werden neun Häuser am früheren Vorzeige-Boulevard von Karl-Marx-Stadt erneuert, die Sanierung von 25 weiteren Wohngebäuden wird vorbereitet, 15 Häuser sind schon fertig. Auch im Gebäude der ehemaligen Aktienspinnerei laufen mittlerweile die Bauarbeiten.

Da will auch die Kommune nicht zurückstehen. Für rund 650.000 Euro plant die Stadtverwaltung derzeit die Renovierung der öffentlichen Flächen am Brühl zwischen Georgstraße und Elisenstraße. Neue Hochbeete sollen vor den Häusern am Brühl 59 sowie am Brühl 61 angelegt, sogenannte Sitzpoller installiert und Bänke aufgestellt werden, heißt es aus dem Rathaus. Zudem werden die bestehenden Kunstobjekte gesichert und gereinigt. Betroffen davon sind die Bronzefiguren des Paris und seiner drei Göttinnen sowie eine Sandstein-Skulptur ("Die Liegende"). Ein weiteres Kunstobjekt soll neu hinzukommen - der Metallschriftzug "Zuhause" wird laut Stadtverwaltung dort aufgestellt, wo sich Brühl und Elisenstraße kreuzen. Das alles diene der "Aufwertung der Aufenthaltsfunktion", so die Rathaus-Pressestelle.

Doch es geht nicht nur um Kosmetik. Der Brühl soll künftig von einer reinen Fußgängerzone zum verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt werden. Aus diesem Grund und aus Gründen der Barrierefreiheit müssen die bestehenden Podeste und Stufenanlagen abgebaut werden. Zwischen Unterer Aktienstraße und Elisenstraße können anschließend Anwohner den Brühl mit dem Auto befahren; zudem sollen Parkmöglichkeiten auf dem Boulevard geschaffen werden.

Gewerbetreibende, denen der Aufbruch am Brühl seit Jahrzehnten versprochen worden war, sehen die Entwicklung jetzt mit Genugtuung. "Endlich tut sich hier was", sagt Bernd Pohlers, der seit 1980 am Brühl einen kleinen Laden für Sportschützen- und Jägerbedarf betreibt. Dennoch werde der einstige Boulevard nie wieder jene Flaniermeile, die er in den 1980er-Jahren war, glaubt er. "So viele Geschäfte, wie es mal gab, wird es nie wieder geben." Optimistisch ist auch Karlheinz Haase, der das Hotel Sächsischer Hof am Brühl betreibt. "Man soll die Hoffnung eben nie aufgeben", sagt er. Endlich würden Häuser saniert, die GGG als größter Immobilieneigentümer habe Gebäude abgegeben, die jetzt in Privathand sind und erneuert werden. Auch die GGG selbst steckt Millionen in die Renovierung ihrer Häuser. Wenn die Wohnungen saniert sind, kehre auch das Leben zurück, ist sich Haase sicher. "Und dann kommt auch der Einzelhandel wieder", ist er überzeugt.

Doch mit dem Wandel kämen auch neue Probleme, erklärt der Hotelier. Mit dem Zuzug zum Brühl würden die Parkplätze knapp, so Haase. "Jede Familie hat ein, manchmal sogar zwei Autos", hat er beobachtet. Schon jetzt reichten die Stellflächen im Viertel kaum noch aus. "Was wir hier ganz dringend brauchen, ist ein Parkhaus", so Haase. Flächen dafür wären genügend vorhanden - zum Beispiel auf dem Areal des abgerissenen Hochhauses an der Georgstraße.

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