Die Igeliter werfen sich morgen erneut ins Fußballtrikot

Ein besonderer Ruf schallt morgen durch den Neuhausener Ortsteil Dittersbach. Zum 70. Mal kicken Spieler aus dem Ober- gegen das Unterdorf. Und verraten, wie sie zu ihrem seltsamen Namen kamen.

Neuhausen/Dittersbach.

Ein Fußballspiel der besonderen Art wird morgen im kleinen Neuhausener Ortsteil Dittersbach angepfiffen. Dann stehen sich Spieler aus dem Ober- und dem Unterdorf gegenüber. Die Kontrahenten kommen nicht nur aus dem Ort, sondern aus der gesamten Region. Zuschauer reisen sogar aus Potsdam, Düsseldorf, Rabenau und Chemnitz im rund 200 Einwohner zählenden Örtchen an. Das Traditionsspiel, das einem kleinen Volksfest gleicht, findet in diesem Jahr zum 70. Mal statt. Für Kinder steht eine Hüpfburg bereit, und es findet ein Torwandschießen statt. Eines der Tore wird aus dünnen Baumstämmen nachgebaut - so wie vor 70 Jahren.

Helfried Graf und der 86-jährige Helmut Reichelt waren vor 70 Jahren beim ersten Spiel dabei. Morgen werden sie gespannt am Spielfeldrand stehen. Helmut Reichelt drückt den Jungs aus dem Oberdorf die Daumen. Er selbst hat viele Jahre für das Team gekickt. Nun ist sein neunjähriger Enkel Jaron dabei, der in der Neuhausener E-Jugend spielt. Auch sein zweiter Enkel, der jetzt 28-jährige Philipp, hat viele Jahre mitgespielt. Und so freut sich Helmut Reichelt nicht nur auf ein gutes Spiel, sondern ist stolz darauf, dass sich die Fußballtradition seiner Familie fortsetzt. "Nach dem Krieg war in Dittersbach nicht viel los. Aber es fanden sich einige Jungen zusammen und spielten auf einer Bergwiese Fußball", erzählt Helmut Reichelt. Fußballschuhe und Spielball seien damals aus Igelit gewesen, einem Kunststoff und Lederersatz. Deshalb seien die Mannschaften damals die "Igeliter" genannt worden, erinnert sich der Rentner. Die Tore bestanden aus dünnen Holzstämmen.

In den 70 Jahren hat sich vieles verändert. So sponserte Schmied Norbert Heimann zum 50-jährigen Jubiläum Trikots, Helmut Werner eine Vereinsfahne. Fußball und Schuhe sind nun aus Leder, und der Platz mit Metalltoren ausgestattet, die ebenfalls der Schmied herstellte. Der Fußballplatz wurde von den Bergwiesen ins Tal verlegt.

Seit 18 Jahren hält Michael Pflugbeil die grün-roten Vereinsfarben hoch, nachdem sein Vater Anton den Verein mit gegründet hat, viele Jahre als Präsident fungierte, bevor er den Staffelstab an Gottfried Walther weitergab. "Wir möchten die Tradition unserer Väter weiterführen und sind stolz, dass wir am Sonnabend viele Besucher am Platz und abends zur Feier begrüßen können", sagt der jetzige Vereinspräsident, der "Anton" genannt wird.

Auch wenn die meisten der älteren Generation das Spiel nur noch von der Seite aus verfolgen - der Spaß und die Erinnerungen werden dominant sein, sind sich Helmut Reichelt und Michael Pflugbeil einig. Und so werde wohl manches Foto ausgetauscht und der Satz "Weißt du noch" allgegenwärtig sein. Immerhin treffen drei Generationen zusammen. Und die eigene, vor Jahrzehnten gedichtete Hymne "Aber eins, aber eins, das bleibt besteh'n, die Igeliter wer'n nie untergehen", werden die rund 100 Gäste wohl öfter durch den Raum schmettern.

70 Jahre "Igelit"-Fußballfest in Dittersbach morgen ab 14.30 Uhr auf dem Sportplatz am Bahnhof in Dittersbach.

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