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Ließ sich trotz des miserablen Wetters und der wenigen Besucher nicht die Laune verderben: BundestagskandidatTino Günther gestern Vormittag beim Tourstopp der Liberalen in Marienberg.

Foto: Jan Görner

Die Liberalen machen Wahlkampf - nur fast ohne Wähler

Wahl 2017: Mit dieser Art Gegenwind hat Tino Günther nicht gerechnet. Der Bundestagskandidat der FDP suchte gestern Vormittag den Dialog. Es blieb beim Versuch.

Von Patrick Herrl
erschienen am 14.09.2017

Marienberg. Tristesse am Marienberger Markt. Vereinzelt kreuzen Passanten den gepflasterten Platz. Kinder warten bei Regenwetter an den Haltestellen auf den Bus. Der Wind peitscht über das Gelände - und durch den blau-gelben Infopavillon der Liberalen. FDP-Bundestagskandidat Tino Günther und seine Wahlkampfhelfer haben gestern Vormittag Station in der Bergstadt gemacht. Doch der erhoffte Dialog mit Bürgern kommt fast nicht zustande.

Stattdessen herrscht gähnende Leere am Info-Stand. Die in der Ankündigung versprochene Hüpfburg für Kinder wird gar nicht erst aufgebaut. Die Freien Demokraten schlürfen Kaffee, naschen süße Schaummäuse und lesen Zeitung. Überpünktlich 11.40 Uhr wird abgebaut. Tino Günther kommt innerhalb der knapp drei Stunden mit fünf potenziellen Wählern ins Gespräch. Einer von ihnen: ein Freund des Seiffeners. Eine junge Frau informiert sich über das Wahlprogramm der Partei. Ein älterer Mann fordert die Angleichung der Renten. Zwei weitere Bürger machen ihren privaten Problemen Luft.

Tino Günther nimmt es gelassen. Die Diskussionen an den Straßenständen von früher werden heute eher im Internet geführt, sagt der Holzspielzeugmeister. Getreu der Digitaloffensive seiner Partei legt der Erzgebirger deshalb auch mehr Wert auf den Dialog in den sozialen Netzwerken.

Und warum sollten die Erzgebirger nun Tino Günther wählen? "Weil ich 100 Prozent das Politikgeschäft kenne und bringe, aber trotzdem im normalen Arbeitsalltag stehe", sagt der 54-Jährige. Er sieht das Erzgebirge als eine Zukunftsregion Sachsens. Die Arbeitsperspektive sei dank wachsender Industrie besser denn je. "Es werden wieder mehr junge Menschen hier ihre Heimat finden." Damit das Erzgebirge vom Makel der Niedriglohn-Region wegkommt und Unternehmen mehr Gehalt bezahlen, will Günther die Betriebe bei Steuerabgaben entlasten.

Und was spricht für die Liberalen? "Es sollten alle FDP wählen, die selbst entscheiden wollen, die es satt haben, vom Vater Staat betüddelt werden zu wollen", sagt Günther. Dabei könne er sich selbst auch nicht zu 100 Prozent mit dem Parteiprogramm der Liberalen identifizieren. Zweifel äußert er etwa bei der Forderung, Cannabis freizugeben.

 
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