Einwohner kritisieren Holzeinschlag im Naturschutzgebiet

Kühnhaider zeigen wenig Verständnis für das Vor- gehen des Sachsenforsts im Schwarzwassertal. Der Staatsbetrieb hingegen rechtfertigt die Arbeiten.

Kühnhaide.

Roland Bilz kennt die Wanderwege rund um Kühnhaide wie seine Westentasche. Schon zu Pfingsten wird der Wanderwegewart wieder eine Gästeschar durch die erzgebirgischen Wälder führen und dabei aus dem Nähkästchen plaudern. Schließlich verfügt der letzte Bürgermeister des heutigen Ortsteils von Marienberg über einen großen Erfahrungsschatz. Zu seinen Aufgaben gehört auch, die Fragen der Wanderfreunde zu beantworten. Und einige werden sicher unangenehm. Vor allem wegen des Schwarzwassertals.

"Die Leute werden mich wieder fragen: Was ist denn hier passiert. Wie sieht's denn hier aus", ist sich Roland Bilz sicher. Denn vom Startpunkt des Weges am Wanderparkplatz in Kühnhaide prägten seit Jahrzehnten Baumgruppen mit hohen Fichten auf einigen Hundert Metern das Bild am Zugang zum Schwarzwassertal. Jetzt sind nur noch die Stumpen zu sehen. Mitarbeiter des Sachsenforsts haben alte Bäume entlang des Weges gefällt. "Für mich unbegreiflich", kritisiert Bilz den Holzeinschlag.

Viele Einwohner und Gäste hätten sich über das völlig veränderte Erscheinungsbild geärgert. "Es gefällt vielen nicht." Das bestätigt Thomas Kirchner. "Es ist ein ungewohnter Anblick. Viele sind verstört, zeigen wenig Verständnis, weil sie das ursprüngliche Bild von Kindesbeinen auf kennen", sagt der Kühnhaider.

Er hat sich an "Freie Presse" gewandt, will den Grund für das Vorgehen erfahren. Sachsenforst-Sprecher Thomas Köhler erklärt auf Nachfrage, dass die geplante Maßnahme zur Verbesserung des Schwarzwassertals beitragen soll. Die Bedeutsamkeit dieses Naturschutzgebiets liege nicht in den Fichten, sondern in den Wiesenstrukturen. Darauf haben Wanderer und Radfahrer nach dem Holzeinschlag erstmals freie Sicht. "Wir haben eine Verpflichtung im Schwarzwassertal. Und das ist der Erhalt der Wiesenstrukturen", betont Köhler. Die Maßnahme sei zudem noch nicht gänzlich abgeschlossen. Unter anderem erfolgen noch Ersatzpflanzungen anderenorts mit ursprünglich typischen Bäumen wie beispielsweise die Eberesche.

Über das aktuelle Ergebnis der Forstarbeiten in dem Naturschutzgebiet könne man geteilter Meinung sein, stimmt Thomas Kirchner zu. Roland Bilz wiederum hält die Begründung für sehr fragwürdig. Schließlich hätte man die Bäume auch nur beschneiden können. Beide aber kritisieren vor allem eines: die mangelnde Aufklärungsarbeit seitens des Staatsbetriebs. Informationen zu Maßnahmen seien Fehlanzeige. Und damit der Hauptgrund, weshalb Kritik und Unverständnis in der Bevölkerung überhaupt erst aufkommen.

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