Feuerwehren erhalten Millionenspritze

Kameradenfrust: Selbst für kleine Investitionen fehlt oft das Geld. Der Kreis hat sich jetzt außer der Reihe spendabel gezeigt. Doch es bleibt ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Marienberg.

Der Unmut in den Reihen der Feuerwehren ist auch im Landkreis nicht unbemerkt geblieben. Zwar stellt der Freistaat dem Erzgebirgskreis pro Jahr etwa zwei Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. "Diese können aber nur einen eher geringen Teil des Bedarfs abdecken", räumt der im Landratsamt für Brandschutz zuständige Abteilungsleiter Christoph Herrmann gegenüber "Freie Presse" ein.

Der Landkreis will deshalb jetzt mithelfen, die Probleme abzumildern. Im Kreis- und Finanzausschuss wurde jüngst eine Millionenspritze für die Ortsfeuerwehren beschlossen. Das Geld können die Kommunen frei für solche Ausgaben verwenden, die bei der jährlichen Bewilligung von Investitionen nicht auf der Prioritätenliste obenan stehen. Bei der Verteilung der Mittel wurde die Anzahl der aktiven Feuerwehrkameraden in den Ortswehren zugrunde gelegt. Das wiederum fand in der Sitzung Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) nicht so fair, weil etwa seine Auer mit 61, die Bad Schlemaer mit 51 fast die gleiche Anzahl von aktiven Kameraden haben. Jedoch müssten seine Leute ungleich öfter als die Kollegen vom Nachbarort ausrücken. Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP) warnte: "Die Verteilung nach Einsätzen könnte nach hinten losgehen, einen Wettbewerb um Brandeinsätze auslösen."

Amtsbergs Bürgermeister Sylvio Krause, CDU-Fraktionschef im Kreistag, meinte, bei den Summen, um die es gehe, müsse man sich nicht streiten. Das Geld sei vielmehr ein gutes Zeichen für kleine Ortsfeuerwehren. Mit den knapp 20.000 Euro, die seine Gemeinde erhalte, könne ein neuer Mannschaftstransporter mitfinanziert werden. Der Ausschuss sah die Sachlage offenbar auch so und beschloss, dass - vorbehaltlich der Zustimmung des Sächsischen Städte- und Gemeindetages - jede Kommune des Kreises genau 199,44 Euro je aktiven Feuerwehrkameraden bereit gestellt bekommt.

Der dickste Brocken mit 81.770,40 Euro geht nach Marienberg. "Sehr begrüßenswert", sagte Oberbürgermeister André Heinrich. Die mit 135 Quadratkilometern flächengrößte Kommune im Erzgebirgskreis hat 14 Ortswehren und kann jeden Cent für Brandschutz gut gebrauchen. Vieles von dem, was nach der Wende neu angeschafft wurde, muss laut Heinrich jetzt ausgewechselt werden. Noch sei nicht entschieden, wofür das zusätzliche Geld vom Kreis verwendet werde, wahrscheinlich aber für einen neuen Mannschaftstransportwagen für die Marienberger Wehr.

Doch auch die kleinste Zuwendung - 4188,24 Euro - wird dringend gebraucht. "Es gäbe viele Verwendungsmöglichkeiten", so Dietmar Neef, Vorsitzender des Feuerwehrvereins Auerbach. Der Ortswehr gehören 21 aktive Kameraden an, und die wünschen sich schon lange eine Absaugeinrichtung für das Feuerwehrauto. Diese sorge bei Ausfahrt aus dem Depot dafür, dass die Fahrzeughalle nicht zugenebelt wird. Dringend saniert werden müsste zwar auch das Gerätehaus. Diese Investition sei aber ein paar Nummern größer. Doch Neef will nicht unzufrieden sein. Wenigstens das neue Feuerwehrfahrzeug sei schon in Aussicht. Die Ausschreibung für 2019 laufe.


"Zusätzliches Geld ist bei der Feuerwehr immer gut angelegt"

Gunnar Ullmann aus Grünhainichen ist seit 2016 Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Andreas Luksch sprach mit ihm über die Zusatzmillion.

Freie Presse: Was sagen Sie zur Millionenspende vom Landkreis?

Gunnar Ullmann: Zusätzliches Geld ist bei der Feuerwehr immer gut angelegt. Es sollte jedoch nur für Wichtiges ausgegeben werden. Auch Feuerwehrleute müssen nicht alles haben, was angeboten wird.

Können Sie mit der Verteilung nach Anzahl aktiver Kameraden leben?

Ja. Ein Vergabeschlüssel ist generell schwer zu finden. Nach Einwohnerzahl wäre sicher auch gegangen. Bei zielgerichteten Projekten ist das einfacher. Ich nehme an, das ist so mit den Bürgermeistern abgesprochen.

Was sind die größten aktuellen Sorgen der hiesigen Feuerwehren?

Da gibt es zwei Schwerpunkte: Nicht wenige Gerätehäuser müssen auf Vordermann gebracht und eine große Anzahl von Fahrzeugen nach 25 Jahren Laufzeit neu beschafft werden. Bei den einen bröckelt der Putz, bei den anderen der Rost.

Was heißt das konkret in Summe?

Laut Kreisverwaltung kann man das so genau nicht sagen. Da gilt es, immer den Einzelfall zu betrachten. Nur zwei Beispiele, um die Größenordnung zu umreißen: Elterlein errichtete 2017 ein neues Gerätehaus - Kosten: 1,7 Millionen Euro. Annaberg schaffte sich ein neues Löschfahrzeug HLF-20 an - Kosten: 426.000 Euro.

Zu hören ist, dass es aktuell auch Probleme mit der Löschwasserversorgung gibt. Stimmt das?

Da ist in der Tat einiges schwieriger geworden. Aktuell gibt es viele weiße Flecken. Löschwasserteiche trocknen aus. Dorfbäche führen weniger Wasser. Trinkwasserleitungen können wir auch nicht mehr überall anzapfen. Wegen des Bevölkerungsrückgangs ist mancherorts der Leitungs-Querschnitt verkleinert worden.

Und wie steht es um den Feuerwehrnachwuchs?

Im Erzgebirgskreis steht's damit derzeit gar nicht so schlecht. Zwar können wir uns nicht zurücklehnen, doch vor Ort zeichnet sich viel jugendliches Potenzial ab.

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