Forscher erklären Messtechniken

Aus welchen Stoffen setzt sich der Böhmische Nebel zusammen? Wissenschaftler haben am Donnerstagabend in Olbernhau gezeigt, wie sie das Rätsel lösen wollen.

Olbernhau.

Ein Gerät, das aussieht wie ein Campingkocher, könnte helfen, das Geheimnis des Böhmischen Nebels zu lüften: Der Kanister besteht aus einer metallischen Kugel mit zylinderförmigen Fuß, oben ist ein Ventil eingelassen. Bei Gestank dreht der Besitzer auf, und innerhalb von zwei Minuten strömen drei Liter Luft in den Behälter. Dann wird ein Bogen ausgefüllt, Ort, Zeit, Stärke und Art des Geruchs beschrieben. Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) holen die Probe später ab, um sie zu untersuchen.

Das ist eine der vielen Methoden, die Martina Straková und Anja Mannewitz am Donnerstagabend im Olbernhauer Rathaus erklärt haben. Die Forscherinnen sind zuständig für Messungen innerhalb der Studie Odcom - "Objektivierung der Geruchsbeschwerden im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet".

Laut Studienleiterin Anja Zscheppang (Technische Universität Dresden) soll innerhalb der nächsten drei Jahre herausgefunden werden, wie sich die Industrieabgase aus Tschechien auf die Gesundheit der Menschen im Erzgebirge auswirken. Am Donnerstagabend standen die Messverfahren im Mittelpunkt, also die Frage: Welche Stoffe und Teilchen sind es eigentlich, aus denen sich der Böhmische Nebel zusammensetzt?

Thermodesorbtions-Röhrchen, Impaktor, Absorptions-Photometer: So heißen drei der Werkzeuge, mit denen Straková und Mannewitz arbeiten. Besonderes Interesse erregte ein sogenanntes Ionenmobilitäts-Spektrometer, das als mobiles "Geruchsradar" eingesetzt werden kann. Der Messapparat ermöglicht es, Gase im Zehn-Sekunden-Takt zu erkennen und einer Windrichtung zuzuordnen. Das Gerät kann im Auto mitgeführt werden, um sich möglichen Geruchsquellen zu nähern - sofern Straßen und Wege es zulassen und keine unüberwindbaren Hindernisse den Weg versperren.

Auf der Festwiese von Deutschneudorf wird außerdem ein Messcontainer des Leibniz-Institutes für Troposphärenforschung aufgestellt, voraussichtlich ab Januar. Die Leipziger Forscher haben diesen Platz bewusst ausgewählt, um störende Einflüsse wie Straßenverkehr oder Holzheizungen weitgehend auszuschließen. Außer den Standard-Luftschadstoffen wie Schwefeldioxid, Stickstoffoxiden, Ozon, Blei, Arsen oder Nickel wird auch nach organischen Substanzen sowie Bakterien und Schimmelpilzen in der Luft gesucht.

Der Sprecher der Bürgerinitiative "Für Saubere Luft" (BI), Hartmut Tanneberger, bezeichnete das Projekt als "großen Fortschritt". Darüber hinaus hätten sich Industriebetriebe aus dem Raum Litvinov dazu bereit erklärt, Vertreter der BI im Frühjahr 2017 zu empfangen. Nach Tannebergers Vorstellungen soll bis dahin ein Katalog mit konkreten Fragen entworfen werden.

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