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Ulrike Listner (links) und Christine Brunner wollen in Krumhermersdorf eine Selbsthilfegruppe für Menschen gründen, die Kinder verloren haben.

Foto: Dirk Trautmann

Frauen wollen mit anderen über den Verlust der Kinder sprechen

In Krumhermersdorf soll eine Selbsthilfegruppe gegründet werden. Eltern können sich dort austauschen.

Von Dirk Trautmann
erschienen am 03.01.2018

Krumhermersdorf/Chemnitz. "Ihr seid in unseren Herzen" - das ist auf einem Holzkreuz in Ulrike Listners Garten zu lesen. Es handelt sich um ein Zeichen der Trauer und des Schmerzes. Die Krumhermersdorferin hat es aufgestellt, weil sie viel Schmerz erlitten hat und immer noch Trauer empfindet. Vier Kinder sind in ihrem Leib gestorben, Kinder, auf die sie sich so sehr gefreut hatte, die sie in ihren Armen halten wollte, für die sie sorgen wollte. Ulrike Listner hat auch zwei gesunde Jungen zur Welt gebracht, der Jüngere ist fünf Jahre alt, der Ältere bereits 17.

"Und trotzdem denke ich oft an meine toten Kinder, das ist ein Schmerz, ein Prozess, der immer bleiben wird", erzählt die 42-Jährige. Deshalb will sie eine Selbsthilfegruppe in Krumhermersdorf ins Leben rufen. Auch Christine Brunner wird dabei sein. Die Chemnitzerin hat ihren Sohn durch einen Verkehrsunfall verloren, da stand dieser gerade kurz vor dem Abitur. Viele Tränen sind bei beiden Frauen geflossen. "Ich darf um meine Kinder weinen", hat Ulrike Listner empfunden. Dazu kamen aber auch Schuldgefühle. Zudem haben ihr wohlmeinende Ratschläge des Klinikpersonals nicht geholfen. "Ich sei doch noch jung, wurde mir gesagt." Auch Christine Brunner hat erfahren, wie hilflos andere der eigenen Trauer gegenüberstehen, sie, die gläubige Christin, hat ob ihres Verlusts gehadert, aber ihr waren und sind ihr Glaube und die Erfahrungen, die sie in den Jahren mit Gott gemacht hat, Trost und ein fester Halt.

"Damals hatte ich gehofft, dass ich eine Gruppe von Eltern finde, die dasselbe erlebt haben. Aber da war keine", sagt Christine Brunner. Auch nicht mit ihren Familienangehörigen habe sie reden können, weil die eigene Familie mit der eigenen Trauer beschäftigt war. "Da habe ich gemerkt, dass es gut tut, mit anderen darüber zu reden." Geteiltes Leid ist halbes Leid, heißt es. Dass darin mehr als ein Körnchen Wahrheit liegt, haben sowohl Ulrike Listner als auch Christine Brunner erfahren. Auch mit einem "Trauerjahr" sei es nicht getan, sagt die Krumhermersdorferin, denn die Trauer bleibe ein Leben lang.

Und darum wollen sie eine Selbsthilfegruppe gründen, einen Anlaufpunkt für Betroffene und Angehörige. Die beiden Frauen wollen anderen helfen, deren Hilflosigkeit zu überwinden: "Wichtig ist, über den Verlust, über den empfundenen Schmerz zu reden. Wir wollen für die Eltern da sein. Kein Mensch kann einen von dem Schmerz befreien, aber das Leid kann geteilt werden, indem man es sich von der Seele redet. Und zwar mit denen, die dasselbe erlebt haben."

 
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