Gratis-Internet aus der Dose bald im ganzen Erzgebirgskreis?

Noch beschränkt sich das Projekt auf Gornau und Lengefeld. Perspektivisch möchte der Marienberger Netzbetreiber Erznet den Kostenfrei-Tarif auch in anderen Kommunen einführen. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

Gornau/Lengefeld.

Die Antennengemeinschaften Erznet AG mit Sitz in Marienberg hat ein Projekt zur kostenfreien Grundversorgung mit Internet gestartet. Die Zugänge besitzen eine Download-Geschwindigkeit von 1 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Mit dieser Übertragungsrate lassen sich beispielsweise E-Mails versenden und abrufen. Auch Surfen im Internet ist mit Abstrichen möglich. Kostenfreie Zugänge bietet der Netzbetreiber zunächst in den Kabelnetzen der Antennengemeinschaften in Gornau mit annähernd 800 und in Lengefeld mit 1000 Mitgliedern an. "Unser Ziel ist es, die kostenfreie Grundversorgung auf den gesamten Erzgebirgskreis auszuweiten", erklärt Vorstandsmitglied Torsten Schmidt.

Mit seinem "Openerznet-Traif" will das Marienberger Unternehmen insbesondere sozial Benachteiligten, älteren Menschen, die bislang keine Berührungspunkte mit dem weltweiten Datennetz haben, sowie Schulen den einfachen Einstieg ermöglichen. Den kostenfreien Zugang sieht Torsten Schmidt zugleich als Beitrag zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, das ohnehin im Gründungsgedanken der Antennengemeinschaften wurzelt.

Unmittelbar nach dem Start von "Openerznet" haben sich Schmidt zufolge erste Interessenten gemeldet. In der Regel nutzen sie schon einer Antennendose für den Fernsehempfang. In Lengefeld zahlen Mitglieder der Antennengemeinschaft dafür eine Jahresumlage in Höhe von 60 Euro. Für den Internetzugang benötigen sie zusätzlich ein Kabelmoden, wofür einmalig 40 Euro anfallen. Innerhalb von fünf Tagen könne Erznet die Technik liefern, sagt Torsten Schmidt. Für Erznet könnte sich der kostenfreie Internettarif zumindest langfristig gewinnbringend auswirken. Das Unternehmen bindet damit nicht nur Kunden, sondern erleichtert auch den späteren Umstieg auf einen Bezahlzugang, falls ihnen die niedrige Bandbreite nicht mehr genügt.

Die Idee der kostenfreien Internet-Grundversorgung ist nicht neu. Mit dem Ziel, allen Bevölkerungsgruppen den Zugang und damit zu Bildung und Information zu ermöglichen, begann die Städtische Wohnungsgesellschaft München schon Ende 2015 ein Pilotprojekt in ihrer Siedlung in Berg am Laim. Das Angebot beinhaltet eine Download-Geschwindigkeit von 3 Mbit/s - völlig ausreichend für den alltäglichen Internetgebrauch.


Kommentar: Wenigerist mehr

Die Partei- und Fraktionsspitzen von Union und SPD haben sich beim Thema Internet weit hinaus gelehnt. Der neue Koalitionsvertrag enthalte einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet, sagte kürzlich die designierte Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, in einem Tagesthemen-Interview. Doch selbst, wenn das Turbo-Internet eines Tages in jeder Wohnung bereitstünde, scheint es aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, dass sich auch jeder das schnelle Datennetz leisten kann. Mit ihrem Angebot zur Internet-Grundversorgung backt die Erznet AG zwar kleinere Brötchen, dafür entfällt die finanzielle Hürde. Der kostenfreie Ein-Megabit-Zugang sollte nicht auf die Mitglieder der Antennengemeinschaften in Lengefeld und Gornau begrenzt bleiben, sondern rasch bei Bewohnern in anderen Teilen des Landkreises verfügbar sein. Nicht nur sie ziehen daraus Nutzen. Auch Erznet gewinnt mit vergleichsweise niedrigem Aufwand an Reputation und an Akzeptanz für ein Antennenkabelnetz, das aus einem Gemeinschaftsgedanken heraus entstanden ist.

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