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Über zwei Vitrinen mit original Seiffener Spielzeug aus der Zeit zwischen 1920 und 1930 freut sich Eckart Holler besonders. Die Miniaturen waren die Lieblingsstücke der vor einem Jahr verstorbenen Sammlerin Erika Pohl-Ströher.

Foto: Matthias DegenBild 1 / 4

Lieblingsstücke bergen zahlreiche Erinnerungen

Seiffener Spielzeug aus dem Nachlass von Erika Pohl-Ströher bereichert die Weihnachtsausstellung in Gelenau. Manches wurde einst im Flüchtlingskoffer transportiert.

Von Matthias Degen
erschienen am 20.01.2018

GELENAU. Stolz und mit einem Lächeln im Gesicht beugt sich Eckart Holler über eine der beiden Vitrinen im Eingangsbereich des Gelenauer Depots Pohl-Ströher. Unter Glas befindet sich Spielzeug aus Seiffen, das in den 1920er- und 1930er-Jahren im Spielzeugwinkel hergestellt wurde. Von Kinderhand abgegriffen und dennoch gut erhalten sind mehr als 2000 Häuschen, Figuren, Pferdefuhrwerke, Spielzeugautos und unendlich viel Zubehör in Miniatur zu bewundern.

"Über Jahre hinweg haben wir versucht, die Lieblingsstücke der Sammlerin nach Gelenau zu überführen", erinnert sich der Restaurator und Mitarbeiter des Depots. Vergeblich. Neben auserlesenen Steinen und Kristallen verfügte Erika Pohl-Ströher auch, dass erst nach ihrem Tod das erzgebirgische Originalspielzeug ihr Haus im schweizerischen Ferpicloz verlassen darf und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll. Am 18. Dezember 2016 starb die deutsch-schweizerische Chemikerin, promovierte Biologin und Sammlerin wertvoller Mineralien und Volkskunst aus dem Erzgebirge im Alter von 97 Jahren. Zur jüngsten Weihnachtsausstellung wurde ihrem Wunsch entsprochen.

Die Liebe der Sammlerin zu diesen Exponaten kann Eckart Holler gut verstehen. "Zum einen handelt es sich um einfaches Kinderspielzeug für den täglichen Gebrauch, das irgendwann weggeworfen wurde und für das sich erst Jahre später Sammler zu interessieren begannen", konstatiert der Chemnitzer. Hinzu komme, dass an einigen Exponaten ein Stück tragische Erinnerung hing. "Als eine Brandbombe die väterliche Fabrik im vogtländischen Rothenkirchen in Flammen setzte, war das Spielzeug Inhalt einer großen Stahlkiste, die dem Feuer widerstand." Von besonderem Interesse waren zu dieser Zeit jedoch wichtige Unterlagen zur Kosmetikfirma Wella ihres Vaters Karl Ströher. "Neben Dokumenten und Akten befanden sich auch Super-8-Filme in der Kiste, die nach dem Brand kontrolliert abgekühlt wurden und heute in digitaler Form ein wichtiges Zeitdokument darstellen", so Holler.

Das Seiffener Spielzeug hat Erika Pohl-Ströher erst Anfang der 1980er-Jahre wiederentdeckt und Ausschau nach weiteren Miniaturstücken gehalten. Besonders bei Waltraud Bolz, die in Bayreuth eines der renommiertesten Kunstauktionshäuser Deutschlands betreibt, ist die Sammlerin immer wieder fündig geworden. Doch auch Spielzeug, das Übersiedler nach dem Krieg aus der sowjetischen Besatzungszone als Erinnerung an ihre Kindheit mit in den Westen gebracht haben, hat überlebt. Klein und handlich fand es in jedem Flüchtlingskoffer Platz.

"Wir können heute davon ausgehen, dass das Seiffener Spielzeug für Erika Pohl-Ströher der Auslöser für die Sammlung erzgebirgischer Volkskunst war", resümiert Eckart Holler und bewertet den Inhalt der beiden Vitrinen auch deshalb als eine besondere Bereicherung für das Depot Pohl-Ströher.

Die Weihnachtsschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher, Emil-Werner-Weg 96, ist noch bis 28. Januar zu sehen. Geöffnet ist Freitag bis Sonntag jeweils 10 bis 18 Uhr.

 
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