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Saunagäste drohen Stadt mit Boykott

Der Bürgermeister will Schwimmern im Olbernhauer Hallenbad mehr Zeit einräumen. Wer im Beckenbereich bisher nackt unterwegs war, soll sich was überziehen. Die Pläne lösen Protest aus.

Von Christoph Pengel
erschienen am 08.09.2017

Olbernhau. Ein drohender Saunaboykott bringt den Olbernhauer Bürgermeister ins Schwitzen. So könnte der überspitzte Titel dieses Textes lauten. Nur trifft er nicht ganz die gelöste Stimmung im jüngsten Verwaltungsausschuss. Die Räte warfen sich amüsierte Blicke zu, und aus einigen platzte das Lachen heraus, als Heinz-Peter Haustein (FDP) einen Brief von Maria Schröder vorlas. Die langjährige Saunagängerin aus Olbernhau hatte mit dem Schreiben auf die Pläne für das Hallenbad reagiert.

Laut Haustein drängen einige Schwimmer darauf, mehr Zeit im Hallenbad zu erhalten. Nach jetzigem Plan sind pro Woche 15 Stunden fürs öffentliche Schwimmen vorgesehen. Dem stehen 17,5 Stunden Sauna gegenüber. Haustein will diese Blöcke auch für Schwimmer öffnen. Für die Saunagänger würde das jedoch bedeuten, dass sie sich nicht mehr nackt im Beckenbereich aufhalten dürfen. "Dann müssen sie sich eben eine Badehose anziehen", sagte Haustein schon vor einigen Wochen.

Maria Schröder will das nicht akzeptieren. Ihrem Brief zufolge spricht sie im Namen von 34 Personen, die regelmäßig die Sauna besuchen. Für sie gehört es nach dem Schwitzen dazu, nackt schwimmen zu gehen. "Das möchten wir auch weiterhin tun." Sollte die Textil-Pflicht eingeführt werden, hätte das Konsequenzen. Einige Saunagäste zögen jetzt schon das Bad in Lengefeld vor, weil dort das Wasser wärmer sei. Wenn die Stadt Hausteins Pläne umsetzt, dann würden sich "schlagartig noch mehr Gäste der Frauen- und der Männersauna von Olbernhau verabschieden", schreibt Schröder. Ihr Vorschlag: Die Stadt sollte Schwimmern anbieten, während der Saunazeiten nackt zu baden. "Es gibt viele FKK-Anhänger, die dies dann nutzen könnten."

Im Verwaltungssausschuss stieß die Idee auf Skepsis. Undine Fritzsche (SPD-Fraktion), die selbst gern ihre Bahnen im Schwimmbad zieht, sagte: "Ich muss meinen athletischen Körper nicht nackig zeigen." Stattdessen machte sie einen ironischen Gegenvorschlag: "Wir richten einen Badehosenverleih ein."

Auch nach Ansicht von Markus Gorny (CDU-Fraktion) sind Schwimmer in der jetzigen Situation benachteiligt. Er unterstützt den Vorstoß des Bürgermeisters. Hauptamtsleiterin Gabriele Lorenz erinnerte daran, dass schon vor Jahren ein FKK-Versuch gestartet worden war: Schwimmern wurde damals angeboten, während der Saunazeiten nackt ins Bad zu kommen. "Das ist mörderisch nach hinten losgegangen", sagte sie. "Entweder gab es keine FKK-Anhänger oder keinen Bedarf an diesen Schwimmzeiten."

Dass etliche Saunafreunde notfalls zum Boykott übergehen würden, bestätigt auch Gunter Haustein, ein häufiger Gast in der Einrichtung. Fahrgemeinschaften nach Lengefeld oder Marienberg sind demzufolge denkbar. Laut Gunter Haustein wäre das ein heftiger Verlust für die Stadt: "Was ihr an Geld verloren ginge, könnte sie mit öffentlichem Schwimmen nicht wieder ausgleichen." Nach Angaben des Hauptamtes zahlten Saungänger im vergangenen Jahr insgesamt 24.900 Euro. Schwimmer brachten demnach Einnahmen in Höhe von 12.800 Euro - knapp die Hälfte.

Schwimmen oder Schwitzen. Für Gunter Haustein ist das kein Widerspruch: "Wir müssen einen diplomatischen Weg finden." Seine Lösung: Schwimmer und Saunagäste teilen sich die Einrichtung. Wer nackt sein will, bleibt nackt. Wer nicht nackt sein will, behält Hose oder Badeanzug an. Könnte man das so mal ausprobieren?. "Könnte man schon", sagt Gabriele Lorenz. "Aber ob es funktioniert?"

 
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