Schüler verlegen Unterricht in den Wald

Noch bis heute finden in Gelobtland die Waldjugendspiele statt. Knapp 300 Kinder nehmen daran teil. Sie lernen dabei den Wald und seine Facetten kennen. Der Forstbezirk will mit dem Projekt einer Entwicklung entgegenwirken.

Gelobtland.

Kinder kennen sich heutzutage längst nicht mehr so gut im Wald aus wie noch vor Jahrzehnten. Thomas Köhler spricht von einer zunehmenden Entfremdung in allen Generationen. Er ist beim Forstbezirk Marienberg für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich: "Mit der Entfremdung ist auch der Verlust des Wissens verbunden." Dem möchte der zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörende Forstbezirk entgegenwirken.

Dazu werden unter anderem die Waldjugendspiele angeboten, die noch einschließlich heute am Tourismuszentrum in Gelobtland stattfinden. An zehn Stationen bringen Mitarbeiter des Forstbezirkes den Kindern verschiedene Facetten des Waldes näher. Der Wald am Tourismuszentrum in Gelobtland wird von Fichten dominiert. Es finden sich hier aber auch Kiefern, Buchen, Ahorn und Ebereschen. Deren Unterscheidung bildet nur ein Thema an den zehn Stationen des zwei Kilometer langen Parcours. Die Kinder lernen Wissenswertes über den Borkenkäfer und andere Tiere des Waldes und spüren Müll auf, der dort nicht hingehört.

Sogar einen Einblick in die Technik der Waldarbeiter bekommen die Mädchen und Jungen geboten. Dazu stehen Dirk Eulitz mit einem großen Traktor sowie Gottfried Schreiter und seine Lehrlinge mit den Kettensägen bereit. Beim Zapfenzielwurf und Umstapeln eines Holzpolters sind obendrein Ausdauer, Kraft und Feinmotorik gefragt. Die letzte Station bildet ein Wissensquiz. Dabei erkennen die Kinder, wie gut sie unterwegs zugehört und aufgepasst haben.

Manja Buschbeck leitet die Grundschule "Am Schwarzwasser" in Kühnhaide. Sie findet die Waldjugendspiele sehr lehrreich. Die meisten ihrer Schüler sind regelmäßig im Wald und kennen sich ihrem Alter entsprechend gut aus. Die Veranstaltung selbst beschreibt sie als anschaulich und sehr gut organisiert. Aus ihrer und der Sicht der Lauterbacher Grundschullehrerin Annika Leuthold stellen die Inhalte entlang des Parcours eine gute Ergänzung und Wiederholung zum Unterrichtsstoffin Sachkunde dar. "Außerdem ist das mal etwas ganz anderes, als Unterricht in der Schule. Das macht den Kindern und auch uns Lehrern einfach Spaß", erklärt Annika Leuthold.

Die Waldjugendspiele werden seit 1999 angeboten. Sie erfreuen sich, wie Thomas Köhler betont, großer Beliebtheit. Veranstaltet werden sie gemeinsam vom Staatsbetrieb Sachsenforst und dem Sächsischen Kultusministerium.


"Der Traktor war toll"

Ole Groß (9 Jahre aus Reitzenhain, besucht die Grundschule Kühnhaide): "Wir sind viel im Wald, nicht nur zum Pilze sammeln. Manchmal bin ich mit Freunden und den Fahrrädern dort. Mein Opa nimmt mich auch oft mit. Er kennt sich sehr gut aus. Die Baumarten sind für mich deshalb kein Problem gewesen. Am interessantesten fand ich die Technik. Ich wusste bisher nicht, dass die Waldarbeiter auch die Waldwege reparieren müssen. Der Traktor war toll. Er wiegt zehn Tonnen, hat so breite Reifen, damit er nicht stecken bleibt und den Waldboden nicht zu sehr kaputt macht. Die Kettensägen fand ich auch interessant. Wir brauchen sie zu Hause, wenn wir Holz aus dem Wald holen. Ich darf beim Spalten und Stapeln helfen."


"Fichten fallen schneller"

Quentin Beyer (9 Jahre aus Lauta, besucht die Grundschule Lauterbach): "Ich bin auch hin und wieder mit meinen Eltern im Wald, vor allem im Herbst, wenn wir Pilze suchen. Ich gehe auch oft mit meinen Großeltern auf Entdeckungsreisen in den Wald. Diesmal hat es mir sehr gut gefallen. Ich habe auch Neues gelernt, zum Beispiel, dass die Kiefer viel tiefer wurzelt als die Fichte. Deshalb fallen Fichten bei Sturm auch schneller. Außerdem haben wir etwas vom Borkenkäfer erklärt bekommen. Die Weibchen legen bis zu 60 Eier. Sein Fressfeind ist der Specht. Mit den Baumarten bin ich gut klar gekommen. Das hatten wir im Sachkundeunterricht. Im Wald haben wir sogar Ebereschen gesehen. Die heißen im Erzgebirge meist Vogelbeerbaum."


"Beim Quiz nur einen Fehler"

Leonie Rothe (9 Jahre aus Lauta, besucht die Grundschule Lauterbach): "Im Wald bin ich eigentlich nicht so häufig. Ab und zu gehe ich zum Schnitzen hin und springe durch die Pfützen. Der Tag hat mir viel Spaß gemacht. Die Baumarten kann ich gut unterscheiden. Das haben wir in der Schule gehabt. Wir mussten dafür Blätter sammeln. Da haben wir uns genau damit beschäftigt. Schön fand ich vor allem die Tierpräparate. Bisher habe ich Wiesel nur auf Fotos gesehen. Da weiß man ja nicht gleich, wie groß sie sind. Auch die Vögel haben mir gefallen. In der Natur kann man an sie nicht so nah ran. Füchse habe ich dagegen schon viele gesehen. Beim Quiz habe ich nur einen Fehler gehabt. Darüber habe ich mich gefreut."

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