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Hinter diesem Hoftor sammelten sich die Wassermassen. Doch dank des schnellen Eingreifens von Nachbar Ron Albrecht (rechts) konnte Schlimmeres verhindert werden. Dafür ist Peter Laskowski dankbar.

Foto: Dirk TrautmannBild 1 / 3

Überflutung, Hilfsbereitschaft - und nebenbei ein Triathlon

Das schwere Unwetter vergangenes Wochenende hat in Gehringswalde große Schäden verursacht. Doch zugleich machte es ungeahnt deutlich, dass es noch etwas gibt, das viele schon vergessen glaubten - Nachbarschaftshilfe.

Von Sven Wagner
erschienen am 14.06.2018

Gehringswalde. Als heftiger Regen vergangenes Wochenende die Hauptstraße in Gehringswalde flutet, hat Peter Laskowski gerade anderes im Kopf. Der 58-Jährige ist zusammen mit seiner Lebensgefährtin nach Moritzburg gefahren, um dort das Wochenende zu verbringen und am Sonntag bei einem Triathlon zu starten. Laskowski macht einen athletischen Eindruck, ein ganzes Jahr habe er für die Teilnahme trainiert. Doch als er Samstagnachmittag beim Kaffee sitzt, kommt der große Schreck. Per Telefon meldet sich Sohn Kay mit den Worten: "Kommt nach Hause, es ist Hochwasser."

"Wir sind sofort zurückgefahren", sagt Laskowski. Doch das dauert knapp eineinhalb Stunden. Genau in der Zeit stürzen in Gehringswalde dick-schlammige, braune Fluten aus dem Bach "Tiefer Graben", der in Nicht-Flutzeiten nur ein Bächlein ist, über die Hauptstraße. Peter Laskowski befürchtet schon das Schlimmste - doch zuhause angekommen, wird er überrascht: Seine Nachbarn Ron Albrecht und Anja Wendler sind bereits in seinem Hof am Werk.

Als die beiden zuvor bemerkt hatten, dass vom Wasser mitgeführter Unrat das Hoftor von Laskowski verstopfte und der Innenhof vollzulaufen drohte, griffen sie kurzerhand ein und machten das Tor für den Wasserablauf frei. Durch ihren Einsatz haben die Nachbarn offenbar verhindert, dass an dem Haus erheblicher Schaden entstanden ist. Laskowski ist dankbar und sagt: "Das Wasser war schon zur Haustür eingedrungen. Noch etwas mehr, dann wären unser Keller vollgelaufen und die Heizungsanlage wohl hin gewesen."

Diese Art der Nachbarschaftshilfe war nicht die einzige während des Unwetters. Der Wehrleiter von Gehringswalde, Jörg Frenzel, war im Einsatz und berichtet von außergewöhnlich großer Hilfsbereitschaft der Bürger untereinander. "Das haben wir bei Einsätzen noch nie so deutlich erlebt", bekräftigt Frenzel. Auch viele Anwohner, die selbst nicht betroffen waren, haben anderen geholfen. Frenzel war mit seiner Wehr und Feuerwehrleuten aus Wolkenstein und Hilmersdorf am Samstag bis gegen halb sieben Uhr abends mit den Unwetterfolgen beschäftigt. Die Einsatzkräfte haben eine vollgelaufene Garage ausgepumpt, sich um Wasser in Häusern gekümmert, Schlamm und Unrat beräumt und mussten Straßen und Gehwege reinigen. Zurück bleibe nun der beschädigte Bachlauf; wie es damit weiter geht, sei vorerst offen.

Eine Antwort darauf versucht Wolkensteins Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos) zu finden. Er war in den vergangenen Tagen unterwegs und hat die Schäden aufgenommen: Für eine schnelle, vorläufige Instandsetzung werde eine viertelmillion Euro benötigt. Um den Bachlauf nach aktuellen gesetzlichen Vorgaben komplett herzurichten, brauche es sogar 1,7 Millionen Euro. Hinzu kämen noch Schäden an Wegen und auch in Hilmersdorf habe das Unwetter Spuren hinterlassen. "Der Bauhof hat die groben Gefahren am Bachlauf in Gehringswalde beseitigt. Alles Weitere müssen wir sehen", so Liebing. In jedem Fall bleibe "ein Haufen Arbeit" - für die Kommune und die Geschädigten.

Bei Peter Laskowski ist der gegenwärtige Schaden überschaubar. Doch die Überschwemmung wird ihn weiter beschäftigen: Zwar ist ein Wolkenbruch wie zuletzt eher die Ausnahme, doch da der Brückendurchlauf neben seinem Haus zu klein sei, genüge schon stärkerer Regen, damit dort erneut Wasser überläuft. Laskowski hofft, dass der Durchlauf nachgebessert wird. Schon seit 2002 bemühe er sich bei Kommune und Landkreis darum.

Der 58-Jährige will dranbleiben, denn er vereint zwei Dinge in sich: Optimismus und Kampfgeist. Das zeigte er auch vergangenes Wochenende. Nachdem Samstagnacht die groben Spuren der Überschwemmung auf seinem Grundstück beseitigt waren, legte er sich gegen Mitternacht ins Bett, da fiel ihm der Triathlon wieder ein. "Also bin ich um vier Uhr morgens wieder aufgestanden und doch noch nach Moritzburg gefahren", sagt Laskowski. Es hat sich gelohnt. In seiner Altersklasse hat er den vierten Platz belegt - und festgestellt: "So ein turbulentes Wochenende hatte ich wohl noch nie."

 
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