Wenn es beim Nachbarn stinkt und nebelt

Vor allem im Frühjahr und Herbst lodern im Erzgebirge Gartenfeuer. Nebenan wohnen die Leidtragenden. Doch was ist eigentlich erlaubt, was verboten? Und ab wann schreitet die Behörde ein?

Marienberg/Zschopau.

Ein sonniger Samstagnachmittag. Die Kinder spielen im Garten. Der Vater mäht den Rasen. Die Mutter hängt die Wäsche auf. Frische Luft strömt durch die offenen Fenster und Türen ins Haus. Wochenendidylle bei Haus- und Gartenbesitzern. Wäre da nicht der Nachbar. Und sein Gartenfeuer.

Von seinem Grundstück aus ziehen dicke Rauchschwaden herüber. Es qualmt. Und stinkt. "Es ist eine Zumutung, wenn man sich am eigenen Haus aufhalten möchte, Fenster offen oder Wäsche gewaschen hat", schreibt ein Mann aus Pobershau an "Freie Presse". An jenem Tag im April seien in dem Marienberger Ortsteil gleich an mehreren Stellen pflanzliche Abfälle verbrannt worden. Er und seine Ehefrau seien schließlich geflüchtet - aus dem eigenen Garten, mit nasser Wäsche im Gepäck. Und das sei nicht der erste Vorfall gewesen. Auch beim Ordnungsamt der Bergstadt sind jüngst vermehrt telefonische Beschwerden eingegangen, bestätigt Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer. In Zschopau hingegen nur eine, sagt der in der Motorradstadt zuständige Sachgebietsleiter für Recht, Ordnung und Sicherheit, Wilfried Leibling.

Trotzdem: Vor allem im Frühjahr und Herbst lodern immer wieder Gartenfeuer. Dabei sind die eigentlich grundsätzlich verboten. Eigentlich. Die sächsische Pflanzenabfallverordnung untersagt zwar das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen wie Laub, Ästen und Reisig. Allerdings gilt im April und Oktober eine Ausnahme, wenn ordnungsgemäßes Entsorgen nicht möglich oder nicht zumutbar ist und Rahmenbedingungen wie keine Belästigung der Nachbarn und Mindestabstand zu Straßen eingehalten werden.

Für den Vollzug der Pflanzenabfallverordnung ist wiederum das Landratsamt zuständig. Da es aber im Erzgebirgskreis genügend Wertstoffhöfe und Grünschnittsammelplätze gebe, sei die Ausnahmeregelung maßgeblich eingeschränkt, erklärt Sprecherin Jutta Leonhardt. Entsprechend seien in den vergangenen Jahren auch keinerlei Genehmigungen erteilt worden.

Zuständig dafür sind ohnehin die Kommunen, ergänzt Leonhardt. In deren, dem erwähnten sächsischen Gesetz untergeordneten Polizeiverordnungen wird ebenfalls das Abbrennen von offenen Feuern geregelt - jedoch von Ort zu Ort unterschiedlich. Und ob eine Genehmigung notwendig ist, hängt meist von der Größe ab. Vielerorts - wie auch in Zschopau - gilt: Für offene Feuer mit trockenem, unbehandeltem Holz ist prinzipiell eine Erlaubnis erforderlich. Bis zu einer Fläche von einem Quadratmeter und einer Höhe von einem halben Meter reicht eine Bekanntgabe. Feuerschalen und Grills sind immer erlaubt.

In Pobershau scheinen sich einige nicht daran zu halten. Der betroffene Nachbar sah aber bislang bewusst von einer Anzeige ab. Auch, um Streit zu vermeiden. "Vor ein paar Jahren haben wir zu einem Nachbarn etwas gesagt und hatten danach mehrere Jahre keinen Kontakt. Das kann nicht die Lösung des Problems sein." Er fordert daher die Stadtverwaltung auf, öfter einzuschreiten. Das macht sie auch, wenn Personen durch Rauch und Funken unzumutbar belästigt werden, betont Gisela Clausnitzer. Anonyme Anrufe ohne detaillierte Anzeige würden dabei aber nicht helfen. Am einfachsten sei es, Grundregeln für Holzfeuer einzuhalten. Und dazu gehört auch, so Clausnitzer, vorher mit dem Nachbarn darüber zu sprechen.

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