Annaberger Schweigemarsch bringt Frauenbewegung in Rage

Bislang war es meist ruhig um die Anti-Abtreibungs-Demonstration - Für heute jedoch ist erstmals seit 2010 Gegenwehr angekündigt

Annaberg-Buchholz.

Im Glauben gilt die Farbe Lila der Besinnung, der Buße und der Umkehr. Auch die Frauenbewegung ist seit ihrer Gründung lila-affin - doch alles andere als dafür bekannt, für die Rechte des weiblichen Geschlechts nur einen Schritt zurückzuweichen.

Deshalb wollen heute Frauen aus Sachsen erstmals entlang des vom Verein Christen für das Leben (CDL) in Annaberg-Buchholz organisierten Schweigemarsches gegen Abtreibung Farbe bekennen. "Wir werden mit lila Regenschirmen, Spruchbändern und Plakaten unseren Protest gegen die Forderungen der CDL ausdrücken", kündigte die aus Aue stammende Heiderose Gläß an. Mitstreiterinnen erwartet sie aus Dresden ebenso wie aus dem Erzgebirge, etwa von der linken Frauenarbeitsgemeinschaft Lisa.

Auf eine Gegendemonstration habe man verzichtet. "Wir wollen dem Marsch nicht im Wege stehen, sondern ihn lediglich mit unseren Standpunkten begleiten", erläuterte die politische Gleichstellungsbeauftragte der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag. "Das dürfte wohl ohne Probleme möglich sein", meint sie.

Ihr war der seit 2010 stattfindende Marsch bis dato völlig unbekannt - bis ihr jüngst Fraktionskollegen davon erzählten. "So was, hier bei uns im Osten mit seiner aufgeklärteren und liberaleren Bevölkerung?", wollte sie es nicht glauben. Selbst in der Diskussion mit den konservativen Landtagskollegen hätten die Positionen der CDL nie eine Rolle gespielt. "Dass da mancher in der CDU ein sehr konservatives Familienbild pflegt, ist uns schon bekannt - aber so verschärfte Positionen wie von der CDL sind mir neu", sagte Gläß.

Bei den Zielen des Vereins, etwa der Verschärfung des § 218, fühle sie sich glatt ins Mittelalter zurückversetzt, sagt die 63-jährige Landtagsabgeordnete. Dabei stelle schon die gültige deutsche Gesetzgebung zum Abtreibungsrecht aus den 1990er- Jahren für Frauen aus dem Osten einen Rückschritt gegenüber dem DDR-Recht dar. "Doch über die Jahre haben wir uns mit dem aktuellen Recht arrangiert. Die Regelungen sind schon ziemlich frei", so Gläß. Sie schränkt aber zugleich ein, dass die gesetzlichen Auflagen, wie Beratungspflicht, betroffene Frauen durchaus in zeitliche Nöte bringen können. Damit sie erst gar nicht in solche Bedrängnis kommen, plädiert Gläß auch für fundiertere Sexualerziehung, Prävention und für die "Pille danach". (alu)

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