Auschwitz-Überlebende liest und rappt

Musik und der gemeinsame Wunsch nach Frieden überwinden jeden scheinbaren Unterschied: Das hat eine Lesung mit Konzert in Beierfeld gezeigt.

Beierfeld.

Mit fester Stimme schildert Esther Bejarano ihre Erlebnisse aus einer Zeit, die keiner der mehr als 100 Gäste in der Aula des Technikzentrums der Oberschule Beierfeld selbst miterlebt hat. Ihre Worte und ihr Ausdruck sind klar, ihre Aussprache deutlich. Die Musikerin wurde 1924 geboren und hat das Konzentrationslager Auschwitz nur überlebt, weil sie dort im Mädchenorchester erst Akkordeon, dann Blockflöte und schließlich Gitarre spielte. Sie beschrieb in Beierfeld, wie sie ins Orchester kam, wie sie mit ihren Freundinnen einen Todesmarsch überlebte, mit Amerikanern und Russen feierte und nach dem Kriegsende ein Bild von Adolf Hitler auf dem Marktplatz eines kleinen Ortes verbrannte. "Ein amerikanischer und ein russischer Soldat zündeten es an. Es war nicht nur meine Befreiung, sondern meine zweite Geburt", so Bejarano.

Seit 2009 ist sie nun gemeinsam mit der deutsch-türkisch-italienischen Microphone Mafia unterwegs, einer Hip-Hop-Band, die sich 1989 in Köln gründete. Gemeinsam treten sie Rassismus entgegen und sie werben für das, was der größte Wunsch vieler Menschen ist - für den Frieden.


Dass sich zwischen Esther Bejarano und den Mitgliedern der Microphon-Mafia auf den ersten Blick Welten liegen, stört niemanden - und damit ist nicht nur die Lebenserfahrung gemeint.

"Esther sagt immer, dass was sie jetzt macht, sei eine späte Rache an den Nazis", erzählt Frontmann Kutlu Yurtseven, der Esther liebevoll Mutti nennt: "Es ist uns eine Ehre, Teil dieser Rache zu sein." Allein in den letzten drei Jahren habe man 240 Konzerte gegeben. Zudem ist sich Kutlu Yurtseven sicher, dass etwa 80 Prozent der Gäste in der nahezu voll besetzen Aula nie zu einem Rap-Konzert gehen würden. "Danke, dass ihr da seid", so der Künstler. Natürlich erzählt die Auschwitz-Überlebende nicht nur von den schrecklichen Kriegszeiten, sondern steht auch singend vor dem Publikum.

Dass die Veranstaltung in Beierfeld stattfinden konnte, ist dem Engagement des Vereins Agenda Alternativ und der Förderung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen zu verdanken. "Die Idee gab es schon vor vier oder fünf Jahren", sagt Theresa Lippert, die stellvertretende Vorsitzende und Sozialpädagogin im Schulclub Beierfeld. Mitorganisator Eric Heffenträger: "Es ist die Mischung, die zieht." Er meint damit den Mix aus Lebensbericht und Musik. "Das Publikum ist ganz gemischt. Es sind natürlich etliche aus dem Vereinsumfeld, aber auch Menschen, die einfach Interesse an diesem Thema haben", so Lippert.

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