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...sind in der Gießerei nach wie vor auch solche Arbeiten bei viel Lärm und Hitze notwendig.

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Den Eisenwerkern schmilzt der Umsatz

Der Traditionsbetrieb in Erla genießt als Zulieferer für die internationale Automobilindustrie einen guten Ruf. Doch der starke Preiskampf macht dem Unternehmen zu schaffen. Die Gießerei investierte deshalb jetzt auch in eine neue Bearbeitungsstrecke.

Von Frank Nestler
erschienen am 01.09.2017

Erla. Den immer härter werdenden Preiskampf auf dem weltweiten Markt der Automobilhersteller bekommt die Eisenwerk Erla GmbH massiv zu spüren. "Wir müssen in diesem Jahr wahrscheinlich eine 30-prozentige Umsatzeinbuße verkraften", sagt Hauptgeschäftsführer Dietmar Hahn. Der Wert hatte sich nach einer deutlichen Steigerung - im Jahr 2000 standen 37 Millionen Euro zu Buche - bei etwa 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr eingepegelt. Hauptgrund für den jetzigen Rückgang sei, dass Autokonzerne - das Eisenwerk liefert vor allem Turboladergehäuse und verschleißfeste Bauteile - ihre wirtschaftlichen Nöte durch niedrigere Einkaufspreise in Asien ausgleichen. Sie riskieren keine Vertragsstrafen, sondern verlängern einfach befristete Vereinbarungen beim Auslaufen nicht. Folge: Das hiesige mittelständische Unternehmen mit derzeit etwa 350 Mitarbeitern muss noch intensiver um jeden Auftrag kämpfen, mit Qualität und Lieferfristen überzeugen sowie neue Geschäftsfelder erschließen.

"Technologisch können wir jedem Wettbewerber weltweit Paroli bieten", sagt Hahn. "Aber den Preisverfall aufzufangen, das ist schwer." Beim Personal zu optimieren, sei für viele Firmen eine Option. "Wir haben eine motivierte Mannschaft, wollen mit Technik und mit unseren Produkten die Herausforderungen durch den Markt bewältigen." Der Betriebsratsvorsitzende Harry Rosen weiß, dass die Situation auch in der Belegschaft Fragen aufwirft. Das Sichern der Arbeitsplätze stehe bei den meisten obenan. "Nach langem Ringen haben wir ja seit 2014 einen Haustarif. Klar gibt es da Verbesserungspotenzial. Wir können mit der Geschäftsführung auf Augenhöhe verhandeln. Aber das wird angesichts der Lage nicht leichter."

Seit 2011 ist die indische Dynamatic Group Gesellschafter des traditionsreichen Unternehmens in Erla, das als zweitälteste produzierende Gießerei in Deutschland gilt - und innovativ ist. So kann man mehr als 30 verschiedene Werkstoffsorten bieten, seit 2012 auch hitzebeständigen Stahlguss. Das Werk verfügt über sechs Mittelfrequenzöfen, eine große und eine kleinere Formanlage. "Wir nutzen sogar, ähnlich wie in der Medizin, einen eigenen Computertomographen", erklärt Hahn. "Das hilft bei der schnellen Fehlererkennung und verkürzt die Entwicklungszeiten." Auf Dauer aber werde das Unternehmen nur als Gießerei nicht bestehen können. "Darum müssen wir die Wertschöpfungskette vertiefen", umreißt der Geschäftsführer, was man auch Suchen und Finden weiterer Aufgabenfeldern nennen kann. Ein sichtbarer Ausdruck dafür ist die mechanische Fertigung am Standort des ehemaligen Heizhauses. Mit einer Gesamtinvestition von acht Millionen Euro wurde da in wenigen Monaten ein neuer Betriebsteil aus dem Boden gestampft. Ein junges Team verwirklicht gerade einen Auftrag von BMW, bearbeitet mit modernen Maschinen 1,2 Millionen Teile, so Klemmleisten. Es laufen Verhandlungen über Nachfolgeaufträge.

Von dieser Investition und dem dahinter steckenden Bestreben, sich als Betrieb breiter aufzustellen, zeigte sich jüngst Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) beeindruckt. Das Unternehmen solle aber weiter auch auf seine Kernkompetenz bauen. Herkömmliche Technologien hätten noch lange nicht ausgedient. Doch Entwicklungen in Richtung E-Mobilität, Brennstoffzelle und autonomes Fahren böten viele interessante Ansatzpunkte. Angesichts der Tendenzen auf den internationalen Märkten und der technologischen Fortschritte im Automobilbau sprach Dulig von einer Anpassungsphase. "Auf die Einkaufspolitik der Konzerne hat die Politik keinen Einfluss", räumte er ein. Die Bedeutung der Zulieferer werde jedoch zunehmen. "Einige gehen raus, und andere kommen dazu." In Konzernzentralen in München und in Wolfsburg habe er die Abhängigkeit vieler sächsischer Mittelständler von der Autoindustrie betont. Die Autobauer sollten auf ihrem Weg die hiesigen Zulieferer mitnehmen und sich nicht in eigenen Systemen abschotten. Ein Appell, der durch das Eisenwerk Erla unterstützt wird.

 
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