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Auf der Karte hat der Schwarzenberger Fotografenmeister Erich Weigel Anfang der 1960er-Jahre den Tierpark am Schloss und einige tierische Bewohner verewigt. Weitere Karten sind nicht bekannt.

Foto: Sammlung Frank Nestler

Der verschwundene Tierpark

Für gut eine Million Euro soll der Schwarzenberger Schlosspark 2018/19 saniert werden. Voraussichtlich im Juli gehen die Arbeiten los. Beim Vorbereiten kommen auch alte Käfigfundamente zum Vorschein. Das ruft verschüttete Erinnerungen an die 1960er-Jahre wach.

Von Frank Nestler
erschienen am 13.06.2018

Schwarzenberg. Reste von Betonfundamenten aus den 1960er-Jahren interessieren Archäologen kaum. Als solche Forscher im Auftrag des zuständigen Landesamtes vor ein paar Wochen im Schwarzenberger Schlosspark aufkreuzten, ließen sie den Beton daher links liegen. Die Wissenschaftler wollten vielmehr wissen, ob beim Fällen und Auslichten - Vorbereitungsarbeiten für das Sanieren des Schlossparks - bereits etwas zum Vorschein kam, was ein paar Jahrhunderte alt ist. Der große, sensationelle Fund blieb bisher aus. "Die Archäologen stehen auf Abruf bereit", erklärt Sybille Vogel, die das städtische Bauamt leitet. "Sie begleiten den Baufortschritt." Ein Gelände am Fuß einer mittelalterlichen Burg, die im 16. Jahrhundert zum Jagdschloss umgebaut wurde, saniert man schließlich nicht jeden Tag.

Doch was hat es mit den neuzeitlichen Fundamentresten auf sich? Ältere Schwarzenberger wie Ernst Vögtel erinnern sich: "An dem felsigen Hang am Schloss gab's doch mal einen Tierpark. Einige Gehege und Käfige haben auf stabilen Fundamenten gestanden." Ein Tierpark? Viele Informationen darüber sind so verschüttet wie die letzten Reste einiger Bodenplatten. "Freie Presse" ging auf Spurensuche. So formte sich aus Gesprächen, früheren Veröffentlichungen und alten Unterlagen langsam ein erstes Bild.

Apropos Bild. Die nebenstehende Ansichtskarte ist wohl die einzige, die den Schwarzenberger Tierpark zum Thema hat. Hergestellt und verlegt hat sie das einheimische Unternehmen Foto-Weigel. Die Aufnahmen machte um 1960 Erich Weigel, Vater des heutigen Firmeninhabers Christoph Weigel. Die Gestaltung der Karte lässt Rückschlüsse auf die Schwierigkeiten zu, die der Fotograf hatte. Wie sollte er die weitläufige, am Hang verteilte, wegen der vielen Bäume sehr schattige Anlage auf eine Karte bekommen? Erich Weigel half sich mit einem Trick: Er fotografierte einige der tierischen Parkbewohner und platzierte deren Porträts auf der Karte. Den Mittelpunkt bildete das Schloss auf dem Felsen.

Ansonsten aber sieht es mau aus mit offiziellen Fotos aus dem Tierpark. Und selbst passionierte Hobbyfotografen wie Ernst Vögtel müssen passen. "Ich habe damals sogar gefilmt, war extra mit unserer Tochter im Tierpark. Aber die Aufnahmen sind nichts geworden." Dass in privaten Alben noch Bilder aus dem Schwarzenberger Tierpark schlummern, diese Hoffnung bleibt.

Mitte der 1950er-Jahre muss die Einrichtung entstanden sein. Die bescheidenen Anfänge gehen auf Privatinitiative von Mitarbeitern der Station junger Techniker und Naturforscher zurück, die im Schlossturm beheimatet und dem Kreis zugeordnet war. Die Mitstreiter um Werner Neubert und Wolfgang Münzner erweiterten die Anlage im Park nach und nach, stießen aber mehrfach an personelle, materielle und organisatorische Grenzen. Dass die Haltung einiger Tiere nicht artgerecht war, dass es einen tödlichen Vorfall mit einem Bären gab, dass es im Park oftmals tierisch gestunken hat, dass Treppen und Wege vor allem für ältere Besucher beschwerlich waren - all das sind Aspekte dieser Tierparkgeschichte, die 1970/71 endete. Zu einem Teil lebt sie seither im Natur- und Wildpark Waschleithe weiter.

Der Schlosspark in Schwarzenberg soll in diesem und im nächsten Jahr saniert werden. Die Kosten dafür - einen Tierpark wird es freilich nicht wieder geben - schätzen die Planer auf etwa 1,035 Millionen Euro. Am 9. Juli vergeben die Stadträte im Technischen Ausschuss den Auftrag für den ersten Bauabschnitt.

Erinnerungen und Fotos zum ehemaligen Tierpark Schwarzenberg sollen in weiteren Beiträgen der "Freien Presse" erscheinen. Kontakt: Ruf 03774 1806-13542 oder E-Mail an red.schwarzenberg@freiepresse.de.

 
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