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Wo alles begann. Bergführer Matthias Krauß im Schaubergwerk Glöckl in Johanngeorgenstadt.

Foto: Georg Ulrich Dostmann

Die ersten Tage der Wismut: Jubiläum in Johanngeorgenstadt

Vor 70 Jahren begann der Uranbergbau im Erzge- birge. Im Schaubergwerk Glöckl wird dem Ereignis mit einem Festakt gedacht. Der Begriff "Fest" stößt jedoch auf Widerstand.

Von Mario Ulbrich
erschienen am 29.08.2017

Johanngeorgenstadt. Die Schienen der alten Grubenbahn verlieren sich im Dunkel. Hunderte Meter geht es zwischen betonierten Wänden in den Berg hinein. Ein kühler Lufthauch weht durch den Gang. Wer sich für Bergbau interessiert, für den ist es der Atem der Geschichte. "Denn hier ist der Geburtsort der Wismut", sagt Matthias Krauß (58).

Krauß ist Bergführer im Schaubergwerk Glöckl in Johanngeorgenstadt. Um 1670 wurde an dieser Stelle nach Silber geschürft. Das heutige Glöckl war eine von 223 Gruben unter der Stadt und wäre nichts Besonderes, wenn im August 1945 nicht sowjetische Besatzungstruppen das Gebiet in Besitz genommen und mit der Suche nach Uran begonnen hätten - dem Rohstoff für die sowjetische Atombombe, mit der Diktator Stalin im Wettrüsten mit den Amerikanern gleichziehen konnte.

Und hier hat es begonnen.

Am 2. Juli 1947 wurde die Wismut AG im Handelsregister Aue eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt waren deutsche und sowjetische Bergleute bereits dabei, das ehemalige Silberbergwerk auszubauen. Wo früher Bergknappen durch die Gänge gekrochen waren, ratterten jetzt Grubenbahnen. "Nach der Erweiterung konnte die doppelte Menge Erz gefördert werden, erzählt Lothar Kircheis (86) aus Aue. Er ist einer der letzten lebenden Bergleute die am ersten Wismut-Schacht mitgebaut haben. "Ich könnte ein Buch schreiben, ich habe bloß keine Zeit dazu", sagt er. Am Sonnabend aber nimmt er sich die Zeit und erzählt den Besuchern im Glöckl, was er damals erlebt hat. Dann findet hier die offizielle Festveranstaltung statt, mit der an den Beginn des Wismut-Bergbaus vor 70 Jahren erinnert werden soll, der das Westerzgebirge für Jahrzehnte prägte.

Der Begriff "Fest" freilich stößt bei manchen Johanngeorgenstädtern auf Kritik, führte gar zu Protesten auf der jüngsten Ratssitzung. "70 Jahre Wismut sind doch kein Grund zum Feiern", monierte Stadtrat Siegfried Ott (parteilos). "Die Wismut war der Todesstoß für unsere Stadt."

Mehr als 300 Häuser wurden damals in der Altstadt abgerissen, weil sie durch den Bergbau unter dem Fastenberg angeblich baufällig geworden waren. Etwa 4000 Einwohner wurden umgesiedelt, Handwerksbetriebe waren ruiniert.

Auch Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) äußerte kritisch: "Bei der Wahl des Begriffes hat man nur an den Bergbau gedacht, nicht daran, welche Folgen er für die Stadt hatte."

Bergführer Matthias Krauß kennt diese Befindlichkeiten. "Als die Wismut anfing, brachte sie vor allem eines: Arbeit. Zu Essen. Das war für die Bergarbeiter damals das Wichtigste", sagt er. "Die Altstadt wurde zerstört, ja. Aber die Gründe dafür waren vorgeschoben. Das alte Johanngeorgenstadt sollte durch die erste sozialistische Arbeiterstadt in der DDR ersetzt werden. Vorangetrieben haben das die deutschen Genossen, nicht die Wismut."

Etwa 1000 Kilometer Stollen gibt es heute unter Johanngeorgenstadt. Im Gegensatz zu den Behauptungen von damals drohen kaum Einbrüche. Bis 1958 förderte die Wismut hier 3585 Tonnen Uran. Zur Beseitigung von Altlasten sind bis heute 36 Millionen Euro eingesetzt worden. In den nächsten fünf Jahren kommen weitere zehn Millionen hinzu. "Doch auch danach bleibt noch Sanierungsbedarf", sagt Manfred Speer, der bei der heutigen Wismut für deren Altstandorte zuständig ist.

Das öffentliche Programm anlässlich des Jubiläums beginnt am Samstag, 12 Uhr auf dem Parkplatz am Schaubergwerk Glöckl mit Schauvorführungen der Wismut-Grubenwehr. Es gibt Mineralien und Bergbausouvenirs zu kaufen. Bis 16 Uhr können die beiden Stollen des Bergwerks auf eigene Faust erkundet werden; es kostet keinen Eintritt.

 
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