"Eisernes Kreuz" zerschlägt Marketingkonzept

Eigentlich sollten silberne Schwarzenberger Alt-stadtthaler den Handel beleben. Doch die weiteren Pläne des Herausgebers der Medaille durchkreuzen jetzt dieses Vorhaben.

Schwarzenberg.

Seit Herbst 2017 gibt es ihn, den Schwarzenberger Altstadtthaler. Herausgegeben wird die silberne Medaille vom Schwarzenberger Firmenchef Karsten U. Teubner. Doch mit seiner aktuellen Ankündigung übers soziale Netzwerk Facebook, was zu den nächsten Motivprägungen gehören soll, hat er bei Antje Stöckner für völliges Entsetzen gesorgt. Dabei war sie es, die mit ihrem Geschäft und mit der Marketingidee einer Einkaufswelt Schwarzenberg große Hoffnungen in den Taler gesetzt hatte. Seit gestern steht für die Geschäftsfrau fest: "Da trennen sich unsere Wege."

Was ist passiert? Teubner kündigte an, eine der nächsten Rückseiten des Altstadtthalers werde das "Eisernen Kreuz" zeigen. "Und das geht für mich gar nicht. Ich hatte den Taler als Einkaufsgutschein verstanden, als solchen haben ihn auch meine Kunden und Partner der Einkaufswelt akzeptiert. Doch damit Politik zu machen, liegt mir fern. Da bin ich raus", sagt Stöckner. Das habe sie Karsten U. Teubner auch genauso in einem persönlichen Telefonat gestern mitgeteilt. Und darüber will sie nun auch alle bisherigen Geschäftspartner informieren. Ihnen sei natürlich freigestellt, den Taler weiterhin als Gutschein zu akzeptieren. "Aber ich werde das unter diesen Umständen nicht weiter bewerben. Schade, ich hatte viel Kraft in diese Sache investiert. Für den erzgebirgsweiten Kalender konnte ich die Werbung gerade noch stoppen."

Teubner selbst versteht die Aufregung um die Sache nicht. "Es handelt sich schließlich um kein verbotenes Symbol. Es geht um das Eiserne Kreuz, das der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1813 eingeführt hat", betont er. Das Kreuz gibt es seit nunmehr 205 Jahren. Als Tapferkeitsorden und Zeichen des Freiheitskampfes verlieh es der preußische König an Soldaten. Später im Ersten Weltkrieg wurde es millionenfach vergeben, und im Zweiten Weltkrieg bedienten sich die Nationalsozialisten des Ordens. Allerdings hatten sie es um das Hakenkreuz in der Mitte ergänzt. Während der Orden nach 1945 in der DDR verboten wurde, dient das Symbol bis heute als Logo an Gefechtsfahrzeugen der Bundeswehr. Selbst am Regierungsflieger der Kanzlerin ist es als Hoheitszeichen zu sehen. Jedoch wird das Symbol aufgrund seiner umstrittenen Geschichte von vielen Menschen abgelehnt.

"Der Taler ist meine Idee, und zu meinem Konzept gehört eben auch, dass ich die Rückseiten mit Motiven präge, die sich Kunden wünschen. Und das ist ein Kundenwunsch", erklärt Teubner. Den Auftraggeber wollte er nicht nennen. "Genauso, wie es demnächst auch eine Rückseite geben wird, die die Kreistagsfraktion der AfD in Auftrag gibt", sagt Teubner, der zwar parteilos ist, aber für die AfD im Kreistag sitzt. Was die Schwarzenberger Altstadtthaler angehe, sei er jedoch nur Geschäftsmann. Und als solcher arbeite er auf Kundenwunsch, betont er immer wieder. Dass er den Rückkaufwert aller Prägungen garantiere, bleibe unangetastet. "Was auf die Rückseiten geprägt wird, da treffe ich keine Wertung. Ich würde auch den Grünen eine prägen, wenn sie es bezahlen können", stichelt er.

"Ich als Initiatorin der Einkaufswelt wollte die Politik komplett raushalten. Und ich hätte genauso reagiert, wenn er den Karl-Marx-Kopf draufgemacht hätte", sagt Stöckner, die enttäuscht ist, dass diese eigentlich gut angelaufene Chance nun doch politisch missbraucht werde. Die Einkaufswelt als solche bleibe jedoch erhalten. "Die zerschlägt das Kreuz nicht", sagt Stöckner. Da finde sich 'was Neues.

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