Es funktioniert tatsächlich: Jobsuche bei einer Tasse Kaffee

Mit Mitte 50 noch einmal die Arbeit zu wechseln, verdient Respekt. Ines Lüder aus Mildenau hat diesen Schritt gewagt und es bis heute nicht bereut.

Grünhain/Mildenau.

Mit einer Tasse Kaffee und einem guten Gespräch hat tatsächlich alles angefangen. Ines Lüder aus Mildenau war es leid, in drei Schichten zu arbeiten. In der Zeitung las sie die Meldung vom Job-Café und entschloss sich kurzerhand, dort einfach mal vorbei zuschauen. Das war im Herbst 2017.

"Nach einen kurzen Gespräch, bei dem die persönlichen Dinge abgefragt wurden, ging es sofort zur Sache. Ich erhielt einen Ausdruck mit dem konkreten Jobangebot", erinnert sich die 55-Jährige. "Fertigungskontrolle" im Elektromotorenwerk Grünhain (EMGR). Und da die Mildenauerin bis dato schon als Qualitätskontrolleurin in der Kunststoffverarbeitung tätig war, weckte das Angebot eine gewisse Neugier in ihr. Der schriftlichen Bewerbung folgte schnell ein Vorstellungsgespräch, bei dem sie durch ihre Aufgeschlossenheit, Zielstrebigkeit und Wissbegierde glänzte. Für Grit Sebald, die Personalleiterin im EMGR, stand danach fest: "Das passt." Der Rest aller Vereinbarungen floss in einen Arbeitsvertrag, zunächst auf Probe, inzwischen aber fest und unbefristet. "Natürlich sind auch wir auf der Suche nach Fachkräften. Vieles lässt sich zudem über berufsbegleitende Weiterbildungen erlernen. Aber der Wille muss da sein, das ist die Grundvoraussetzung", sagt Sebald, die aktuell 228 Mitarbeiter im Unternehmen führt, davon neun Auszubildende, zwei Studenten und neun Mini-Jobber. Letztere sind Senioren, die bis vor kurzem in der Firma noch gearbeitet haben. "Die sind Spitze. Die möchten wir nicht missen, weil sie wissen, wo sie hingreifen", lobt die Personalchefin.

David Gäbelein, Leiter für Qualitätswesen im EMGR, ist froh, mit Ines Lüder eine weitere Frau im Team der Qualitätssicherung zu haben. "Frauen haben das drauf. Die haben den Blick und das Händchen dafür", sagt der junge Chef. Beim ersten Rundgang habe er ihr die gut 120 Meter lange Werkhalle von oben gezeigt und gesagt: "Das ist Ihr Wirkungsfeld." "Da musste ich schon schlucken", erinnert sich Ines Lüder. Heute geht sie wie selbstverständlich durch die Halle, von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, und greift sich Teile heraus für eine Zwischenkontrolle. "Natürlich ist es etwas anderes, Guss- und Metallteile zu prüfen, als Kunststoffteile", sagt sie. Und vieles müsse sie auch noch lernen. Aber sie fuchse sich schon ein. Dennoch: Für die Umstellung vom Drei-Schichtsystem auf eine Gleitzeitarbeitzeit, die sie jetzt hat, habe sie ein paar Wochen gebraucht. Auch ihre Familie hat den Wechsel respektiert. "Das war meine Entscheidung", sagt sie selbstbewusst. Die tägliche Fahrzeit zur Arbeit von gut einer halben Stunde pro Strecke, sei kein Thema. Dafür gibt es im Gegenzug nun wieder Abende mit der Familie.

Qualität zu liefern, habe für die Grünhainer Motorenwerker höchste Priorität, sagt David Gäbelein. Schließlich werden hier kundenspezifische Kleinserien von Motoren gefertigt. Die Antriebe aus Grünhain finden in unterschiedlichen Branchen Verwendung von der Pumpenherstellung und den Elektrowerkzeugen über Torantriebe und Krantechnik bis hin zur Medizintechnik beim Zahnarzt.

Die Jobbörse der Arbeitsagentur gibt es seit 2015 in Annaberg und seit 2016 in Aue. Mehr als 1000 Menschen haben sie bisher aufgesucht. Vor allem Leute wie Ines Lüder, die innerhalb der Region eine neue Herausforderung suchen. Derzeit, so sagt Simone Heinrich, Pressesprecherin der Agentur, gebe es innerhalb der Region etwa 3000 offene Stellen in nahezu allen Branchen.

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