Kinder erkunden stillgelegtes Bergwerk

Zum Tag des offenen Schachtes wurde nach Erla eingeladen - für ein paar Grundschüler ein besonderes Abenteuer.

Erla-Crandorf.

Schon aus der Ferne waren große, weiße Luftballons zu sehen. Beim gestrigen Tag des offenen Schachtes herrschte ein bisschen Volksfeststimmung, wenngleich das eigentliche Interesse dem Sankt-Johannes-Erbstolln in Erla-Crandorf galt. Dieser wurde 1904 letztmalig befahren. Gestern wurde er wieder geöffnet.

Erfahrene Bergleute, die selbst am Sanierungsprojekt in Erla-Crandorf beteiligt sind, gaben ihr Fachwissen weiter. Das Interesse war riesig. Bereits deutlich vor zehn Uhr kamen Bergbauenthusiasten und warteten auf die Führungen. Doch die ersten, die in den alten Entwässerungsschacht, der aufgrund von Sanierungsarbeiten derzeit trocken gelegt ist, einfahren durften, waren Crandorfer Grundschüler.

Für sie war es ein großes Abenteuer, das mit dem Einkleiden im Huthaus begann. Luca Eichhorn, Michel Herrmann und Max Abend-roth hingen "wie ein Schluck Wasser" in den langen Regenschutzmänteln. Sehr vorsichtig, aber auch sehr mutig stiegen sie auf Leitersprossen in den Schacht. Von dort aus ging es durch einen Stolln 120 Meter in den Berg. Das Laufen gestaltete sich schwierig, da auf dem Boden - oder besser gesagt auf der Sohle, wie die Bergleute sagen - eine Schiene verläuft.

"Über diese rollt normalerweise eine Bahn", erklärte Tobias Steinert, Geschäftsführer der Bergsicherung Sachsen mit Sitz in Schneeberg, der die Jungs unter Tage begleitete. Mit der Bahn werden Gestein und ein Gemisch aus Schlamm und Sand transportiert. "Wir mussten den Stolln aufräumen, weil nur noch das oberste Drittel frei war", sagte Steinert. Etwa 150 Kubikmeter des Schlamm-Sand-Gemischs musste nach draußen befördert werden, damit auch zukünftig der Sankt-Johannes-Erbstolln seinen Dienst als Wasserlösestolln erfüllen kann. Eine unkontrollierte Wasseransammlung ist gefährlich; daher hatte die Ableitung oberste Priorität.

"Wir sind mit der Sanierung beauftragt und bereits seit knapp einem Jahr hier", erklärt Tobias Steinert. Beim Einsatz in Erla-Crandorf handelt es sich um eine planmäßige Maßnahme. "Seit dem Hochwasser 2002 wurde verstärkt festgestellt, dass die Wasserlösestolln erhalten und ertüchtigt werden müssen", so Steinert. Die erste Maßnahme in dieser Art und Weise gab es 2005 bis 2009 in Schwarzenberg im Treue-Freundschaft-Stolln.

Luca Eichhorn war gestern von den besonderen Eindrücken überwältigt: "Es hat Spaß gemacht. Doch ich hatte auch ein bisschen Angst, dass ich abrutsche oder auf der Leiter eine Stufe abbricht." Denn die Ausfahrt aus dem Stolln erfolgte über Leitern, mit denen insgesamt 22 Höhenmeter überbrückt werden mussten.

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