Lange Geschichte endet als Trauerspiel

Vogel-Perspektiven: Auf über 6000 Ansichtskarten hat der Schwarzenberger Verlag Vogel von 1898 bis etwa 1955 Gebäude und Landschaft dokumentiert. Vieles ist längst Nostalgie, anderes fast unverändert. Heute: die Wolfner Mühle im oberen Mittweidatal.

Markersbach/Crottendorf.

Nach 1990 hat es zur Wolfner Mühle nur noch negative Schlagzeilen gegeben. Was sollte aus dem einst ansehnlichen Komplex werden? Erst Brettmühle, dann Holzschleiferei, diese ab 1886 mit Gastwirtschaft, später Papierfabrik mit Trockenschuppen, nach 1926 Erholungs-, Wander-, Betriebsferien- und Genesungsheim - das ist im Schnelldurchlauf die Geschichte bis 1989.

Das traditionsreiche Anwesen an der größtenteils durch Wald führenden Straße zwischen Markersbach und Crottendorf steht seither leer, war schon Ende 1987 baupolizeilich gesperrt worden. Das ist mittlerweile 30 Jahre her. Heute sind die maroden Baulichkeiten ein Fall für die Abrissbirne - sofern die Ruine nicht von selbst zusammenstürzt.

Dabei gab es durchaus Hoffnung für die Wolfner Mühle, als im wiedervereinten Deutschland ein Investor aus der Schweiz auf den Plan trat. Doch der Eidgenosse hatte den Bauzustand der Immobilie - und wohl auch seinen finanziellen Spielraum - zu optimistisch eingeschätzt. So wechselte das Anwesen wieder den Eigentümer. Unternehmer Andreas Schieck, dessen Firma in Bernsbach angesiedelt ist, schwebte "eine Art Alterssitz" vor. Doch diese Pläne hat er längst beerdigt. Immer wieder Vandalismus, viele Diebstähle und zwei Brände in dem abgelegenen Objekt haben ihn entmutigt, ebenso die Bürokratie, die er seinen Worten nach bei Genehmigungsbehörden erlebte. "Ich habe mit dem Kapitel abgeschlossen", sagt er deprimiert.

2001 hatte er die Immobilie mit 35.000 Quadratmetern Wald und Wiese von der Treuhand gekauft. "Das Haus war in gutem Zustand. Fenster und Türen waren ganz, das Dach dicht." Schieck, heute 65, wollte das Gebäude von Grund auf sanieren, einen kleinen Teich anlegen und Forellen züchten. Doch schon am Teich scheiterte er. Das Landratsamt erteilte keine wasserrechtliche Erlaubnis. Noch schwieriger gestaltete sich die Sicherung des Grundstücks. "Die Leute haben hier ihren Müll abgeladen, Jugendliche haben randaliert", so der Eigentümer. Zwar hatte er das Objekt mit einem Zaun und stabilen Stahltüren gesichert, aber vergebens. "Alles wurde geklaut, sogar die Gitter an den Fenstern haben sie mitgenommen."

Die Polizei habe anfangs noch Täter ausfindig gemacht. Später sei der Aufklärungswille erlahmt. Dass das Gebäude so immer mehr verwahrloste, war laut Schieck nicht zu verhindern. 2005 gab er seine Baupläne auf, mit der Folge, dass das Haus sich selbst überlassen wurde. Zwei Brände nacheinander 2015 gaben der Immobilie dann den Rest. "Ich plane hier nichts mehr, irgendwann gibt man auf." Ein Abriss ist Schieck zu teuer. Bereits der Teilabriss samt Entsorgung habe einen mittleren fünfstelligen Betrag gekostet. Es soll Kaufinteressenten für das Grundstück samt Ruine geben. Eigentlich findet der Noch-Eigentümer die Ecke immer noch schön, wenn nur dieser Schandfleck nicht wäre. "Den gönne ich den Leuten, die ihn dazu gemacht haben." Andreas Schieck hat sich inzwischen ein Ferienhaus auf der Insel Usedom gebaut.

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