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Foto: Rene Ruprecht/dpa

Mann nach sexuellem Missbrauch wieder frei

Viele Eltern in Grünhain sind verunsichert. Ein Bewohner der Stadt, der sich im Sommer an einem Jungen vergangen hat, ist nun wieder zu Hause. Aufklärung wird gefordert.

Von Beate Kindt-Matuschek
erschienen am 13.01.2018

Grünhain-Beierfeld. Zahlreiche Bürger aus Grünhain und Umgebung bangen derzeit um die Sicherheit ihrer Kinder und haben sich deshalb zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Der Grund hierfür: Ein 34-jähriger Mann aus dem Ort hatte im Sommer einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht. Verhandelt wurde diese Straftat bereits am 8. Dezember 2017 vorm Amtsgericht Chemnitz. Dort wurde der Grünhainer, der selbst Vater ist, zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Doch sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben gegen das Urteil Berufung eingelegt. Das sagt Ingrid Burghart von der Staatsanwaltschaft Chemnitz auf Nachfrage der "Freien Presse".

Seit wenigen Tagen ist der Grünhainer, der bis kurz vor Weihnachten in Untersuchungshaft saß, wieder zu Hause. "Es ist richtig, der Haftbefehl gegen ihn wurde außer Vollzug gesetzt", bestätigt Burghart. Es bestünde in diesem Fall weder Fluchtgefahr, noch sei davon auszugehen, dass sich eine solche Tat wiederholt, heißt es zur Begründung. Allerdings, so betont die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, seien an die Freilassung Auflagen geknüpft. So ist ihm untersagt, sich dem Opfer, das aus dem familiären Umfeld des Mannes stammt, zu nähern oder Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ebenso wie ihm ein generelles Kontaktverbot zu minderjährigen Kindern auferlegt wurde - außer zu seinen eigenen. Nun gelte es, die Berufungsverhandlung am Landgericht abzuwarten. Ein Termin steht noch nicht fest.

In dieser Woche hatten sich die Initiatoren der Gruppe, bestehend aus besorgten Eltern, mit dem Bürgerpolizisten, dem Ortsvorsteher sowie Vertretern der Schule und der Jugendeinrichtung getroffen, um zu beraten, wie man mit der momentanen Situation umgehen will. "In dieser ersten kleinen Runde haben wir versucht allen klarzumachen, dass vor allem Ruhe und Besonnenheit jetzt oberstes Gebot sind. Natürlich kann und muss man die Eltern verstehen, die sich nun besonders um ihre Kinder sorgen", sagt Ortsvorsteher Jens Ullmann. Dass es diesen Missbrauch gegeben hat, sei unstrittig. Auch das wurde in der Runde erläutert und durch Fotos belegt.

"Lynch- oder gar Selbstjustiz liegt uns fern. Wir wollen einfach nur erfahren, was da Fakt ist, um unsere Kinder zu schützen", sagt ein Vater und Vertreter der Gruppe im Namen der Eltern.

"Wichtig ist jetzt, klaren Kopf zu bewahren und zu verhindern, dass sich andere Menschen selbst noch strafbar machen. Natürlich kann ich die Ängste der Leute verstehen", betont Bürgermeister Joachim Rudler (CDU). Persönlich verurteile er aufs Schärfste, was da geschehen sei. "Ansonsten liegt der Fall bei Gericht. Dort gehört er hin, dort wird er entschieden. Nicht hier", betont Rudler. Von einer zunächst erwogenen öffentlichen Info-Veranstaltung nehme man aber bewusst Abstand, um nicht etwa radikalen Meinungsäußerungen eine Plattform zu bieten und um ein Hochschaukeln des Konflikts zu vermeiden.

Der Umstand, dass der Mann derzeit wieder in der Stadt wohnt, hat zur Folge, dass die Eltern ihre Kinder nun besonders sensibilisieren wollen. Auch über professionelle Kurse zur Selbstverteidigung wird gesprochen. Zudem will der Bürgermeister Kontakt zum Präventionsbeauftragten aufnehmen, um mit ihm über die Möglichkeit von direkten Beratungsangeboten zu sprechen. "Dazu bin ich bereits mit der Polizei in Kontakt", sagt Rudler. Überlegt werde auch, innerhalb des Ortes sogenannte "Fluchtinseln" für Kinder auszuweisen. Das können Geschäfte oder Einrichtungen sein. Grundsätzlich aber wolle man versuchen, so betonen alle Seiten, bei aller Besorgnis sachlich zu bleiben.

 
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