Trainer bleibt für Flüchtlinge am Ball

Jan Schulze sorgt dafür, dass Asylbewerber beim "Kicken ohne Rechts" unbeschwerte Stunden erleben - und Ehrgeiz entwickeln. Denn schon am Samstag ist ihr Können in einem Turnier gefragt.

Schwarzenberg.

Es wird gebolzt, was das Zeug hält: Ein Ball nach dem anderen zappelt im Tornetz. Mehr als 20 ehrgeizige Kicker trainieren in der Turnhalle in Schwarzenberg-Sonnenleithe derzeit regelmäßig jeden zweiten Donnerstag. Auf den ersten Blick herrscht dabei ein großes Durcheinander. Jeder spielt gegen jeden, aber irgendwie auch jeder mit jedem. Aber Jan Schulze behält den Überblick. Als er zur Trillerpfeife greift, zieht ganz schnell Ruhe ein. Schulze war es, der sich um die Hallenzeit fürs Training mit den Asylbewerbern gekümmert hat. Er tut das im Ehrenamt.

Auf Englisch, mit Händen und Füßen hatte Schulze den jungen Männern unlängst erklärt, dass er mit ihnen an einem Turnier teilnehmen und dafür zwei Teams bilden will. Nicht jeder verstand oder versteht, was er sagt. Doch ein Mann aus der Runde kann vom Englischen ins Arabische übersetzen - diese Hürde wäre genommen. In deutscher Sprache fliegen ab und zu nur einfache Gruß- und Höflichkeitsformeln durch die Halle. Das lässt keine richtigen Gespräche zu. Aber begriffen haben alle eines dennoch: Am Samstag müssen sie fit sein - fürs Turnier.

Weil die Halle in Sonnenleithe nur alle 14 Tage frei ist, hat sich Schulze für die jeweils andere Woche etwas einfallen lassen. "An diesen Donnerstagen weichen wir auf einen Platz am Hofgarten aus", sagt er. Wo das ist, hat er seinen Schützlingen per Skizze und Plan verständlich gemacht. Nach der chaotischen Aufwärmphase geht es dann geordnet zu. Es bilden sich zwei Mannschaften, die gegeneinander auf Torejagd gehen. Und warum macht er sich für die Asylbewerber stark? "Ich bin Familienpate", sagt Jan Schulze. Die erste Familie, die er betreute, kam aus Syrien. "Wir haben uns sehr gut verstanden." Und er merkte sehr schnell, dass Beschäftigung ganz wichtig ist. So äußerten die Flüchtlinge den Wunsch nach Sport auch im Unterstützerkreis, der aus zirka 20 engagierten Erzgebirgern besteht, die sich um die Asylbewerber und deren Integration bemühen.

"Auf diese Weise ist der Gedanke zum Fußball entstanden." Auf der Suche nach einem Trainingsort setzte sich Schulze mit der Arbeiterwohlfahrt in Verbindung. "Schon in der Weihnachtszeit gab es erste Familienangebote, die super ankamen. Da war die Halle richtig voll." Und dann flatterte eine Einladung von der Agenda Alternativ ins Haus. Der Schwarzenberger Verein macht sich für politische Bildungsarbeit im Erzgebirge stark und lud die Truppe um Jan Schulze zum Fußballturnier "Kicken ohne Rechts" am kommenden Samstag ein. Der Trainer sagt: "In dem Moment war mir klar, dass wir da unbedingt hin müssen. Am besten mit zwei Mannschaften." Dank der Hallenzeit in Sonnenleithe war ein erster großer Schritt getan, um die jungen Männer vorzubereiten. "Ich weiß, dass es Bestrebungen gibt, Asylbewerber gleich in die Sportvereine zu integrieren", räumt Schulze ein. "Doch das ist nach meiner Erfahrung manchmal gar nicht so einfach." Daher ist sein Engagement - noch dazu im Vorfeld des Turniers - durchaus sinnvoll.

Einer der Fußballer ist der Syrer Mosa al Awad. Er sagt, der wichtigste Grund, warum er dem Team beizutreten ist, sei, dass er sich ins deutsche Volk integrieren will. Deshalb wolle er sich auch an ihren Spielen beteiligen. "Vielleicht können wir für die Schwarzenberger sogar den Turnier-Titel gewinnen."

Bürgerpreis 2016 Bewerbungsunterlagen stehen im Internet unter www.buergerpreis-erzgebirge.de bereit und können ausgefüllt an die E-Mail-Adresse info@buergerpreis-erzgebirge.de gesandt werden. Einsendungen per Post sind ebenfalls möglich - bitte an: Erzgebirgssparkasse, Bereich Vorstandsstab, Große Kirchgasse 18, 09456 Annaberg-Buchholz.

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