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Eine Aufführung von Ende 2016 im Kinder- und Jugendtheater Burattino. Es gibt derzeit viele Fragezeichen, wie es weitergeht.

Foto: Cristina Zehrfeld

Burattino: Alle spielen Theater - wer führt Regie auf Hoheneck?

Was kostet der Stadt die Betreibung des Kinder- und Jugendtheaters? Mit wie viel Geld hilft der Landkreis, wenn er die Einrichtung abgibt? Offizielle Informationen sind rar - "Freie Presse" hat sich deshalb anderswo umgehört. Derweil droht dem Burattino der Ausverkauf.

Von Jan Oechsner
erschienen am 07.12.2017

Stollberg. Im vergangenen Stollberger Stadtrat hat die Rathausspitze hinter verschlossenen Türen nachgehakt: Wer hat den Plan, dass die Stadt womöglich das renommierte Kinder- und Jugendtheater Burattino vom Landkreis übernehmen will, nach außen verraten? Denn: Darüber hat "Freie Presse" nun schon mehrfach berichtet.

Der Maulwurf hatte sich nicht gemeldet. Aber alleine die Nachfrage ist ein Indiz dafür, wie wichtig das Thema dem Stollberger Oberbürgermeister Marcel Schmidt ist. Und wie geheim es vorerst bleiben sollte.

Den Stadträten ist dieses Thema allerdings auch wichtig - nur von einer anderen Warte aus. "Ich bezweifele, dass nun noch eine Schwarze Null herauskommt. Kultur ist immer ein Zuschussgeschäft", sagt etwa Raphael Jenatschke. Er war schon als Oberbürgermeisterkandidat der Mahner vor zu viel Ausgaben seitens der Stadt. "Wir werden das in der Fraktion diskutieren. Zudem müsste ja irgendwas im kommenden Haushaltsplan der Stadt stehen." Auch die Linke im Stadtrat hat Bedenken, so Fraktionschef Siegfried Opitz. "Prinzipiell wäre es eine gute Sache. Nur was kostet es uns?"

Ursprünglich war geplant, den Umbau des Westflügels - hier soll das Burattino 2019 einziehen - mit grob drei Millionen Euro extra zu stemmen. Der Landkreis wollte dafür Geld beisteuern und sich - als Betreiber des Burattino - in die Räume auf Hoheneck einmieten. So wäre der städtische Eigenanteil für das Bauprojekt auf vertretbare 370.000 Euro geschrumpft. Und ein verlässlicher Mieter für Hoheneck gefunden.

Doch genau da gibt es Probleme. Problem Nummer eins: So wie angedacht, funktioniert die Finanzierung wohl nicht, wie Landkreis-Beigeordneter Andreas Stark jüngst im Betriebsausschuss einräumen musste. Ein direkter Zuschuss des Erzgebirgskreises am Bau würde die förderfähigen Kosten des Projekts bei der Stadt Stollberg und damit die Höhe der gewährten Städtebaufördermittel entsprechend mindern. Darauf folgt Problem Nummer zwei: Die Folge ist, die Stadt müsste viel mehr Eigenanteil berappen als die bisher genannten 370.000 Euro - was aber im Stadtrat für heftige Diskussionen sorgen könnte.

Wie viel Geld das sein könnte, will Oberbürgermeister Marcel Schmidt zudem noch nicht sagen. Er suche noch nach den Endsummen - und zeigt dann nach Annaberg-Buchholz: "Ich bitte um Verständnis, dass wir dem Landkreis das Recht einräumen, selbst als Erster dieses Thema zu kommunizieren." Der Landkreis sagt aber auch nichts.

Die Lösung, die nun im Raum steht: Die Stadt übernimmt das Burattino. So wäre der Landkreis als künftiger Mieter raus. Plötzlich geht es für die Stadt um die Frage, welche kommunale Folgekosten mit dem danneigenen Burattino zu erwarten sind - von Personal über Kostüme bis zu Strom und Heizung? Hier sei der Landkreis in der Pflicht, so Linke-Fraktionschef Siegfried Opitz. "Wenn er das Bergbaumuseum für 17 Millionen Euro erneuern will, zudem das Auer Stadion für 21 Millionen Euro baut, dann ist sicher auch was für das Burattino machbar."

Kommt also die Stadt - oder doch eher der Landkreis - in Zugzwang? Schmidt: "Die Übergabe des Burattino ist aus unserer Sicht eine Option, keine zwanghafte Notwendigkeit. Und: Es gibt keine terminlichen Pflichten. Allerdings haben wir uns gemeinsam mit dem Landkreis vorgenommen, zeitnah Lösungsalternativen zu erarbeiten."

Doch was sagt eigentlich das Ensemble? "Soweit ich es überblicke, ist es derzeit kein großes Thema. Wie auch? Wir wissen ja offiziell nicht viel", sagt Jakob Böhmer. Der junge Mann ist Hauptdarsteller und schon lange im Burattino dabei. Ihn schmerze es vor allem, dass der bisherige Spielleiter Michael Ö. Arnold überraschend zum Jahresende das Handtuch geworfen habe. Seit 1992 sind mehr als 30 Theaterstücke aus seiner Feder entstanden, Arnold ist sehr beliebt bei den Kindern. Manche sagen: Mit ihm steht und fällt die Qualität des Theaters.

Warum Arnold geht, ist offiziell nicht bekannt. Dieser, so wird es aber kolportiert, wolle sich angeblich ein eigenes Theater mit Jugendlichen in Stollberg aufbauen. Unabhängig von Landkreis und Stadt. Einen entsprechenden Verein gibt es wohl schon. All das wollte Böhmer zwar nicht bestätigen, aber er deutete an, dass dies eine interessante Sache wäre. Derzeit berate die Jugendgruppe deshalb - etwa ein Dutzend Leute - ob sie im Burattino bleibt.

 
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