Ein spätes Geschenk für einen fast vergessenen Jubilar

Heute vor 200 Jahren wurde der erste Bade- und Brunnenarzt von Bad Elster, Robert Ferdinand Flechsig, in Oelsnitz geboren. Sein Geburtsort hat ein Jubiläumsgeschenk, mit dem diese Koryphäe wohl nicht gerechnet hätte.

Oelsnitz.

Wenn Robert Ferdinand Flechsig das gewusst hätte: 200 Jahre, nachdem er auf die Welt kam, will seine Geburtsstadt Oelsnitz einen "Antrag auf Anerkennung zum staatlich anerkannten Erholungsort" stellen. Damit hält die Profession des berühmten Arztes nun in seiner Heimat Einzug, denn Geschichte geschrieben hat Flechsig auf dem Gebiet der Balneologie (Bäderkunde): Von 1847 bis 1892 wirkte Robert Ferdinand Flechsig als erster Bade- und Brunnenarzt in Bad Elster, das kurz nach seinem Amtsantritt 1848 zum Königlich-Sächsischen Staatsbad erhoben wurde und sich seit 1875 Bad Elster nennen darf.

In Bad Elster wird Robert Ferdinand Flechsig, der 1875 den Titel "Geheimer Hofrat" erhielt, schon lange hoch verehrt: Gleich zwei Gedenksteine erinnern an sein Wirken. Einer davon steht seit 1889 im Kurpark, ein zweiter Stein wurde 1992 anlässlich des 100. Todestages vor dem Haus Rautenkranz eingeweiht, in dem der Arzt von 1852 bis zu seinem Tod wohnte. Seines 200. Geburtstags wird morgen mit einer Festveranstaltung in der Kunstwandelhalle gedacht.

In seiner erzgebirgischen Geburtsstadt ist Flechsig hingegen kaum bekannt. Lediglich eine kleine Straße trägt seit 1995 den Namen des großen Sohnes der Stadt Oelsnitz: der Flechsigweg. Grund für dieses weitgehende Vergessen ist wohl das Wirken des Arztes fernab seines Geburtsortes.

Robert Ferdinand Flechsig wurde am 8. Januar 1817 in der Oelsnitzer Emil-Junghannß-Straße 12 geboren. Sein Vater war der 1776 geborene Wundarzt Dr. Gottlob Flechsig, der von 1812 bis 1848 in Oelsnitz praktizierte. Der Sohn trat früh in die Fußstapfen des Vaters. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Zwickau und einem Studium an der Universität Würzburg war er ab 1839 als Doktor der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe an verschiedenen Orten des Erzgebirges tätig, ehe er seine Stelle in Bad Elster antrat.

Dort war er über alle Maßen erfolgreich. Dank seiner Umsicht und seines Wissens machte Flechsig Elster zu einem über Deutschland hinaus angesehenen Badeort. Dazu beigetragen haben eine Vielzahl von Publikationen, darunter 15 Bücher. Aus seiner Feder stammen unter anderem das 1883 erschienene "Bäder-Lexikon" und ein "Handbuch der Balneologie".

"Das Heilen mit Wasser war genau das Thema von Robert Flechsig", berichtet Bürgermeister Bernd Birkigt, der mit Hochdruck an der Umsetzung eines Bürgerentscheides vom September 2013 arbeitet. Damals hatten sich mehr als 80 Prozent der Bürger dafür ausgesprochen, dass Oelsnitz die Entwicklung zu einem Erholungsort anstreben sollte. Eine der wichtigen Eckpfeiler für dieses Ziel ist das Gradierwerk, dessen Wasser bislang jedoch nicht in Oelsnitz gefördert wird. Das könnte sich ändern. "Die gemessenen Werte werden immer besser. Der Salzgehalt liegt bei etwa vier Prozent und die nicht erwünschten Bestandteile wie Eisen und Mangan sind eher rückläufig", so Birkigt.

Damit ist die Oelsnitzer Sole schon deutlich besser als Ostseewasser, dessen Salzgehalt selbst an den Stellen mit der höchsten Konzentration unter zwei Prozent liegt. Selbst die Nordsee kann nur mit etwa 3,5 Prozent aufwarten. Doch Birkigt dämpft die Erwartung auf eine alsbaldige Förderung: "Wir haben Salzwasser, das genutzt werden sollte. Seit diesem Jahr sind wir in das internationale Forschungsprojekt Vita-min eingebunden. Die dreijährige Laufzeit wollen wir nutzen." Untersucht werden sollen dabei nicht nur die Änderungen der Zusammensetzung des Wassers, sondern auch die technisch günstigste Lage einer Förderung. Eine weitere Tiefenbohrung muss nicht zwingend zu so positiven Ergebnissen führen, wie die Grundwassermessstelle am Tunnelweg, die seit 2005 Forschungszwecken dient. Deshalb scheint auch nicht ausgeschlossen, dass man die jetzige Messstelle in einigen Jahren, wenn sie nicht mehr benötigt wird, so ertüchtigt, dass sie zur Förderung von Sole genutzt werden kann. Bürgermeister Bernd Birkigt: "Die Stadt, und damit meine ich nicht die Stadtverwaltung, sondern das gesamte städtische Umfeld, braucht diese Zeit ohnehin, um sich auf die Anforderungen eines Erholungsortes vorzubereiten."

Mit dem großen Sohn der Stadt, der die Heilkräfte des Wassers schon im 19. Jahrhundert erkannt und genutzt hat, will Birkigt künftig auch die Oelsnitzer für das Thema sensibilisieren. Er bekennt: "Mit einem Schmunzeln könnte man sagen, dass Flechsig leider zu früh von uns gegangen ist."


Die Würdigung des Ehrentags

Einen Festmarsch für den Brunnenarzt spielen morgen ab 10 Uhr die Chursächsischen Streichersolisten unter Leitung von Kammermusiker Peter Kostadinov in der Kunstwandelhalle Bad Elster, Badstraße 6.

Karten für die Gedenkmatinee gibt es für 8 Euro an der Tageskasse. (fp)

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