Hans-Ludwig Richter wird Ehrenbürger von Oelsnitz

14 Jahre nachdem Schriftsteller Reiner Kunze als erstem die besondere Würdigung der Stadt zuteil wurde, steht heute die Verleihung des Ehrenbürgerrechts zum zweiten Mal an. Geehrt wird der Mann, der 25 Jahre die Geschicke der Kommune geleitet hat.

Oelsnitz.

Ja, Hans-Ludwig Richter hat irgendwann mitbekommen, dass es Diskussionen gab, ihm die Ehrenbürgerrechte zu verleihen. "Gerüchteweise" habe er es gehört, sagt der 65-Jährige. Gerechnet habe er zuvor damit nicht, und ein wenig gewundert habe es ihn schon, als er es dann offiziell erfuhr. "Im Innern fragt man sich ja schon, ob man denn überhaupt die Nähe des Möglichen erreicht hat", sagt er und meint dass Erreichte für die Stadt Oelsnitz, deren Bürgermeister er von 1990 bis 2015, als er nicht wieder zur Wahl antrat, war.

Für Manfred Plobner stellt sich diese Frage nicht. Der SPD-Stadtrat spricht von "hohem persönlichen Einsatz, großem Ideenreichtum und Führungsstärke", wenn von Richter und dessen Verdiensten um die Entwicklung von Oelsnitz die Rede ist. Plobner saß dem Beirat vor, der eigens für die Verleihung des Ehrenbürgerrechts gegründet und in den aus jeder der vier Ratsfraktionen ein Mitglied entsandt worden war. Dem 79-Jährigen wurde diese Aufgabe nicht von ungefähr zuteil - kreuzten sich seine und Richters Wege doch bereits vor 1990, als der spätere Bürgermeister im Rathaus noch der Stellvertreter und für Bauangelegenheiten verantwortlich war. Plobner, damals Technischer Direktor in der Bergbauerkundung, habe das eine oder andere Mal aushelfen können, wenn der Stadt für Bauarbeiten beispielsweise Fahrzeuge fehlten. Mit der politischen Wende wurde der parteilose Hans-Ludwig Richter Bürgermeister von Oelsnitz, Manfred Plobner SPD-Landtagsabgeordneter. Gemeinsam habe man ungezählte Termine in Dresden gehabt und Richter "viele Fördermittel für Oelsnitz geholt". Es sei überhaupt nicht möglich, alle Projekte, die in Richters Amtszeit und durch dessen persönliche Einflussnahme realisiert werden konnten, zu benennen, sagt Plobner. "Er hat das Vertrauen, dass die Bürger in ihn gesetzt haben, immer erfüllt", erklärt er und erinnert daran, wie "völlig heruntergewirtschaftet" Oelsnitz war, als Richter dessen Geschicke in die Hand nahm. Das sahen wohl auch die Oelsnitzer so. Nachdem Richter bei der Bürgermeisterwahl 1990 aus den Reihen des Rates gewählt worden war, bestätigten ihn in den folgenden Legislaturperioden immer die Oelsnitzer Bürger mit direkter Wahl im Amt.

Der Vorschlag, Hans-Ludwig Richter die Ehrenbürgerwürde zu verleihen, sei aus den Reihen des Stadtrates gekommen und die Entscheidung später einstimmig gefallen, sagt Manfred Plobner.

Trotz Ruhestands sind die Tage Hans-Ludwig Richters gut ausgefüllt. "Man nimmt sich eben auch mehr Zeit für einiges", erklärt er - und dann sei der Tag voll. Vor allem seinem Hobby, der Regionalgeschichte und insbesondere dem Geschlecht von der Oelsnitz, widme er viel Zeit, die dabei wie im Fluge vergehe. Und auch politisch ist er nach wie vor aktiv: Richter gehört der CDU-Fraktion des Kreistages an.

Auch wenn er nach Reiner Kunze der zweite Ehrenbürger der Stadt sein wird, so mag er seine Verdienste nicht mit der Lebensleistung des 1933 in Oelsnitz geborenen Schriftstellers und DDR-Kritikers, der 1977 nach Westdeutschland übersiedelte, vergleichen. Umso mehr freut es ihn, dass heute Abend, wenn ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen wird, auch Reiner Kunze zu den Gratulanten gehören wird. Der 84-Jährige und seine Frau reisen extra aus Obernzell bei Passau an, um beim Festakt dabei sein zu können.

Der Festakt zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts ist öffentlich und beginnt heute, 19Uhr im Ratssaal. Die Laudatio hält Rico Anton, Stadtrat und Mitglied des Sächsischen Landtags (CDU), die Oelsnitzer Blasmusikanten sorgen für die musikalische Umrahmung.

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