Helfer wird in Kuba Haftstrafe angedroht

Es ist das erste Mal, dass Eckhard Ahnert froh ist, wieder daheim zu sein. Hinter dem Erzgebirger liegt eine turbulente Reise, gespickt mit abenteuerlichen Erlebnissen.

Raschau.

Beinahe wäre es für ihn eine Reise ohne baldige Wiederkehr geworden, erzählt Eckhard Ahnert. Dabei war der Raschauer in den zurückliegenden vier Wochen nach Kuba gereist, um den Menschen dort zu helfen. Immerhin war es seine dritte Reise in diesen Inselstaat in der Karibik, er hatte 173 Kilogramm Hilfsgüter im Gepäck.

Doch schon damit ging es los. Nicht beim Check-in am Flughafen in München. Dort waren lediglich die Türen zu schmal für seine sperrige Ladung. Die Querelen begannen unmittelbar nach der Landung. "Aber Freunde, die mich abholen wollten, hatten mir dies schon prophezeit", sagt der 62-Jährige, der aus freien Stücken hilft. 14 Segel für Kinderboote und jede Menge medizinische und orthopädische Hilfsmittel für Krankenhäuser und Altenpflegeheime hatte er in Deutschland zusammen getrommelt, um sie mitzunehmen. 50 Kilogramm Reisegepäck hätte er haben dürfen, für die 123 Kilo zuviel sollte er unmittelbar nach der Ankunft 1845 Euro Strafzoll zahlen. Doch das wollte er nicht, und er lieferte sich eine nervenaufreibende Debatte mit den Zollbeamten. "Schließlich habe ich auf Zeit gespielt", erzählt er. Als dann der Dienstschluss der Beamten herangerückt war, hätten sie schließlich einer Strafe von 50 Euro zugestimmt. Die habe er entrichtet und durfte verschwinden.

Die Freunde vor der Tür hatten zum Glück so lange ausgeharrt. "Dann geschah etwas, was ich sonst nur aus Filmen der Olsenbande kenne", sagt Ahnert. "Sie haben die Karre mit den Hilfsgütern geschnappt, sind eilig losgelaufen in Richtung einer Straße, die an einer Stelle dunkel war, direkt vor einem Hang. Dort sind sie mit dem Zeug hinter einem Bus verschwunden. Dann kam ein Auto gefahren, und im Sichtschutz des Busses wurde mein Gepäck in den Wagen verladen. Dann fuhr der Bus wieder ab, und ich wurde mit den Sachen zum Quartier gefahren. Das war schon abenteuerlich."

Tags darauf sollte die Auslieferungstour der Hilfsgüter beginnen. Zunächst wurden die beiden Fahrräder zusammengeschraubt, die er dafür dabei hatte. Rachel, eine junge Kubanerin, bot an, ihn zu begleiten und als Vermittlerin zu agieren. Erste Station: Das Krankenhaus. "Und obwohl alle in der Klinik mit großen Augen auf die Sachen, die ich ihnen geben wollte, blickten, hieß es: Wir dürfen das nicht nehmen." Der Helfer aus dem Erzgebirge hielt zunächst fassungslos inne. Waren doch all die Dinge, die er im Gepäck hatte, geprüfte Geräte, zum Teil sogar steril verpackte Hilfsmittel. "Ich sollte zur Landrätin gehen, und nochmals Papiere holen, erneut eine hohe Verwaltungsgebühr zahlen. Das ging so weit, dass mir die Frau angedroht hat, dass sie dafür sorgt, dass ich sofort für acht Jahre in den Knast wandere, wenn ich das nicht tue", erzählt Ahnert. Da habe er kurzerhand sein Handy gezückt und gesagt: "Gut, trete ich sofort an, aber ich schreibe schnell noch eine SMS an die Presse und das Fernsehen nach Deutschland." Daraufhin habe ihn die Landrätin rausgeschmissen, ja weggejagt.

Als Ahnert in sein Quartier zurückkam, seien aber bereits Ärzte und Gemeindeschwestern aus der Umgebung da gewesen, und hätten ihm unter dem Mantel der Verschwiegenheit die Materialen für die Hilfe für ihre Patienten abgenommen. Nur eine Stunde später seien die medizinischen Hilfsmittel verteilt gewesen.

"Seither aber hatte ich einen Schatten. Einer, der jeden meiner Schritte überwachen sollte", so Ahnert. Ihn abzuschütteln sei dem Erzgebirger erst im weiteren Verlauf der Tour möglich geworden. Denn die Reise habe er auch unternommen, um mehr über die Flora und Fauna des Inselstaats zu erfahren. Dass die 23-jährige Rachel ihn nach dieser unschönen Episode auch ihn nicht mehr begleiten durfte, konnte er indes verstehen.

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