Junges Paar baut "enkeltauglich"

Für Privatpersonen, Vereine, Unternehmen und Kommunen bietet das Leader-Programm Unterstützung zur Verbesserung des Lebens auf dem Land - Zwei Neuwürschnitzer nutzen es, um ein Lebensprojekt anzuschieben

Neuwürschnitz.

Es ist schon einige Fantasie notwendig, um sich vorstellen zu können, dass in der alten Sägemühle des Neuwürschnitzer Mothes-Gutes Familien ihre Ferien verbringen könnten. Aber genau das haben Rebekka und Christian Mothes vor. Aus ihrer einstigen Vision ist jetzt ein knapp 200.000 Euro teurer Plan geworden, für den auch die Finanzierung geklärt ist - dank des Dorfentwicklungsprogramms Leader. Dort hat das junge Paar eine 50-prozentige Förderung beantragt und bewilligt bekommen. "Leader ist fast das einzige Förderprogramm, mit dem man so eine Privatinitiative in dem Maße fördern kann", sagt Christian Scheller, Regionalmanager für die Förderregion "Tor zum Erzgebirge - Vision 2020". Ein wichtiger Punkt, dass der Förderantrag bewilligt wurde, sei gewesen, dass sie für die Ferienwohnung eine Zertifizierung anstreben. Das Projekt leistet darum nach den Worten von Bürgermeister Bernd Birkigt auch einen Beitrag zur Bewerbung der Stadt Oelsnitz als Erholungsort.

Für die Familie hat der Umbau aber auch ganz praktische Gründe: Für Rebekka Mothes, die zurzeit in Elternzeit die beiden Kinder betreut, eröffnet sich mit der Ferienwohnung ein Einkommen. Die 27-Jährige ist Sozialarbeiterin und möchte den Gästen pädagogische "Ferien-auf-dem-Bauernhof"-Angebote machen. Die Voraussetzungen sind optimal: Familie Mothes bewirtschaftet etwa zwei Hektar Grünfläche mit einer kleinen Herde Zwergzebus und Schafen, baut im Garten Obst und Gemüse an. Und auch Erfahrungen hat die aus Baden-Württemberg stammende junge Frau: Sie und Christian Mothes lernten sich auf einem christlichen Kinder- und Jugendbauernhof kennen, wo sie ihren Zivildienst beziehungsweise ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leisteten. Mit ihrer Tätigkeit auf dem Hof will Rebekka Mothes ihrem Mann den Rücken freihalten für seine Arbeit als Ingenieur. Beide haben sich auf die Fahnen geschrieben, "enkeltauglich" zu bauen - also nachhaltig und umweltfreundlich.

Den Hof hat Christian Mothes von seiner Tante und seiner Mutter gekauft beziehungsweise geschenkt bekommen und lebt mit Frau und Kindern im Wohnhaus. Die historische Schneidmühle, die umgebaut werden soll, steht unter Denkmalschutz. Mindestens seit 1625 befindet sie sich in Familienbesitz, aus dieser Zeit stammt die erste Erwähnung, sagt Christian Mothes. Wie alt sie genau ist, wisse auch seine Mutter, Chefin des Sägewerkes Mothes, nicht, sagt der 28-Jährige. 1921 sei der Bauantrag zur Errichtung der aktuellen Schneidmühle gestellt worden, vermutlich sei bis dahin die alte Sägemühle in Betrieb gewesen.

Nach den Auflagen des Denkmalamtes müssen mindestens 50 Prozent der tragenden Gebäudehülle erhalten bleiben, erklärt Rebekka Mothes. Entstehen sollen zwei Doppelzimmer, ein Bad und eine Wohnküche. Natursteinsockel und Fachwerk werden bleiben, aber im Obergeschoss sollen zusätzliche fenster eingebaut werden.

Die Umnutzung der alten Sägemühle ist nur ein erster Schritt. Langfristig wollen die Neuwürschnitzer das gesamte Gebäudeensemble aufwerten. Das nächste Projekt ist der Stall, sagt Christian Mothes. Der 28-Jährige zeigt zur Scheune. "Das Dach ist marode." Man sieht: Es kommt noch viel Arbeit auf die Familie zu. In ihrem Antrag bezeichnet das Ehepaar den Hof darum auch als Lebensprojekt. Das Ziel: den Kindern "einen Hof in gutem Zustand zu überlassen und damit gelebte Geschichte und Tradition zu bewahren".


Die Region Zwönitztal-Greifensteine

Bisher wurden fünf Aufrufe gestartet. Der bislang letzte umfasste zwölf Maßnahmen. Am 18. Mai wird das Entscheidungsgremium (EG) über die aktuell eingereichten Vorhaben befinden. Wie Regionalmanagerin Elena Weber (Foto) erklärt, sind für fünf Themenbereiche insgesamt elf Vorhaben mit einem beantragten Zuschussvolumen von etwa 1,1 Millionen Euro eingegangen.

Bisher sind 36 Vorhaben durch das EG positiv beschieden worden. Mit diesen gehen Investitionen von etwa 9 Millionen Euro einher. Der Gesamtbetrag der Zuschüsse beträgt rund 4,9 Millionen Euro. Zu den bisher ausgewählten Vorhaben gehören zum Beispiel das Dorf- und Gemeinschaftszentrum Meinersdorf und die Errichtung von Felsengrab und Geburtsgrotte im Bibelgarten Brünlos.

Besonders gefragt sind laut Weber die Maßnahmen "Kommunale, nicht kommerzielle Infrastruktur" (Dorfplätze, Dorfgemeinschaftshäuser, Kitas, kirchliche Gebäude, Trauerhallen), "Ländliches Kulturerbe erhalten und umnutzen" (Umnutzung leerstehender landwirtschaftlicher Gebäude zu Wohnzwecken, Sanierung und Barrierereduktion ländlicher Bauten für die Wiedernutzung als Wohngebäude) und "Qualitätsoffensive Tourismus - Etablierung der Aktiv- und Erlebnisregion" (Spielplätze, Aufwertung touristischer Einrichtungen). (vh)

www.zwoenitztal-greifensteine.de


Das "Tor zum Erzgebirge - Vision 2020"

Bisher wurden sechs Aufrufe zu verschiedenen Förderbereichen veröffentlicht, aktuell laufen zwei. Bisher wurden 26 Projekte mit einem Volumen von insgesamt rund 1,854 Millionen Euro zur Förderung ausgewählt.

Der Erhalt ländlicher Bausubstanz ist laut Regionalmanager Bernd Scheller (Foto) besonders gefragt. Dazu läuft aktuell auch ein Aufruf über ein Budget von 400.000 Euro. Insgesamt umfasst das Budget des 5. Aufrufes 1,3 Millionen Euro. Gefördert werden damit auch Projekte der Landschaftspflege, Angeboten der Bildung, Soziokultur und des Sports, zur Sicherung und Verbesserung der Grundversorgung und Alltagsmobilität sowie zur Unterstützung von Öffentlichkeitsarbeit. Beim gerade parallel gestarteten 6. Aufruf geht es unter anderem um die Ausrichtung des Tourismus auf Naherholung und eine attraktive Infrastruktur. Das Budget: 6000.000 Euro

Auf der Homepage der Förderregion befindet sich ein Selbstcheck, mit dem man klären kann, ob ein Vorhaben in das Förderprogramm passt. www.tor-zum-erzgebirge.de

Weil die Mindestfördersumme für Projekte bei 5000 Euro liegt, Vereine aber oft kleinere Vorhaben planen, wird die Lokale Arbeitsgruppe ein eigenes Projekt einreichen: einen Ideenwettbewerb für Vereine. Dabei kann es sich genauso um ein Vereinsfest handeln wie beispielsweise die Gestaltung des Vereinsheims. Für die besten Ideen werden 15-mal 2000 Euro ausgelobt, mit denen die Vereine dann einen Zuschuss zur Ideenumsetzung haben oder kleinere Sachen komplett realisieren können. Der Wettbewerb werde in der zweiten Jahreshälfte ausgeschrieben. (vh)

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