Klaus Hirschs Tod reißt eine schwer zu schließende Lücke

Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der sächsischen Kunstszene und ein selbstloser Förderer vieler regionaler Künstler. Im Alter von 77 Jahren ist der Lugauer Maler und Grafiker tödlich verunglückt.

Lugau.

"Ich bin schockiert, dass wir so plötzlich und auf so tragische Weise eine hochgeachtete Persönlichkeit unserer Stadt verlieren." Diese Worte des Lugauer Bürgermeisters Thomas Weikert geben wohl die Empfindung vieler Menschen wieder, die vom Tod des Malers und Grafikers Klaus Hirsch erfahren. Nach einem Verkehrsunfall ist der Künstler am Sonntag gestorben. Laut Polizeisprecher Steve Berger konnte die Unfallursache noch nicht geklärt werden.

"Das Unglück selbst und das fremde Leid kann man nicht illustrieren", hat Klaus Hirsch einmal gesagt. Und doch hatte gerade er das unglaubliche Feingefühl, die tiefsten Empfindungen, das größte Leid und die unerträglichste Zerrissenheit des Menschen aufs Papier zu bringen. Seine Grafiken strahlen jene aufmerksame Hinwendung zum Menschen aus, die den Menschen Klaus Hirsch für viele zu einem wahren Freund gemacht haben.

Seine künstlerische Meisterschaft kann sich mit den ganz Großen messen. In seinen Lithografien und Zeichnungen hat er durch feinste Nuancen, aber ohne jedes Brimborium die dramatischsten Szenen mit sicherer Hand komponiert. "Ich kann noch gar nicht begreifen, dass er nicht mehr da ist, und man wird dessen erst gewahr werden, wenn er an so vielen Stellen fehlt", sagt Alexander Stoll, Galerieleiter des Heinrich-Hartmann-Hauses Oelsnitz.

Klaus Hirsch wird fehlen, denn trotz seines Alters von 77 Jahren stand er noch mitten im Schaffensprozess. Das demonstriert auch seine erst vor wenigen Wochen eröffnete Ausstellung in der Kleinen Galerie Hohenstein-Ernstthal eindrucksvoll. Deren Leiterin Silke Hirsch sagt: "Klaus Hirsch wird für mich immer als positiv denkender, lebensbejahender Mensch und Wegbegleiter in Erinnerung bleiben. Besonders habe ich seine offene und herzliche Art geschätzt und die Selbstverständlichkeit, mit welcher er stets Hilfe und Unterstützung angeboten und geleistet hat. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit ihm zusammen die Ausstellung 'vom Mensch' gestalten und so sein künstlerisches Werk würdigen konnte."

Klaus Hirsch wurde 1941 in Stollberg geboren. Er hat eine Malerlehre absolviert, als Geselle gearbeitet und angewandte Malerei in Magdeburg studiert. Danach arbeitete er als Designer und Innenarchitekt in Magdeburg und Plauen. 1992 kehrte er in seine Heimatstadt Lugau zurück. Seither standen Malerei und Grafik im Zentrum seines Schaffens. Daneben war er immer gesellschaftlich engagiert. Zwölf Jahre gehörte er zum Vorstand der Neuen Chemnitzer Kunsthütte, rund sechs Jahre war er dort stellvertretender Vorsitzender. Im Herbst 2015 beendete er die Mitgliedschaft im Vorstand, um etwas kürzer zu treten. Im Januar dieses Jahres hat der Verein ihn zum Ehrenmitglied ernannt.

Andere Ämter hatte er bis zuletzt inne. Mehr als 25 Jahre war Klaus Hirsch als ehrenamtlicher Kreisdenkmalpfleger aktiv. Seit 2003 gehörte er zum Beirat der Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst, seit 2004 war er im Galerierat des Heinrich-Hartmann-Hauses Oelsnitz. Alexander Stoll: "Da entsteht eine Lücke, die sich nicht so leicht, vielleicht gar nicht schließen lässt."

Im öffentlichen Raum werden auch in Zukunft viele Arbeiten an den Künstler erinnern. Besondere Beachtung haben stets die von ihm gestalteten Bleiglasfenster gefunden, welche er unter anderem in Oelsnitz, Neuwürschnitz und Flöha gestaltete. Viele seiner freien Arbeiten befinden sich zudem in renommierten Häusern, darunter den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz oder den Städtischen Museen Zwickau.

In diesem Jahr sollte ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt Lugau verliehen werden. Thomas Weikert bedauert, dass das posthum nicht möglich ist, will nun aber nach anderen Möglichkeiten einer angemessenen Ehrung suchen.

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