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Vertritt eine klare Meinung: Sebastian Krumbiegel.

Foto: Markus Wustmann

Menschlichkeit als Tradition - "Danach sollten wir uns richten"

Auf Einladung des Stollberger Vereins kommt Sebastian Krumbiegel morgen in die Stadt -Lesung in St. Jakobi

erschienen am 11.10.2017

Sebastian Krumbiegel, der Sänger der Prinzen und seit vielen Jahren engagiert gegen Rassismus und Rechtsradikalismus, kommt morgen Abend nach Stollberg. Auf Einladung des Vereins Menschlichkeit als Tradition liest er in der Jakobi-Kirche aus seinem Buch "Courage zeigen - Warum ein Leben mit Haltung gut tut!". Kathrin Neumann hat mit ihm über Zivilcourage im ländlichen Raum und den Umgang mit AfD-Anhängern gesprochen.

Freie Presse: Herr Krumbiegel, Sie lesen morgen in einer kleinen Stadt im Erzgebirge. Ist das Zufall?

Sebastian Krumbiegel: Na, das hat schon einen Hintergrund. Ich komme ja aus Leipzig, und ich finde, wir haben die ganze Problematik AfD und Legida schon ganz gut im Griff. Mein Wahlkreis ist der einzige in Sachsen, in denen ein Politiker der Linken ein Direktmandat geholt hat. Ich wohne quasi in einem gallischen Dorf.

Wollen Sie den Erzgebirgern eine Unterrichtsstunde in couragiertem Auftreten erteilen?

Auf keinen Fall. Ich will bitte niemanden belehren. Ich weiß bestimmt nichts besser. Es geht nur darum, von den Erfahrungen, die wir als Leipziger schon gemacht haben, vielleicht etwas weiterzureichen.

Wie kam es dazu, dass es Stollberg geworden ist?

Anett Oesterreich vom Verein Menschlichkeit als Tradition hat mich bei einer Lesung in Zwickau angesprochen, und ich habe schon immer die Aufrufe des Vereins unterstützt. Ein Verein, der sich im Erzgebirge so einsetzt, das finde ich sehr stark.

Der Verein erlebt ja gerade viel Unterstützung, wurde kürzlich für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert.

Ich sitze in der Jury für diesen Preis und habe mich für die Nominierung stark gemacht. Ich finde es ganz wichtig, dass man den Leuten an der Basis hilft.

Wie wird der Abend morgen in der Jakobi-Kirche ablaufen?

Ich werde sicher mehr Musik machen, als dass es eine Lesung wird. Jante wird ja auch spielen. Aber es gibt kein festes Programm. Natürlich werde ich auch ein bisschen aus meinem Buch lesen. Aber ich komme dann immer so ins Plaudern.

Haben Sie vielleicht gerade einfach viel zu sagen? Die Bundestagswahl liegt gerade gut zwei Wochen zurück.

Eigentlich nicht. Ich sage ja schon seit Jahren meine Meinung, gerade zur politischen Lage hier bei uns in Sachsen. Dass ich finde, dass der Versuch der CDU, Rechtsradikalismus klein zu reden, total kontraproduktiv war. Wenn ich an die Naziaufmärsche am 13. Februar in Dresden denke, wie wir friedlich dagegen demonstriert haben und dafür von der sächsischen Justiz, der sächsischen Politik und der sächsischen Polizei gejagt wurden - das war gruselig. Das Wahlergebnis nun ist vielleicht nicht die, aber zumindest eine Quittung dafür. Diese ganze Problematik brennt mir schon lange auf der Seele, und es ist mir sehr wichtig, diesbezüglich eine klare Meinung zu vertreten. Ich kann die Leute auch verstehen, die sich abgehängt fühlen, die sich von der Wiedervereinigung verarscht fühlen. Trotzdem ist das kein Grund, nach unten zu treten, nach denen, denen es noch schlechter geht, und Heil Hitler zu brüllen.

Aus dieser Stimmungslage heraus hat sich 2016 der Verein gegründet.

Dessen Namen ich total klasse finde. Denn hier geht es um Humanität. Dass wir Menschen wie Menschen behandeln, etwa wenn wir über Flüchtlinge sprechen. Im Grundgesetz steht, die Würde des Menschen ist unantastbar, nicht die Würde der Deutschen ist unantastbar.

Und deshalb unterstützen Sie den Verein und kommen nach Stollberg?

Ja, denn man muss ja auch sagen, dass sicher viele ähnlich denken, sich vielleicht nur schämen, laut zu sagen, dass sie die AfD gewählt haben. Aber wenn sie tief in sich reinhören, müssen sie doch sagen, dass wir alles Menschen sind. Ich ertappe mich selbst manchmal dabei.

Sie?

Ich war gerade mit den Prinzen auf Tour, wir waren unter anderem in Ludwigshafen. Die haben über 30 Prozent Ausländeranteil. Da guck auch ich erstmal nicht schlecht, wenn ich überall Burkas sehe. Aber man muss sich immer daran erinnern, welchen Weg diese Menschen genommen haben, um in Sicherheit zu sein. Und sie dann hier als Gesocks oder Dreck zu bezeichnen, das hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun. Deshalb finde ich den Namen des Vereins so klasse. Danach sollten wir uns alle richten. Weil er auch einen Perspektivwechsel anspricht.

Der Name ist zugleich ja auch ein Wortspiel, um zu zeigen, dass Wahrung der Tradition Integration nicht ausschließen muss.

Und das finde ich so wichtig. Dass wir uns Begriffe wie Heimat oder eben Tradition nicht von den Rechten wegnehmen lassen, sondern dass diese auch positiv besetzt sein können.

Wie kann man Menschen begegnen, die zur Pegida-Kundgebung gehen oder die AfD wählen?

Es wäre ein großer Fehler, sie alle als Nazis zu bezeichnen. Diese Leute kriegst du nur, wenn du ihnen die Hand reichst und ihnen sagst: Ihr seid keine Nazis. Aber die, denen ihr hinterher rennt, das sind Nazis.

 
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Menschlichkeit als Tradition - "Danach sollten wir uns richten"
Für morgen gibt es noch Karten - Zur Eröffnung spielt Jante
 
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