Spezialeinsatzkommando nimmt Asylbewerber fest

Der Zugriff der Ermittler fand bereits vor zweieinhalb Wochen im Stollberger Ortsteil Gablenz statt. Offenkundig sollte davon aber niemand erfahren. Die Nachricht ist trotzdem durchgesickert. Was steckt dahinter?

Stollberg.

Der 24-Jährige war in einer Unterkunft für Asylbwerber im Stollberger Ortsteil Gablenz untergetaucht. Doch von dem Versteck bekam die Polizei Wind - und griff an einem Sonntagabend zu, allerdings schon am 10. Juli 2016. Gestern, zweieinhalb Wochen später, gab die Staatsanwaltschaft Leipzig gegenüber "Freie Presse" auf Nachfrage Auskunft. Die Ermittlungsbehörde führe gegen den zuletzt in Leipzig wohnhaften Asylbewerber ein Ermittlungsverfahren wegen des Tatvorwurfs des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung. Dieser soll bei einer Auseinandersetzung am Abend des 7. Juli 2016 in Leipzig vor dem Hauptbahnhof einen anderen 17-jährigen Asylbewerber anderer Nationalität an einer Straßenbahnhaltestelle mit einem scharfen Gegenstand schwer verletzt haben.

"Die Staatsanwaltschaft hat den Sachverhalt als versuchtes Tötungsdelikt eingestuft", so Sprecher Ricardo Schulz. Der Beschuldigte sei nach der Tat zunächst geflüchtet und konnte nach seiner Identifizierung auf der Grundlage eines zwischenzeitlich erlassenen Haftbefehls an jenem 10. Juli in Stollberg festgenommen werden. Scholz: "Der Beschuldigte befindet sich seit dem 11. Juli in Untersuchungshaft." Der Sprecher gab nicht an, aufgrund welcher Erkenntnisse die Ermittlungsbehörden den Aufenthaltsort des Beschuldigten ausfindig machen konnten.

Doch wie ist die Nachricht überhaupt an die Öffentlichkeit gelangt? Antwort: Die Stadt Stollberg hat eine kurze Nachricht darüber am vorgestrigen späten Nachmittag in Facebook eingestellt. "Freie Presse" fragte Oberbürgermeister Marcel Schmidt gestern, warum erst zweieinhalb Wochen später? Schmidt: "Einen SEK-Einsatz im Ortsteil Gablenz gab es noch nie, die Verbindung mit der Festnahme eines Asylbewerbers und die Terrornachrichten der letzten Tage haben in der Bevölkerung einige Fragen, Unruhe und Ängste hervorgerufen. Aus diesem Grunde hat die Stadtverwaltung versucht, Transparenz herzustellen, was uns auch gelungen sein dürfte." Nach eigenen Angaben 8500 erreichte Nutzer bei Facebook innerhalb 24 Stunden zeige auch, dass ein gewisses Interesse in der Bevölkerung bestanden haben müsse. Er kündigte an, dass die Unterkunft in Gablenz aufgrund des Rückgangs der Asylbewerber vorerst nicht wieder mit Flüchtlingen belegt werde.


Kommentar: Stimmungsmache

Transparenz ist unumgänglich, um Ängste in der Bevölkerung auszuräumen. Dass die Stadtverwaltung Stollberg mit zweieinhalb Wochen Verspätung auf einen SEK-Einsatz gegen einen offenbar gewalttätigen Asylbewerber hinweist - ausgerechnet nach dem Gewaltwochenende von Bayern - ist bedenklich. Warum reagiert das Rathaus erst jetzt und hat dies nicht vor zwei Wochen getan? Geht es wirklich um Information oder wird nicht vielmehr auf einer Klaviatur gespielt, die den im Internet gegen Asylbewerber hetzenden Menschen nur allzu gut gefällt? Es wäre nicht das erste Mal, dass der Oberbürgermeister sich dazu hinreißen ließe. Natürlich gehört eine solche Information an die Öffentlichkeit. Der Zeitpunkt jedoch ist bedenklich. Mit Transparenz hat das nichts zu tun. Das ist Stimmungsmache.

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18Kommentare
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    0
    TaiBlaine
    02.08.2016

    @besorgterBuerger: Oh, das war dann wohl ein Missverständnis. :) Da ich die Printausgabe der FP nicht habe, weiß ich leider nicht, welchen Kommentar sie meinen.

  • 0
    0
    besorgterBuerger
    01.08.2016

    @TaiBlaine: Sie hatte ich gar nicht gemeint! Mir ging es um den Kommentar "Stimmungsmache" in der FP.

  • 1
    5
    TaiBlaine
    01.08.2016

    @Freibeuter: Ich weiß ja nicht, wo sie die letzten Jahre gelebt haben, aber flüchtige Kriminelle hat es schon immer gegeben. Diese mussten dann je nach Gefahr von der Polizei oder SEK aufgegriffen werden. Darüber wurde nur selten berichtet, da es ein ganz alltägliches Verfahren ist.

  • 3
    1
    Freibeuter
    01.08.2016

    @TaiBlaine: Die oben beschriebene Aktion ist eine ganz alltägliche Polizeiaktion, wie sie täglich mehrfach in Deutschland stattfindet. Komisch, bis vor Jahren waren solche Aktionen nur in Ausnahmesituationen notwendig. Wo hin geht dieses Land?

  • 1
    3
    TaiBlaine
    01.08.2016

    @Freibeuter: Auch wieder falsch. Die oben beschriebene Aktion ist eine ganz alltägliche Polizeiaktion, wie sie täglich mehrfach in Deutschland stattfindet. Vorfälle wie in Köln sind Ausnahmesituationen. Glauben sie allen Ernstes, dass die Polizei über jede Hausdurchsuchung, jede Verhaftung, jede Observierung der Presse Bericht erstattet, damit die darüber berichten kann?

  • 3
    1
    Freibeuter
    01.08.2016

    @TaiBlaine: Quasi Köln 2.0. Dachte es sollten Lehren aus den Versäumnissen gezogen werden. Ist scheinbar nur nicht bei allen angekommen. Oder wie lautete der Spruch der Politik: "Wir müssen die Bürger frühzeitig über die Dinge informieren". Mag sich jeder seinen Teil denken.

  • 1
    9
    TaiBlaine
    01.08.2016

    @besorgterBürger: Falsch, ich rufe nicht zur Vertuschung auf, ich sage lediglich, dass der gemeine Bürger bei weitem nicht über jeden Polizeieinsatz informiert wird und auch nicht unbedingt ein Recht darauf hat, über jeden Einsatz informiert zu werden.

  • 11
    2
    besorgterBuerger
    01.08.2016

    Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: da ruft ein Kommentator einer unabhängigen Zeitung zum Verschweigen von Informationen auf. Wäre es nicht gerade Aufgabe der Presse, Wahrheiten - auch unbequeme - ans Licht zu bringen? Schade!

  • 6
    2
    BlackSheep
    31.07.2016

    @TaiBlaine, kann man beim Thema bleiben oder muss immer dieser Blödsinn mit den Übergriffen in Heidenau und anderswo kommen? Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist, darüber wurde alles sofort in den Nachrichten gebracht, da gab es keine Fragen mehr. Bei Straftaten die von Flüchtlingen oder Asylanten begangen wurden, gab es vielfach Vorwürfe und Beweise das vertuscht worden ist. Sie sollten Ihren Verstand benutzten denn dann würden Sie merken das Ihre Meinungen völlig einseitig und restlos oberflächlich sind.

  • 5
    7
    TaiBlaine
    29.07.2016

    @BlackSheep: Ich gehe jede Wette ein, dass jeden Tag in Deutschland Hunderte solcher Aktionen durchgeführt werden über die der gemeine Bürger nie etwas erfährt, weil es für sein ruhiges und beschauliches Leben keinerlei Unterschied machen würde. Hier ist mal etwas über so eine Aktion bekannt geworden und es wird gleich von Vertuschung und Verschwörung und Diktatur gefaselt. Und diejenigen, die sich hier wieder darüber auslassen, sind die selben, die bei den Vorfällen in Heidenau, Einsiedel usw. verharmlost und bagatellisiert haben. Die Polizisten haben lediglich ihren Job gemacht und einen flüchtigen Straftäter aufgegriffen. Das hat nichts mit Vertuschung zu tun. Sollen jetzt solche Übergriffe der Polizei immer 3 Tage vorher angekündigt werden, damit sie sich alle schön sicher fühlen und auch ja keine Verschwörung dahinter vermuten? Ach Mist, das geht ja nicht, da man den Flüchtigen damit ja warnen würde. Ihr solltet alle mal wieder lernen euren Verstand zu gebrauchen und nicht hinter jeder völlig alltäglichen Polizeiarbeit eine Verschwörung gegen eucht zu vermuten. Täte euch gut.

  • 14
    4
    BlackSheep
    28.07.2016

    TaiBlaine, das ist Vertuschung.

  • 9
    4
    ommi22
    28.07.2016

    @tai blaine, das Herbeten von abgedroschenen Floskeln wie Ihr "besorgter Bürger" hat genauso wenig Sinn und Ihr Leben wird das auch nicht ändern.

  • 14
    4
    paral
    28.07.2016

    Hallo Herr Oechsner, ich Kommentar ist nicht wirklich erhellend und er sollte etwas bissiger, dezent ausgedrückt, sein. Jedes laue Lüftchen wird heute kommentiert und geteilt, also breitgetragen. Da stellt ein Bürgermeister eine Information über einen brisanten SEK Einsatz vierzehn Tage später bei Facebook ein. Da hat wohl die Presse auch erst jetzt mitgelesen und war beleidigt, dass es Schmidt erst jetzt kundtat? Oder gar nichts mitbekommen? Ihre Aufgabe wäre gewesen, da schon mal eher nachzuhaken, wie, ist Ihrer journalistischen Finesse überlassen. Sonst werden doch auch die Polizeiberichte regelrecht seziert, um Rechtsradikales rauszulesen. Das Statement der Stadt ist unterirdisch und beleidigt die Intelligenz der Leser.

  • 24
    9
    DerWundePunkt
    28.07.2016

    Oh doch, TB! Es gibt sicher die Verpflichtung die Bevölkerung über den Einsatz des SEKs zu informieren. Besonders in einem Land, das sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit als Rechtsstaat aufspielt und angeblich demokratisch ist. Wenn einer ein Hakenkreuz irgendwo an eine Wand schmiert, berichten hinterher alle Medien in diesem velogenem Land tagelang darüber. Wenn aber ein straffälliger Asylant mit dem SEK festgenommen werden muss soll es niemand erfahren? Aus welchem Stall kommen Sie denn TB?

  • 9
    25
    TaiBlaine
    28.07.2016

    @Freibeuter und Erhard34: Wenn es nie eine Meldung darüber gegeben hätte, wäre ihr Leben dadurch irgendwie anders verlaufen? Es gibt keinen Anspruch der Bevölkerung darauf über jeden Einsatz der Polizei oder SEK informiert zu werden. An ihnen beiden sieht man schließlich, wie das gleich wieder ausgelegt wird. Vertuschung, Mantel des Schweigens und sogar die Prophezeiung einer Diktatur. Wenn dieser Einsatz einen Deutschen betroffen hätte, dann würde sich kein Schwein darüber beschweren, wenn das erst später bekannt geworden wäre. Aber es war ein Asylbewerber und da muss natürlich immer über jeden Furz berichtet werden, damit die besorgten Bürger immer auf dem Laufenden sind und der Scheiterhaufen weiter am brennen gehalten werden kann.

  • 13
    5
    Interessierte
    28.07.2016

    Da wollte man die Bevölkerung sicherlich nicht unnötig beunruhigen , so wie auch bei den Übergriffen auf Frauen seit 2008 in Köln ...

    Aber das ist richtig , die Journalisten , die so etwas normalerweise verbreiten wie derjenige aus München , welcher ´plötzlich` in Clausnitz war und meinte : "Ihr- seit nicht das Volk" - die hatten dann hier gefehlt ....

  • 25
    10
    Erhard34
    28.07.2016

    Es sit schlimm, wie von oberster Stelle solche Dinge totgeschwiegen werden. Dank Merkel, Maas, Merbitz und Erfüllungsgehilfen. Wir steuern geradewegs in eine Diktatur!

  • 27
    8
    Freibeuter
    28.07.2016

    Stimmungsmache? Stimmungsmache ist aber auch die Tatsache , dass hier der Bevölkerung bewusst was verschwiegen werden soll, was schlicht weg eine Tatsache ist. Es ist dreist über einen SEK Einsatz einfach den Mantel des Schweigens decken zu wollen, nach dem Motto, wird schon hoffentlich keiner mitbekommen was hier gespielt wird. Auch glaube ich das es nicht unbedingt die Sache einer Stadtverwaltung ist, die Bürger über solche Einsätze zu informieren, sondern der Staatsanwaltschaft. Es soll auch schon Journalisten gegeben haben, welche solche "geheimen" Vorgänge zum Thema ihrer Recherche gemacht haben und die Bevölkerung frühzeitig über ihre "Freie" Presse darüber informiert haben. Aber frei nach de Maiziere diese Antwort könnte sie.....



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