Thalheimer verkabeln Nordsee-Monster

Erzgebirger auf hoher See: Knapp 500 gigantische Windenergie-Anlagen haben die Experten schon mit schweren Unterseekabeln verkoppelt. Der Job bietet alles für die Männer aus dem Zwönitztal: Salzluft, Abenteuer, Teamgefühl. Aber auch Toiletten?

Thalheim.

Das nächste Projekt heißt Liverpool. In die Stadt gehts zum Schlafen - tagsüber aber in die Nordsee zum Arbeiten. "Ab August sind wir für etwa drei, vier Monate dort", sagt Frank Richter.

Er ist Projektleiter bei der Gesellschaft für Anlagen und Datentechnik Burkhardtsdorf mbH (GAD) mit neuem Firmensitz in Thalheim, die als kleines Unternehmen unter anderem riesige Windkraftparks großer Konzerne in der Nordsee betreut. Liverpool ist mittlerweile der sechste Auftrag, knapp 500 der gigantischen Windenergie-Spargel leiten Strom ans Land, weil die Thalheimer sie mit Unterseekabeln miteinander verknüpft haben.

"Wir stecken sozusagen die Stecker in die Steckdose, nur etwas größer", sagt Maik Brock, einer der beiden GAD-Geschäftsführer. Oder genauer ausgedrückt, etwa auf Borkum: Dort musste ein Dutzend GAD-Techniker ein 34 Kilovolt-Seekabelsystem für den Windpark Riffgrund 1 installieren. Diese fetten Dinger - ein Meter Kabel wiegt etwa 50 Kilogramm - leiten nicht nur den gewonnenen Strom zur mächtigen Trafostation im Zentrum des Windparks im Meer, sondern auch über Glasfaser wichtige Daten, von Ausfällen bis Spannungsleistung.

Dazu gehört Fitness, die Männer müssen anpacken und klettern können, erst außen rauf auf die großen gelben Sockel und dann im Innern wieder hinab auf Meeresspiegelniveau, denn dort unten warten die Kabelenden. Bei Wind und Wetter ist das gut in der Röhre, bei Sonne und blauem Himmel eher schlecht.

Aber sie müssen auch Englisch reden können. Daher hat das Unternehmen eine Sprach-Lehrerin für Kurse der GAD-Leute. 23 Mitarbeiter hat die Firma, der Umsatz zeigte 2014 mit 4,3 Millionen Euro einen neuen Rekord. Brock gesteht: "Unter uns: Ich verkaufe solche Projekte wie die Offshore-Windräder. Aber mir wird schon bei einer Hafenrundfahrt schlecht."

Da sind seine Mitarbeiter, also Richter und seine Mannen, aus anderem Holz. Bleibt nur noch die eine Frage, die ja nunmal gefragt werden muss. Haben die riesigen gelben Sockel mitten im Meer eigentlich eine Toilette? "Nein", sagt Richter. Dann grinst er über beide Ohren. "Für das kleine Geschäft ist das kein Problem. Und das andere: Ich war zum Glück noch nicht in der Notlage. Aber ich habe da schon anderes gehört."

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