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Seit Tagen im Vorstartfieber: Michael Clauß, Robert Bilz, Wolfgang Gluth und Detlef Domke (v. l.) prüfen einen Teil der Angelausrüstung. Heute geht's los. Die Hochseeangler aus dem Erzgebirge fahren nach Dänemark.Foto: jan Görner

Foto: Jan GörnerBild 1 / 3

Die Angel-Bande fährt nach Jütland

Egon Olsen wollte mit Benny und Kjeld an der dänischen Nordseeküste ein großes Ding drehen. Vier Männer aus dem Erzgebirge hoffen ebenfalls auf einen großen Fang.

Von Holk Dohle
erschienen am 19.05.2017

Forchheim/Hanstholm. Nein, ein Rezept gegen Seekrankheit gibt es nicht, sind sich Michael Clauß (54), Robert Bilz (36), Wolfgang Gluth (54) und Detlef Domke (55) einig. Es habe jeden schon einmal erwischt. Manchmal bleibe man auch verschont. Bei der letzten Besprechung vor der Tour sind hohe Wellen und Übelkeit an Bord kein Thema. Da machen nur schönen Erinnerungen an frühere Reisen die Runde. Und davon gebe es jede Menge. Die Vorfreude ist den vier Männern förmlich anzusehen. Heute hat das Warten ein Ende: Sie fahren zum Hochseeangeln nach Dänemark.

Seit sechs Jahren ist Hanstholm an der Nordsee Zielort der angelbegeisterten Erzgebirger. Vom Hafen des 2000 Einwohner zählenden Fischerdorfs im Nordwesten Jütlands geht es zum Hochseefischen hinaus auf das Skagerrak. "Wir sind drei Gruppen. Zwei aus Zschopau und Umgebung und eine aus Plauen, insgesamt zwölf Mann", sagt Wolfgang Gluth. Das habe sich in den Jahren so eingespielt. Die 1100 Kilometer Anreise erfolge mit drei geräumigen Fahrzeugen. Schließlich müssen nicht nur die Angelausrüstung und die persönlichen Sachen mit, sondern auch Essen und Getränke für den fünftägigen Männerurlaub. "Wir sind Vollverpfleger", betont der Geschäftsführer der Erzgebirgischen Landbäckerei Drebach.

Untergebracht sind die Petrijünger aus Sachsen in drei Bungalows. "Da ist alles drin, was wir brauchen", sagt Detlef Domke aus Forchheim. Wenn das Wetter mitspiele, sei man eh nur zum Schlafen drin. Zum Ausnehmen und Filetieren des Fisch würden sie auf den benachbarten Campingplatz gehen. "Da gibt es eine eigens dafür eingerichtete Stelle", berichtet der Facharzt für Orthopädie. "Und Kühltruhen für den Fisch", so der Chefarzt der Knappschafts-Klinik in Warmbad weiter.

Auf dem zwölf Personen fassenden Angelkutter haben die Landratten bereits im vergangenen Jahr angeheuert. "Der Kutter muss früh genug reserviert werden, sonst schaut man in die Röhre", berichtet Michael Claus. Abfahrt zu den meist viele Seemeilen entfernten Fischgründen sei früh am Morgen. "Drei, vier Stunden Fahrt sind keine Seltenheit. Da ist kein Land mehr in Sicht", beschreibt der Holzbildhauer aus Olbernhau die Tagestouren hinaus auf das Skagerrak, ein rund 250 Kilometer langes und bis zu 140 Kilometer breites Gebiet zwischen der Nordküste Jütlands, der Südküste Norwegens und der Südwestküste Schwedens. Vor Norwegen ist es 700 Meter tief.

Mittels Echolot steuert der Kapitän den Kutter zu den Fischgründen. Ein Hotspot - eine Stelle, an der es besonders viele Fische gibt - sei das Gelbe Riff, erzählt Robert Bilz. Auf dem Meeresgrund liegende Schiffswracks seien ebenfalls Tummelplätze für Dorsch, Köhler, Pollak und Leng, weiß der Land- und Forstwirt aus Schönbrunn. Im vergangenen Jahr sei ihm ein besonderer Fang gelungen: zwei große Dorsche auf einmal. Er habe mächtig pumpen müssen, bis er die 90 Zentimeter großen "Dickköpfe" an Bord hatte. Sein bisher größter Dorsch war 1,17 Meter lang und 14 Kilogramm schwer.

Überhaupt seien die Fahrten mit dem Kutter keine Wellness-Ausflüge, betont Domke. Mit Ausruhen sei nicht viel. Lediglich auf Hin- und Rückfahrt kämen die Männer etwas zum Verschnaufen. Denn wenn das Echolot "Fischalarm" gibt, der Käpt'n eine Drift erwischt hat und der Bootsmann das Kommando (einen Pfiff) zum Auswerfen gibt, heißt es "Klotzen statt Kleckern". Und Vorsicht: Wenn zwölf Mann die Ruten gleichzeitig durch die Luft schwingen, könne es mitunter passieren, dass ein Pilker - ein mit spitzen Haken versehener Kunstköder aus Metall - in Kopfhöhe übers Deck segelt. In der Regel landen die Köder aber im Wasser. Wenn sie auf dem Weg zum Meeresgrund in einen Fischschwarm geraten, stehen die Chancen gut für einen Anbiss. Bleibt der aus, müssen nicht selten über 100 Meter Schnur "leer" aufgekurbelt werden. Auch das merke man in den Armen, weiß der Mediziner: "Doch das ist egal. Beim Angeln kann ich abschalten. Alles andere ist weg. Das ist wie eine Gehirnwäsche."

Und was ist, wenn das Wetter nicht mitspielt? Wie im Vorjahr, als der Kutter nur einmal rausfahren konnte. "Es gibt zum Beispiel ein Museum - eine im Zweiten Weltkrieg erbaute Festung. Dort wurde der Film ,Die Olsenbande fährt nach Jütland' gedreht", sagt Wolfgang Gluth. Auch abends komme nie Langeweile auf. "Er hat die Quetschkommode mit", sagt Gluth und zeigt auf Heiko aus der anderen Gruppe. Auf Heiko Blum vom Zwio Scandali. Na dann: Petri heil!

 
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