Ein Nachmittag für die Ehrenamtler

In Gelenau sind Menschen geehrt worden, die sich für die Gemeinschaft engagieren. Der Bürgermeister fand unterdessen auch sehr ernste Worte.

GELENAU.

Festliche Stimmung hat am späten Mittwochnachmittag im Gelenauer Gasthof "Zur Katze" geherrscht, als mehr als 100 Gäste den Saal füllten. Zum 24. Mal erwies die Gemeindeverwaltung bei einer Dankeschön-Veranstaltung den ehrenamtlich im Ort tätigen Bürgern die ihnen gebührende Ehre.

Mit ernsten Worten begann Bürgermeister Knut Schreiter (CDU) in diesem Jahr seine Festrede, sprach von Unzufriedenheit unter den Menschen im Land, die sich im Ergebnis der Bundestagswahl am 24. September widerspiegelte. Wenn auch nicht im Landestrend, so holte in Gelenau die AfD nach den Christdemokraten doch das zweitbeste Ergebnis. "Viele Menschen haben damit ihren Unmut über Dinge des Alltags zum Ausdruck gebracht", konstatierte Schreiter und nannte seine Zuhörer beispielgebend dafür, dass nicht Politiker im fernen Dresden, Berlin oder Brüssel die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Miteinander schaffen. "Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein", brachte es Knut Schreiter auf den Punkt, erklärte den begrenzten Handlungsspielraum seiner Verwaltung im gesellschaftlichen Bereich, der die Pflichtaufgaben der Kommune überschreite.

Wie wichtig dafür die Arbeit im Ehrenamt ist, habe das zurückliegende Jahr erneut gezeigt. Alltagsbegleiter, der Unterstützerkreis Asyl, die Teilnehmer am jährlichen Blumenschmuckwettbewerb für ein blühendes Gelenau, Bürger, die sich unentgeltlich um die Pflege kommunaler Grundstücke kümmern, Wanderwege erhalten, in der Gemeindebibliothek und in anderen Freizeiteinrichtungen unentgeltlich zupacken oder als Schöffe ein Stück gelebte Demokratie mitgestalten, seien dafür beispielgebend.

Der Glückwunschreigen mit anschließendem Essen, Tanz und gemütlichem Beisammensein startete wie in jedem Jahr bei den insgesamt 67 ehrenamtlichen Austrägern, die zuverlässig das Amtsblatt in rund 1650 Haushalte verteilen. Nicht zuletzt ihren unentgeltlichen Leistungen sei es zu verdanken, dass den Gelenauern die monatlichen Amtsnachrichten für einen moderaten Jahrespreis zur Verfügung stehen.


Die Verteilerin

Lisbeth Emmrich (82) weiß nicht genau, wie lange sie schon bei Wind und Wetter zwölf Mal im Jahr das Amtsblatt austrägt. Noch vor der Wende waren es ihre Söhne Steffen und Uwe, die mit dem Mitteilungsblatt der Gemeinde unterm Arm im Ort unterwegs waren. "Als sie aus dem Haus waren, habe ich das übernommen." Heute verteilt sie jeden Monat 50 Hefte des Amtsblatts ohne Aufwandsentschädigung. Stehen Wahlen an oder im Ort ein besonderes Ereignis, dann sei auch einiges an Zusatzpost dabei. Auch um die pünktliche Zahlung kümmert sie sich. "Gleich zu Jahresbeginn ist der Betrag für die zwölf Hefte fällig", erklärt sie und fügt hinzu: "Säumige Zahler gab es in all den Jahren keine."


Der Bastler

Heinz Kreißig (78) ist gelernter Klempner und kennt sich auch mit Fahrrädern bestens aus. Aus 30 alten Rädern, die in den Kirchgemeinden Venusberg und Drebach gesammelt wurden, bastelte der Rentner 25 fahr- und verkehrstüchtige Drahtesel. Geld hat Heinz Kreißig dafür nicht verlangt. Die Fahrräder waren für die Flüchtlinge im Ort. "Für die Menschen ist es wichtig, beweglich zu sein, um für sich und ihre Familien dringende Besorgungen zu erledigen oder auch nur ihren Zufluchtsort und die nähere Umgebung kennen zu lernen", resümiert Heinz Kreißig. "Für mich war die Arbeit in einer eigens von der Gemeinde dafür eingerichteten Werkstatt eine Selbstverständlichkeit."


Die Gestalterin

Kristina Schreckenbach (26) ist Grafik-Designerin und hat mit Unterstützung ihrer Medienagentur der Gemeinde viel Geld erspart. Von ihr stammt das Layout für den neuen Internetauftritt und die damit verbundenen Links vor reichlich einem Jahr. In Zusammenarbeit mit dem Haupt- und Kulturamt entstand eine moderne Präsentation, mit der Gelenau zeitgemäß auf sich aufmerksam macht. Auch wenn ihr neun Monate alter Sohn Fritz derzeit viel Aufmerksamkeit beanspruche, arbeitet sie in der Elternzeit an einem einheitlichen Gastgeberverzeichnis als wichtige Ergänzung der Homepage. Auch das neue Erscheinungsbild des Amtsblatts ist ohne ein Entgelt auf ihrem Rechner entstanden.

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