Werbung/Ads
Menü

Themen:



Foto: Jan Görner Bild 1 / 6

Expertin: Plakate so langweilig wie der Wahlkampf selbst

Wahl 2017: Wer mit dem Auto vorbeigerauscht ist, hat den größten Teil der Kandidaten schon vergessen, meint eine Expertin für Sprache in der Politik. Zumindest ein Konterfei hat sie positiv überrascht.

Von Martina Brandenburg und Jan Görner (Fotos)
erschienen am 13.09.2017

Marienberg. Das Fazit der Expertin ist eindeutig. Die Gestaltung der Wahlplakate, die derzeit auf erzgebirgischen Straßen von den Laternen grüßen, sei wie der Wahlkampf selbst. "Zum Gähnen langweilig", befindet Dr. Ruth Geier. "Nach dem Vorbeirauschen im Auto sind die meisten vergessen." Die promovierte Germanistin lehrte bis 2013 an der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz. In ihren Arbeiten beschäftigte sich die Leipzigerin mit der Sprache in der Politik und hält auch heute noch Vorträge zur Sprache in der Wahlwerbung.

So austauschbar, wie sich die Politik von CDU und SPD darstelle, seien auch die Aussagen der beiden Kandidaten des Wahlkreises 164. "Sören Wittigs Bergmannsuniform passt zwar zum Slogan Heimat-Tradition-Zukunft, aber das Plakat insgesamt wirkt schon recht bieder. Auch Alexander Krauß, der am formellsten gekleidet ist, wirkt etwas staatstragend. Für mich suggeriert das: Ich erledige meine Arbeit am Schreibtisch", urteilt die Expertin.

Verhaltenes Lob für Klaus Tischendorf: "Sozial und kompetent - der Spruch passt ebenso wie das offene Hemd zu Partei-Image der Linken und Person. Er wirkt mit seinem offenen Hemd nachdenklich und durchaus vertrauenswürdig." Mit "Ideen und Herz für das Erzgebirge" wirbt der 27-jährige Sebastian Walter. "Das mit den Ideen nehme ich ihm bei seiner Jugend ab", meint Ruth Geier. "Aber ob diese auch umsetzbar sind? Das Plakat ist klar als eines der Grünen erkennbar, aber was soll diese rosa Erdkugel?"

Ein klares Lob erteilt die Wissenschaftlerin dem Plakat von Tino Günther: "Offenes Lachen, Körperhaltung und Kleidung, dazu die Gestaltung in Schwarz-weiß - das fällt auf. Es hebt sich von der Masse ab, da gucke ich bei dem farblich akzentuierten, nicht auf den ersten Blick verständlichen Text noch mal hin. Der wirkt zwar etwas sperrig, regt aber zumindest zum Nachdenken an. Bei einem Vertreter der Liberalen rechnet man ja als Vertreter der Wirtschaft und der Besserverdienenden eher mit einem Anzugträger." Trotz der möglichen Image-Schere zeigt sich Ruth Geier begeistert: "Der Kandidat kommt sympathisch rüber. Das ist das beste Plakat von allen."

Zwiespältig fällt das Urteil Ruth Geiers über die Wahlwerbung des für die AfD in den Wahlkampf ziehenden Karsten Teubner aus: "Mit dem Slogan ,Meine Diäten für das Erzgebirge' habe ich aufgrund der Doppeldeutigkeit des Wortes Diät Probleme und muss überlegen: Was meint er damit eigentlich? Anderseits besitzt das Plakat einen regionalen Bezug, der Kandidat offeriert ein klares Versprechen. Und das ist doch eigentlich ganz löblich."

Die derzeitige Diskussion in der Fachliteratur zu den Wahlplakaten sei groß. "Nicht mehr das Vermitteln von Inhalten steht im Vordergrund, sondern das Erzeugen von Öffentlichkeit. Auch die eigenen Anhänger sollen damit sensibilisiert werden", sagt die 71-Jährige. Und das sei schwierig, denn die Konzentration auf den Kandidaten biete nicht so viel Spielraum wie thematische Plakate. Doch selbst, wenn die Plakate beim Vorbeifahren meist nur mit einem schweifenden Blick wahrgenommen würden - ums Plakatieren kommen die Parteien nicht drumrum. "Erfahrungen vergangener Wahlen zeigen: Wer keine Plakate hängt, verschenkt Aufmerksamkeit und verliert", so Ruth Geier. Damit dürfte Einzelkandidat Jörg Held im Hintertreffen sein. Der hatte bewusst auf Wahlplakate verzichtet. "Ich glaube, Köpfe mit künstlichen Grimassen langweilen irgendwann die Leute. Oder sie verschrecken die Leute so, dass sie nicht wählen gehen. Man erreicht sie nur mit Inhalten", hatte Jörg Held erklärt.

 
Seite 1 von 2
Expertin: Plakate so langweilig wie der Wahlkampf selbst
Kommentar: (Mit)Wirkung
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0

Lesen Sie auch

Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Bildergalerien
  • 21.11.2017
Michael Kappeler
Steinmeier knöpft sich Parteien vor

Berlin (dpa) - Nach dem Scheitern der Sondierungen für eine Jamaika-Koalition hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Initiative übernommen. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.11.2017
Michael Kappeler
Merkel will im Fall einer Neuwahl wieder antreten

Berlin (dpa) - Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel keinen Anlass für einen Rückzug. Falls es zu Neuwahlen kommen sollte, sei sie bereit, ihre Partei erneut in den Wahlkampf zu führen, sagte die CDU-Vorsitzende am Montagabend in einem ARD-«Brennpunkt». zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.11.2017
Guido Bergmann
Steinmeier appelliert an Parteien: Verantwortung übernehmen

Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Parteien nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen aufgerufen, sich erneut um eine Regierungsbildung zu bemühen. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.11.2017
Lisa Ducret
Bilder des Tages (20.11.2017)

Krokodil-Fänger, Restaurierung, Der große Knall, In luftige Höhe, Massenhochzeit, Durchbruch, Standarte ... ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Zschopau
Mi

9 °C
Do

12 °C
Fr

14 °C
Sa

12 °C
So

4 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Zschopau und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Zschopau

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen

Black Shopping Week - bei MediMax.

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

09405 Zschopau
Ludwig-Würkert-Straße 2
Telefon: 03725 3484-0
Öffnungszeiten:
Mo./Di./Do. 9.00 - 13.00 Uhr u. 14.00 - 17.30 Uhr
Mi./Fr. 9.00 - 13.00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
Neu
Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

Zum Facebook-Auftritt

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm