Für Abschlussarbeit mit Elektromobil durch die Welt

Von einer Ladestation zur anderen: Rund 100 Kilometer am Tag legt der Niederländer Wiebe Wakker täglich zurück. Insgesamt 27.000 Kilometer will er in einem Jahr schaffen. Und er lernt dabei nicht nur das E-Tankstellennetz kennen.

Scharfenstein.

Zu einer ungewöhnlichen Autofahrt hat sich Wiebe Wakker am 15. März aufgemacht. Mit dem Elektro-Golf will der Holländer eine über die Kontinente führende Weltreise bis nach Australien absolvieren. Gestern tankte der umweltbewusste Weltenbummler auf Einladung der Drebacher Genossenschaft "Bürger Energie Drebach" am Bahnhof in Scharfenstein seine übliche Tagesration Strom.

Die verrückte Idee, wie sie Wiebe Wakker mit einem freundlichen Schmunzeln selbst bezeichnet, geht dem 29-Jährigen schon lange durch den Kopf: "Während meines Studiums zum Eventmanager an der Kunsthochschule in Utrecht entstand der Plan, die Reise als Abschlussarbeit einzureichen." Sein Professor war einverstanden, dem Unternehmen stand nichts mehr im Wege. Auf seiner Homepage machte der Niederländer auf sein Vorhaben aufmerksam. Ohne nennenswertes Eigenkapital hoffte er auf Unterstützer, die nicht nur sein Auto mit möglichst regenerativ erzeugtem Strom versorgen, sondern dem Noch-Studenten auch Kost und Logis gewähren. "Die Resonanz war überwältigend." Ein Hilfsangebot kam auch aus Drebach. "Als wir davon erfuhren, war für unsere Genossenschaft die Unterstützung selbstverständlich", sagt der Drebacher Thomas Walther.

Eine kleine Europarundfahrt von seinem Heimatort Haarlem über Belgien, Österreich, die Schweiz und Italien liegt bereits hinter ihm. Auch erste Erfahrungen habe er auf den rund 4000 zurückgelegten Kilometern sammeln können. "In Italien ist das öffentliche Netz der Ladestationen noch recht dürftig." Die Alpenländer hätten sich auf Elektrofahrzeuge eingestellt, doch sei das nichts im Vergleich zu Deutschland. "In Plauen, meiner letzten Station vor dem Erzgebirge, gab es gleich drei Elektroladesäulen mit regenerativ erzeugtem Strom", zeigte sich Wakker überrascht.

Rund 100 Kilometer absolviert er täglich mit seinem Elektro-Auto. Damit sei die Batterie nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft, doch so weit will es der Abenteurer auch nicht kommen lassen. Nur einmal auf der A 81 sei der Fahrplan ins Wanken gekommen. "Da musste ich statt dem geplanten Quartier eine nächtliche Zwangspause neben der E-Säule an einer Autobahntankstelle einlegen."

Von seinen Erfahrungen profitieren auch die Nutzer seiner Internetseite. Wenn Wiebe Wakker nicht hinter dem Steuer seines Fahrzeuges sitzt, greift er zu Kamera und Laptop, filmt das Erlebte und stellt seine Berichte aktuell online. "Ziel meiner Abschlussarbeit ist es, das bestehende Kartenmaterial auf diesem Gebiet durch persönliche Reiseerfahrungen zu ergänzen."

Oft ergebe sich so auch das eine oder andere Quartier. Denn bis auf den letzten Schlafplatz sei die Reise nicht geplant. "Oft weiß ich nicht, wo ich übermorgen übernachte", sagt er und lacht. Doch das mache schließlich auch den Reiz seiner außergewöhnlichen Reise aus.

Die einjährige Route hingegen stehe fest. Über die skandinavischen Länder geht es bis zum nördlichsten Punkt der Reise nach Moskau. Von hier führt ihn der Weg über den Iran, durch Pakistan, Indien und Thailand bis nach Malaysia. "Nur für das letzte Stück meiner Reise zur 4,6-Millionen-Metropole Sydney muss ich auf die Fähre." Dann werden rund 27.000 Kilometer mehr auf dem Tacho seines Elektroautos stehen. Die Heimreise erfolge je nach "Kassenlage" mit dem Flugzeug oder per Schiff.

Doch so weit will Wiebe Wakker für den Moment nicht denken. "Morgen geht die Fahrt nach Halle, einen Tag später besuche ich Berlin", blickt er zunächst auf das bevorstehende Pfingstfest.


Aufladen dauert zwischen acht Minuten und sechs Stunden

Der von einem holländischen Waschmaschinenverleih gesponserte Elektro-Golf stammt aus dem Jahr 2009 und wurde modernisiert. Er wiegt 1600 Kilogramm. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem 103 PS-starken Elektromotor. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt nach Auskunft seines Fahrers 250 Kilometer pro Stunde.

Je nach Anlage dauert das Aufladen zwischen acht Minuten und sechs Stunden. Mit einer Ladung kann Wiebe Wakker durchschnittlich 250 Kilometer zurücklegen. Der erhöhte Stromverbrauch bergauf wird durch gespeicherte Energie beim Bremsvorgang bergab ausgeglichen. Auch der Verbrauch von 18 Kilowattstunden für 100 gefahrene Kilometer kann sich sehen lassen. Je nach Stromtarif koste eine Ladung zwischen drei und acht Euro.

Laut Internet-Liste Chargemap gibt es aktuell weltweit 31.629 Ladestationen mit 92.888 Anschlüssen. Das Aufladen des Elektrofahrzeugs ist jedoch bei längerer Ladezeit auch an jeder Haushaltsteckdose möglich.

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