Nexö-Schüler im Plastik-Sammelfieber

Die Zschopauer beteiligen sich an einer bundesweiten Aktion, die der Kinderlähmung den Kampf angesagt hat. Mit dem Erlös sollen Schluckimpfungen finanziert werden.

ZSCHOPAU.

Was es mit dem großen Behälter voller Plastikdeckel vor dem Lehrerzimmer auf sich hat, wissen die Schülerinnen und Schüler der Martin-Andersen-Nexö-Oberschule inzwischen. Ein großes Plakat mit der Aufschrift "500 Deckel für ein Menschenleben" klärt dennoch auf. Die Zschopauer nehmen an der bundesweiten Aktion "Deckel gegen Polio", eine Initiative des Vereins "Deckel drauf", teil. Dieser unterstützt damit seit 2014 das Rotary-Projekt "End Polio now", das der Kinderlähmung (Poliomyelitis) den Kampf angesagt hat.

Während die Krankheit dank konsequenter Impfungen in Europa als ausgerottet gilt, ist der Virus in vielen Entwicklungsländern nach wie vor allgegenwärtig. "Wenn wir ein Kilogramm oder 500 Deckel sammeln und zur Ablieferung nach Chemnitz bringen, dann reicht das Geld für eine Schluckimpfung", weiß Paul Baldung und wirft eine Handvoll Milchkarton- und Getränkeverschlüsse in den Behälter.

Die ganze Familie hat der Zschopauer schon mit seiner Sammelleidenschaft angesteckt. "Meine Großeltern machen mit, und auch Freunde bringen uns ihre Kunststoffverschlüsse", so der Zwölfjährige. Lisa Zwintzscher aus der achten Klasse geht noch einen Schritt weiter, hat im Getränkemarkt einen Zettel mit dem Anliegen der Nexö-Schüler aufhängen lassen und hofft, dass dort die Kunden ihre Verschlüsse für sie abgeben.

Auch die Mitschüler von Vivien Joseph nehmen inzwischen ihre Pfandflaschen ohne Verschluss wieder mit nach Hause. "Ich bin in unserer Klasse mit meinem Banknachbarn für das Sammeln verantwortlich."

Die Idee, so den Kindern in ärmeren Ländern bei der Bekämpfung der Krankheit zu helfen, hat Liane Eltner aus einer Chemnitzer Grundschule mit nach Zschopau gebracht. "Im Lehrerkollegium kam mein Vorschlag gut an, und auch die Schüler waren jahrgangsübergreifend Feuer und Flamme", berichtet die Deutschlehrerin. Seit einem Monat laufe die Aktion schon erfolgreich. Eine zeitliche Begrenzung sei nicht vorgesehen. "Das Sammeln für einen guten Zweck soll in unserer Schule zu einer Selbstverständlichkeit werden", sagt die Pädagogin.

Einen Wettbewerb wollen die Zschopauer aus der Aktion nicht machen. "Jeder weiß, worum es geht und trifft seine eigene Entscheidung", konstatiert sie, nimmt einen letzten Schluck aus ihrer Wasserflasche und legt den Verschluss im Lehrerzimmer zu den anderen Plastikdeckeln in einen Karton. "Wir Lehrer sammeln natürlich auch."

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