Spielzeugraritäten bereichern Sonderschau im Depot

Volkmar Noll stellt den Gelenauern Blechspielzeugeisenbahnen der seltenen Spurweite S zur Verfügung.

GELENAU.

Unter der Überschrift "Opas Blechspielzeug" lädt in den Sommerferien eine Sonderausstellung in die obere Etage der Sammlung Pohl-Ströher nach Gelenau ein. Auf zwei großen Anlagen drehen dort Personen- und Güterzüge der Spurgrößen 0 und 1 mit historischen Loks und Wagen ihre Runden. Darüber hinaus hat die Ausstellung einige Raritäten zu bieten, die besonders Liebhaber und Sammler der kleinen Bahnen interessieren dürfte. In zwei Vitrinen werden Blechspielzeugeisenbahnen der seltenen Spurweite S gezeigt.

Carl Liebmann gründete 1942 in Stadtilm die gleichnamige Metallwarenfabrik und produzierte als Rüstungsbetrieb für die Thüringer Flugzeugindustrie. Als 1948 die Sowjetunion die gesamte wieder aufgebaute Flugzeugindustrie in der Ostzone liquidierte, begann der Unternehmer auf Vorschlag seiner Belegschaft die Fertigung von Spielzeugeisenbahnen in Spurweite 0. "Für die Zeit keine Besonderheit", sagt Volkmar Noll und zeigt auf eine Dampflokomotive und vier Wagen aus den Jahr 1957. Das blecherne Ensemble zeigt die Spuren zahlreicher Kinderhände und unterscheidet sich in seiner Größe von den anderen Exponaten. "Als Vierjähriger habe ich den Zug geschenkt bekommen, viel damit gespielt, und auch meine zwei Kinder sind damit pfleglich umgegangen", erinnert sich der Sammler und Modellbahner. Was für einen Schatz er damals geschenkt bekam, erfuhr Volkmar Noll erst viele Jahre später.

Zum Jahresende 1952 verließ Carl Liebmann die DDR, und sein Unternehmen wurde 1953 in die VEB (K) Metallwarenfabrik Stadtilm überführt. Die Eisenbahn wurde komplett neu entwickelt und verbessert. Nun waren die Modelle wesentlich vorbildgerechter, entstanden aus Schwarzblech und wurden mit einem haltbaren Farbdruck versehen. "1956 begann in Stadtilm parallel zur Spur 0 die Modellproduktion der Spur S", verweist Volkmar Noll auf seine Sammlung. Als Grund für die Fertigung der kleineren Spur hält sich in Stadtilm eine Legende. Der zufolge sollte das neue Spielzeug mit dem kleinsten Durchmesser von 75 Zentimetern auf jeden Wohnzimmertisch passen, wie er in dieser Zeit üblicherweise in Neubauwohnungen zu finden war.

Im Maßstab 1:64 hergestellt, mussten Loks und Wagen für den Durchmesser eingekürzt werden. Die Gehäuse aller Triebfahrzeuge waren nun aus Kunststoff, die Fahrgestelle aus Metall. "Die Güter- und Personenwagen wurden weiterhin aus Blech gefertigt, lediglich die Radscheiben, Puffer und Kupplungen waren aus Kunststoff", so der Chemnitzer. Statt 4,5 Volt-Gleichstrommotoren bekamen die Triebwagen 12-Volt-Antriebe, und ein Netzanschluss ersetzte die Flachbatterie. Die Waggons wurden überwiegend aus Blech unterschiedlicher Qualität hergestellt. "Die damit einhergehenden Materialschwankungen führten dazu, dass man das gebräuchliche Lithografieverfahren nicht mehr einsetzen konnte. Stattdessen wurden die Waggons lackiert und anschließend mit Abziehbildern versehen."

Vor sechs Jahren begann Volkmar Noll mit dem Sammeln der Spielzeugrarität. Mit rund 40 Wagen, sechs Lokomotiven und einem zweiteiligen Triebwagen verfügt der 63-Jährige über rund 90 Prozent der im Produktkatalog aufgeführten Artikel. Mit der Übernahme der bis dahin eigenständigen Metallwarenfabrik durch das VEB Gelenkwellenwerk Stadtilm wurde 1964 die Fertigung der Spielzeugeisenbahn eingestellt. Die Spur S gab es nicht mehr.

Neben 34 Loks und Wagen zeigt die Ausstellung auch seltenes Zubehör, darunter Tunnel des Waldkirchener Herstellers Leichsenring und Häuser der Firma Pflugbeil mit Sitz in Grünhainichen. "Erstes Plastikzubehör könnte aus Wolkenstein stammen", mutmaßt Volkmar Noll. Viel sei davon nicht hergestellt worden, denn im Gegensatz zur stationären Modelleisenbahn auf einem Brett bot der Wohnzimmertisch nur im Kreisinneren Platz und musste nach dem Spielen geräumt werden.

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