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"Maßarbeit": Auf der S 228 zwischen Waldkirchen und Augustusburg hat der Orkan diese großen Fichten parallel zur Straße umgelegt. Die ersten Bäume fielen gegen 5 Uhr, die letzten gegen 9 Uhr.

Foto: Holk Dohle Bild 1 / 3

Sturm Herwart fegt über das Erzgebirge

Feuerwehren sind gestern im Dauereinsatz gewesen. Der Orkan hielt sie auf Trab. Bei der Polizei und in der Rettungsleitstelle gingen die Notrufe im Minutentakt ein.

Von Holk Dohle
erschienen am 30.10.2017

Zschopau. Bei der Bahn ging gestern nichts mehr. Dafür waren Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste ab dem frühen Morgen im Dauereinsatz. Herwart fegte am Sonntagvormittag mit über 170 Sachen übers Erzgebirge und sorgte zwischen Seiffen und Schwarzenberg sowie Oberwiesenthal und Zschopau für stürmische Stunden und zum Teil heftige Zerstörungen. Bei der Polizeidirektion Chemnitz waren zwischen 4.45 Uhr und 10Uhr 53, bis zum Mittag mehr als 300 Notrufe im Zusammenhang mit den Wetterunbilden eingegangen.

In der Rettungsleitstelle des Erzgebirgskreises in Annaberg-Buchholz klingelten die Telefone bis zum Mittag ebenfalls im Minutentakt. "Ich habe schon einiges erlebt. Aber das habe ich noch nicht mitgemacht", berichtete der Diensthabende Ronny Zapke. Der erste Anruf sei gegen 5 Uhr eingegangen. "Stoßzeit war in der achten Stunde."

Alarmiert worden sei fast durchweg wegen abgeknickten Ästen und umgestürzten Bäumen, die Straßen versperrten, Autos beschädigt hatten, auf Gebäude oder Grundstücke gefallen waren, sagte Zapke. Zudem seien auch verwehte Baustelleneinrichtungen, Baugerüste und herabfallende Dachabdeckungen gemeldet worden, so der Hauptbrandmeister weiter: "Meistens Sachschäden." Verletzte Personen habe es seines Wissens nach nicht gegeben.

Im Erzgebirgskreis hat es nach Einschätzung der Polizei besonders schwer gestürmt. Auf der Bundesstraße 101 waren Polizei und zahlreiche Autofahrer von umgestürzten Bäumen eingeschlossen. Die B 274 zwischen Jägerhaus und Abzweig Antonsthal musste gesperrt werden, nachdem ein Auto gegen einen umgestürzten Baum gefahren war.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt, da war Kyrill nicht so schlimm", sagte Frank Mielack, Leiter der Saydaer Feuerwehr. Der 57-Jährige war gestern mit 16 Kameraden von kurz nach 7 bis in den späten Nachmittag im Einsatz, um Sturmschäden im Ort zu beseitigen. Am Abend war die Verbindungsstraße von Neuhausen nach Sayda und weiter nach Obersaida/Dörnthal noch gesperrt. Auf der alten Heidersdorfer Straße ging ebenfalls nichts, hier hatten Bäume und Äste die Stromleitung gekappt.

Die Straße von Sayda nach Heidersdorf konnte dagegen ab 11 Uhr wieder befahren werden. "Wir hatten bis in den Vormittag keine Verbindung in Richtung Olbernhau, wo das nächste Krankenhaus ist. Bei einem Notfall hätte das schlimm ausgehen können", sagte Mielack, der sich auch bei seinen Kollegen aus Voigtsdorf, Neuhausen und Heidersdorf bedankte. Die Nachbarwehren seien ebenfalls im Dauereinsatz gewesen: "Das war echte Teamarbeit."

"Maßarbeit" hatte der Orkan auf der S 228 zwischen Waldkirchen und Augustusburg geleistet. In dem Wald zwischen der Abfahrt nach Witzschorf und dem Leubsdorfer Ortsteil Ziegelei legte Herwart etliche Bäume um, drei etwa 15 Meter große Fichten parallel zur Straße, nur wenige Meter von der Fahrbahn entfernt. Die riesigen Wurzelteller reichen bis zum Bankett.

In Tschechien kostete Herwart zwei Menschen das Leben, haben gestern mehrere Nachrichtenportale berichtet. Eine Frau wurde bei einem Waldspaziergang von einem Baum erschlagen. Ein Mann starb ebenfalls, als er von einem Baum getroffen wurde. Hunderttausende Haushalte waren im ganzen Land ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. In Most wurde eine Holzkirche vom das Unwetter umgeworfen und zerstört. (mit gel)

 

 
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